Rezension: Gesten, Blicke, Emotionen
Ich gehöre zu den etwas sonderbaren Menschen, die eine Liste haben mit den Büchern, die sie gelesen haben. Bei mir hat das den Hintergrund, dass ich bei manchen (Sach-)Büchern wirklich nicht mehr wusste, ob ich sie vor einem Jahrzehnt schon gelesen hatte oder nicht.
Das hat den Vorteil, dass ich gerade nachschauen konnte, was ich schon vom Autoren Joe Navarro gelesen habe. Und das war einiges! Größtenteils schon einige Jahre her (z.B. September 2011, Februar 2014, Oktober 2016, November 2024)...
Und jetzt gibt es ein neues Buch von Joe Navarro, das ich gerade "verschlungen" habe:
Joe Navarro: Gesten Blicke Emotionen - Menschen lesen und für sich gewinnen
Um was es geht: Joe Navarro ist ein Bestseller-Autor zum Thema nonverbale Kommunikation. Er arbeitete als FBI-Agent und half da mit, zahlreiche Täter zu entlarven - aufgrund seiner Beobachtungsgabe.
Diese wiederum geht darauf zurück, dass er als Kleinkind mit seinen Eltern aus Kuba in die USA floh. Er sprach damals kein Englisch und lernte, Menschen auch ohne Sprachkenntnisse zu "lesen". Das professionalisierte er später und setzte es als FBI-Agent sinnvoll ein.
Seine Erkenntnisse hat er in mehreren Büchern zu Papier gebracht. Und das äußerst gut lesbar! Denn er versteht es, Informationen äußerst anschaulich und sehr interessant zu vermitteln.
Das merkte ich bei seinen vorigen Büchern - und diese Neuerscheinung ist keine Ausnahme.
Das neue Buch baut nicht auf den Vorgänger-Büchern Navarros auf, es ist für sich selbst gut lesbar.
Das hat für diejenigen unter uns, die wie ich auch die Vorgänger-Bücher Navarros gelesen hat, einen gewissen Nachteil: Es gibt einige Redundanzen in Form von Wiederholungen. Ich winkte gedanklich einige Male mit einem österreichischen Feldwebelspruch "eh scho wissen" ab.
Doch das ist ein akzeptabler Preis dafür, dass neue Leserinnen und Leser hier "abgeholt" werden ohne Vorkenntnisse.
Es betrifft hauptsächlich den ersten Teil des Buchs, in dem Grundlagen vermittelt werden (auch zu Dingen wie "Haut", "Händen", "Gesicht").
Im weiteren Verlauf des Buches gab es auch für alte Hasen wie mich durchaus interessante Neuigkeiten.
Diese vermittelte Joe Navarro gewohnt interessant, zum Beispiel mit Verweis auf die eigenen Ermittlungen während seiner Zeit beim FBI.
Es geht aber keineswegs nur um Kriminalfälle, sondern auch und besonders um Schlussfolgerungen für die nonverbale Kommunikation im privaten Bereich.
Eines von vielen Beispielen betrifft die Proxemik bzw. vereinfacht gesagt das "Abstand halten" zu einem Gesprächspartner.
- Was ist der richtige Abstand?
- Hier Nutzwert des Buches durch die Empfehlung von Joe Navarro, nach dem Händedruck einen Schritt zurückzutreten, übrigens schräg zur Seite,
- und dann zu sehen, wie der Gesprächspartner reagiert (aufrücken, wegrücken, sehenbleiben...)
Dies nur als eines von zahlreichen Beispielen, die auch für den Privatgebrauch durchaus Nutzwert bieten.
Wer die vorigen Bücher von Joe Navarro kennt, sollte sich auf einige Wiederholungen gefasst machen. Für neue Leser aber eine...
Klare Lese-Empfehlung meinerseits für:
Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.