Rezension: Impact

Rezension: Impact

Gerade habe ich die Neuerscheinung "Impact" von Sir Ronald Cohen gelesen. Der Untertitel lautet: Ein neuer Kapitalismus für echte Veränderungen. Hier meine Anmerkungen zu dem Buch:

Der Autor Sir Ronald Cohen ist "Investor und Philantrop" - diese Kombination finde ich grundsätzlich sympathisch. In seinem neuen Buch geht es um das, was auch neudeutsch "Impact Investing" bezeichnet wird. Oder, auf gut Deutsch: Wirkungsorientiertes Investieren.

Ist das nicht das Gleiche wie Investieren gemäß ESG-Kriterien (ESG = Environmental Social Governance, auf Deutsch Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung)?

Nein. Denn bei ESG-Investments geht es üblicherweise darum, dass negative Auswirkungen des Investments möglichst verringert werden sollen.

Bei der Auswahl z.B. einer Aktie kann es dann schon ausreichen, wenn ein Unternehmen weniger schlecht ist als ein anderes (ja, die setzen auch auf Kinderarbeit, aber da sind die Kinder mindestens 12...). Gewiss, deshalb gibt es beim ESG-Investieren oft auch absolute Ausschlusskriterien der Art keine Atomenergie, keine Kinderarbeit, keine Waffenproduzenten...

Es bleibt aber beim Verhindern/Minimieren von negativen Auswirkungen. Was nicht verkehrt ist, verstehen Sie mich da bitte nicht falsch!

"Impact Investing" bzw. wirkungsorientiertes Investieren geht aber weiter.

Denn da geht es darum, aktiv Gutes zu bewirken.

Wobei "Gutes" hier Auswirkungen sind, welche Mensch und/oder Natur vorwärts bringen.

Zweiter Punkt beim wirkungsorientierten Investieren: Die Auswirkungen (= der "Impact") sollen messbar sein. Und hier kommt Sir Ronald Cohen ins Spiel, denn zu beiden Punkten kann er eine Menge sagen. Er ist seit inzwischen Jahrzehnten milliardenschwer aktiv im Bereich wirkungsorientiertes Investieren. Als Mitbegründer von "Social Finance UK" und Mitbegründer von Apax Partners (Venture Capital Unternehmen) weiß er, wovon er redet.

Wirkungsorientiertes Investieren ist genau das: Investieren, sprich keine mildtätigen Spenden. Die Investoren wollen durchaus Geld verdienen. Aber das Geld soll eben "wirkungsorientiert" arbeiten im Sinne des Guten.

Der Autor nennt zahlreiche Beispiele. So hat der dem Buch zufolge z.B. mit einigen anderen dem britischen Justizminister ein Geschäft vorgeschlagen. Eine Gruppe von Anleger würde die Finanzierung von gemeinnützigen Organisationen sichern, welche sich um ehemalige Gefangene kümmern.

Dann soll nach einiger Zeit gemessen werden, wie sich die "Rückfallquoten" dieser ehemaligen Gefangenen entwickelt haben. Sollte es da eine Verschlechterung gegeben haben, würden die Investoren ihr Geld verlieren.

Doch sollte es eine Verbesserung gegeben haben (= Rückgang der Rückfallquote), dann sollten die Investoren ihr Geld plus eine Verzinsung erhalten. Die Verzinsung sollte dabei umso höher ausfallen, je stärker der Rückgang der Rückfallquote.

Die zu zahlenden Zinsen wären für das Justizministerium immer noch geringer als die staatlichen Kosten, die für rückfällige Straftäter/innen anfallen würden.

Hier zeigte sich also auch die Messbarkeit und die Wirkungsorientierung - ein schönes Projekt aus meiner Sicht.

Da mir der Autor und sein Ansatz sehr sympathisch sind, tat es mir leid, dass ich nicht mit mehr Begeisterung bei der Lektüre war.

Das war ich aber nicht: Denn meist kam ein Gefühl der Art auf "schön und gut, und jetzt noch ein Beispiel und noch eins, aber ich bin ja eh überzeugt".

Ja, die Zeit für wirkungsorientiertes Investieren ist gekommen, so der Autor mehrfach - damit rannte er bei mir bildlich gesprochen offene Türen ein, aber besonders neu war das nicht für mich. Schließlich verfolgen wir bei "Ethische Rendite" diesen Ansatz schon seit der Gründung. Nicht ohne Grund heißt das der Untertitel

"Investieren mit Herz und Verstand".

Aber vielleicht bin ich auch gar nicht die Zielgruppe - das könnten Venture Kapitalisten sein, welche Sir Ronald Cohen gewissermaßen auf die gute Seite der Macht ziehen möchte. Und dazu kann ich ihm Erfolg wünschen.

Sir Ronald Cohen: Impact

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Rezension: Impact

Rezension: Impact – FinanzFeedGeschrieben am  8:56 am - Mai 4, 2021

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