Rezension „Mit Steuern steuern“

Steuern steuern

Rezension „Mit Steuern steuern“

Ich habe gerade das Buch "Steuern steuern" gelesen und möchte Ihnen hiermit meine Einschätzung dazu geben. Da dieses Buch inzwischen in 4. Auflage erschienen ist, muss ja etwas dran sein, dachte ich mir.

Auf der Rückseite des Buches werden zwei Fragen gestellt, ich zitiere:

Warum bezahlen reiche Menschen und große Unternehmen so wenig Steuern und Abgaben? Und weshalb kassiert der Fiskus bei mittleren Einkommen wie dem Ihren so kräftig?

Ja, warum? Die Antwort lautet gemäß Autor bzw. Verlag:

Die »Großen« steuern ihre Steuern selbst und die »Kleinen« werden gar nicht erst gefragt.

Was mir bei diesem Buch grundsätzlich gefällt, so wie von dem Autor gewohnt: Es richtet sich an Leser(innen), die keine Experten in der Thematik sind. Das Buch schafft es dann, auf gut 220 Seiten das Thema gut verständlich aufzubereiten. Nach der Einleitunggeht es in medias res. Hier der Überblick über das Inhaltsverzeichnis des Buches:

Steuern steuern

Quelle: "Steuern steuern"

Der Autor stellt klar, dass es für eine(n) Angestellte(n) mit wenig Einkommen außerhalb des Gehalts auch nur wenig zu "optimieren" im Hinblick auf die Steuer gibt. Insofern richtet sich das Buch meiner Ansicht nach primär an Selbständige/Unternehmer, was aufgrund des Titels nicht zwangsläufig klar ist.

Das "Steuerspiel" (so nennt es der Autor) geht im Grunde erst richtig los, wenn der/die Steuerpflichtige ein eigenes Unternehmen gründet. Hier wirkt er für mich aber etwas zu euphorisch, wenn er mehrfach darauf hinweist, dass dann Gewinne statt mit 42% persönlichem Einkommensteuersatz "nur" noch mit ca. 30% (Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer) versteuert werden müssen. Doch dazu braucht man auch erst einmal einen persönlichen Durchschnitts- (nicht Grenz!) Steuersatz in Richtung 42%, was zeigt, an wen sich das Buch wahrscheinlich richtet.

Und dann liegt das Geld ja auch im Unternehmen und nicht bei der Person. Wer ausschüttet, muss dann eben doch versteuern. Hier setzt Köber mit einigen interessanten Ansätzen für Alternativen an. Denn natürlich kann das eigene Unternehmen ein Gehalt an den Geschäftsführer/Eigentümer zahlen. Oder ein Darlehen geben, natürlich zu marktüblichen Zinsen. Wer ein Haus für den Eigenbedarf kauft, sollte dies nicht, indem er sich von der Bank Geld leiht und die Zinsen dann bei Eigennutzung nicht absetzen kann. Lieber auf die liquiden Mittel des eigenen Unternehmens zurückgreifen - per Darlehen. Dann fließen die Zinsen an das eigene Unternehmen und nicht an eine fremde Bank.

Leicht gesagt - doch dazu muss "man" auch erst einmal ein eigenes Unternehmen haben, das so hohe liquide Mittel bereit liegen hat, um damit eine Immobilie zu kaufen.

Bedenkenswert finde ich die Idee, Wertpapiere nicht im Privatdepot zu lagern, sondern im eigenen Unternehmen. Denn da werden Kursgewinne erheblich niedriger besteuert. Aber es gilt diverse Punkte zu beachten, z.B. Risiken wegen operativem Geschäft. Der Autor schlägt deshalb eine Holdingstruktur vor.

Andere Punkte gefielen mir nicht. Ein Beispiel: Er nennt eine Besitzerin eines Friseursalons, die Umsatzsteuer abführen muss. Er schlägt vor, ihren Friseursalon in drei Unternehmen (jeweils eigene GmbHs) aufzuteilen, damit bei zweien dieser GmbHs dann der Umsatz so niedrig ist, dass dafür keine Umsatzsteuer mehr abgeführt werden muss.

Oder das Beispiel, sein Kind im eigenen Unternehmen einzustellen - für die Buchführung, wenn es diese in der Schule (!) hat. Ein gemeinsames Essen mit dem Kind kann dann als Geschäftsessen abgesetzt werden, wenn über die Buchführung gesprochen wird.

Und was mir überhaupt nicht zugesagt hat, sind Aussagen wie diese: "Wenn wir annehmen, dass sich das Leben mit 50.000 Euro pro Jahr bequem bestreiten lässt, reicht ein Vermögen von 400.000 Euro völlig aus." Denn der Autor geht davon aus, dass sich bei der Geldanlage "15 Prozent pro Jahr sicher erreichen" lassen. 15% pro Jahr, "sicher"? Ich denke, Praktiker (wie Sie und ich?), seit Jahrzehnten an den Finanzmärkten tätig, können da nur den Kopf schütteln.

Insgesamt also ein eher durchwachsenes Fazit meinerseits für "Steuern steuern". Zum Nachdenken angeregt hat mich die Lektüre des Buches definitiv. Insofern Nutzwert vorhanden, leicht verständlich geschrieben, allerdings mit diversen Punkten, die mir persönlich nicht zusagen. Letzterer Punkt ist natürlich meine rein subjektive Ansicht.

Johann Köber: Steuern steuern

Eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF finden Sie unter diesem Link

Mit herzlichem Gruß!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

P.S.: Besser als "Steuern steuern" fand ich grundsätzlich die Neuerscheinung desselben Autors "Das große Handbuch der Stiftungen" (hier meine Rezension dazu).

 

 

 

 

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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