Rezension: Sichere Börsenstrategien

Rezension: Sichere Börsenstrategien

Nachdem ich zwei Bücher des Johann C. Köber rezensiert hatte (hier und hier), habe ich mir inzwischen auch das dritte Buch des Autors vorgenommen: Sichere Börsenstrategien

Da ich bei dem Autor die verständliche Sprache schätze, war ich neugierig, was für Strategien er denn vorstellt. (Wobei ich einschränkend in Kauf nahm, dass der Zusatz "sichere" dem Marketing geschuldet ist, denn was ist an der Börse schon "sicher"?). Hier meine Einschätzung:

Das Buch beginnt im gewohnt verständlichen und gut lesbaren Stil des Autors. Bei der Lektüre des Buches merkte ich allerdings nach einigen Seiten, dass ich wahrscheinlich gar nicht zur Zielgruppe gehöre. Offensichtlich richtet sich das Buch an Anfänger(innen) beim Thema Geldanlage. Das ist ja völlig legitim, war mir allerdings aufgrund des Titels und dem Klappentext des Buches in dieser Form nicht bewusst.

Es geht also in den ersten Seiten um grundlegende Dinge wie dem Thema Zinseszins. Erfreulich fand ich, dass der Autor auch auf Aspekte der Verhaltensökonomik eingeht. Stichworte Herdentrieb, Ankereffekt, Gier, selektive Wahrnehmung...

Für mich wurde das Lesen des Buches gewissermaßen zu einer Übung in Geduld und Achtsamkeit. Denn ich ging mit der Erwartungshaltung an das Buch heran, die Anlagestrategien des Autors kennenzulernen. Der Blick auf den ersten Teil des Inhaltsverzeichnisses zeigt, dass hier aber erst Dutzende Seiten mit Grundlagen behandelt werden:

So weit, so gut. Doch als ich dann auf Seite 105 die Kapitelüberschrift "Grundlegendes zu Aktien" las, schreckte ich hoch. Je nun! Bereits über die Hälfte des Buches gelesen, und noch keinerlei Angaben zu den auf dem Titel genannten "sicheren Börsenstrategien"? Geduld, Brauner, bzw. genau hinschauen: Denn die erste seiner Strategien hatte der Autor da bereits behandelt (ab Seite 88): Die "passive Strategie".

Diese war indes in wenigen Seiten abgehandelt und so unauffällig, dass sie von mir zunächst gar nicht als "Strategie" erkannt worden war. Das mag aber auch gegen mich sprechen.

Zu dieser Strategie 1 heißt es relativ einfach, zunächst sei das "persönliche Anlageprofil zu bestimmen" (wobei auf die mögliche Hilfe einer namentlich genannten Privatbank verwiesen wird) und dann gelte es, den passenden ETF oder Fonds auswählen und passiv investieren. That´s it, wie der Angelsachse sagt.

Nun gut, was ist die "Strategie 2"? Der Autor nennt diese "Rebalancing" und das klingt durchaus interessanter. Demnach soll das Vermögen z.B. in fünf Kategorien eingeteilt werden, deren Korrelation zueinander relativ gering (oder negativ) sein soll. Am Ende bestimmter Betrachtungszeiträume wird geschaut, welche Kategorie am besten abgeschnitten hat und welche am schlechtesten. Frisches Kapital wird da investiert, wo die Performance am schlechtesten ist - gemäß der Logik, dann sind hier die Preise günstig. Ggf. kann ein Teil der Gewinne bei der Katgorie mit der besten Performance abgeschöpft werden und dann in die Kategorie mit der schlechtesten Performance investiert werden.

Das überzeugte mich nur bedingt, da diese Strategie ohne Analyse der Gründe für diese Performance-Unterschiede auskommt und so ein "Gewinne laufen lassen" durchaus verhindert.

"The trend is your friend"?

Strategie 3 ist demnach die Trendfolge. Hier bestimmt der Autor Trends mithilfe von Gleitenden Durchschnitten und rät wenig überraschend, prozyklisch zu agieren. Bei der Auswahl der Aktien rät er grundsätzlich dazu, Fundamentaldaten zu berücksichtigen. Der Autor verweist darauf, dass er den Wert einer Aktie berechnet. Doch wie genau er das macht, da bleibt er sehr vage. So heißt es zum Beispiel, dass er das voraussichtliche Wachstum des Unternehmens berechnet. Prima, das würde ich auch einmal "berechnen" können, zukünftiges Wachstum!

Es bleibt die Strategie 4: "Covered Call", wobei er sich auf das Scheiben von Calls und Puts bezieht. Ob das für ein Buch, das sich an Anfänger(innen) richtet, geeignet ist, da habe ich gewisse Zweifel. Zweifel habe ich auch an den Gewinn-Prognosen, die der Autor abgibt. So gibt er an, dass ei einer "guten Börsenstrategie" ein Vermögen von 333.333 Euro notwendig ist, um nur aus den Gewinnen 50.000 Euro pro Jahr an Kapitaleinkünften zu erzielen (ohne Berücksichtigung von Steuern und Gebühren). Denn er behauptet:

"Fast alle reichen Menschen haben ohnehin den Anspruch, jährliche Erträge von mindestens 15% zu erzielen."

Nun, was ist schon "sicher" an den Börsen. Nach der Lektüre des Buchs bin ich insofern etwas ratlos zurückgeblieben, da die Mischung von gut dargestelltem Grundlagenwissen und einigen nicht gerade ausführlich dargelegten Strategien zumindest mich nicht überzeugen konnte. Anfänger(innen) können hier allerdings nützliche und gut aufnehmbare Informationen finden, für diese wiederum finde ich das Thema Optionen allerdings gefährlich, da sich bei falscher Handhabung mit bestimmten Optionsgeschäften bekanntlich mehr als der Einsatz verlieren lässt.

Sichere Börsenstrategien

Eine kostenlose Leseprobe des Buchs finden Sie direkt beim Verlag unter diesem Link

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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