Im Krankenhaus auf Aktiensuche
Ein paar Dinge habe ich nach meinen Krankenhaus-Aufenthalten im November, Dezember und Januar gelernt...
...zum Beispiel: Es ist egal, wie schlecht es dir geht, es geht immer noch jemandem schlechter als dir.
Es war ein verdammt hoher Preis dafür, sich des Lebens bewusst zu werden. Das hat immerhin geklappt.
Inzwischen bin ich wieder raus aus dem Krankenhaus und erinnerte mich an den weisen Epimenides.
Dessen Biografen schrieben, er habe siebenundfünfzig Jahre hintereinander geschlafen.
Doch zur Sache, Brüder und Schwestern! Hier geht es schließlich um die Finanzwelt.
Und da der Aktienmarkt seit inzwischen Jahrzehnten mein Hobby ist, habe ich auch im Krankenhaus die Augen aufgehalten.
Nachdem ich z.B. mittels einem roboterassistiertes Chirurgiesystem operiert worden war, hatte ich die Gelegenheit, mit dem Chefarzt über den Eingriff zu unterhalten. Dabei stellte ich auch Fragen zu diesem "OP-Roboter". Und analog zu Mr. Spock dachte ich mir: Faszinierend!
Via Smartphone recherchierte ich umgehend, wer diese OP-Roboter herstellt. Antwort: Das US-Unternehmen Intuitive Surgical, börsennotiert. Besagter OP-Roboter hört übrigens auf den schönen Namen Da-Vinci. Dazu später mehr.
Als ich merkte, wieviele Desinfektionsmittel täglich alleine in meinem Zimmer genutzt worden, wurde ich wieder neugierig. Wer stellt die denn eigentlich her?
Und knallharte Internet-Recherche ergab: Viele Produkte wie Sterilium (siehe Beitragsbild oben) werden von der Paul Hartmann AG hergestellt. Genau, AG = Aktiengesellschaft. Und börsennotiert. Auch dazu gleich mehr.
Nummero drei im Bunde: Aktuell in der Rehaklinik wurde ich neulich im Geräteraum auf einigen Fitness-Geräten eingewiesen, mit Alt-Oma-Einstellungen für mich. Immerhin motiviert mich das, mich zu verbessern.
Die Geräte finde ich richtig knorke...mal geschaut, wer stellt die her? Antwort: Das italienische Unternehmen Technogym. Und siehe da, auch börsennotiert.
Die genannten drei Unternehmen möchte ich kurz skizzieren.
Die Paul Hartmann AG ist ein Anbieter von Dingen wie Post-OP Verbänden oder Wundauflagen ist. Und das sind tägliche Gebrauchsartikel in zig Krankenhäusern.

Die Paul Hartmann AG ist meiner Ansicht nach eines dieser Unternehmen, die der Menschheit gute Dienste leisten. Wenn sich mit solchen Aktien Geld verdienen lässt, finde ich das klasse.
Das zeigt sich schon im Markenversprechen des Unternehmens:
„Gesundheit ist unser Antrieb“
Der Kern des Angebots der Paul Hartmann AG sind diese drei Bereiche:
- Professionelle Systemangebote für Wundbehandlung
- Inkontinenzversorgung
- Infektionsprophylaxe
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Dann gibt es noch „konsumentennahe medizinische Sortimente“ sowie „Pflege- und Kosmetikprodukte“.
Folgende Grafik zeigt die Aufteilung des Umsatzes auf die diversen Bereiche:
Quelle: Paul Hartmann AG
Einige konkrete Beispiele zu den Produkten im Angebot: Wundauflagen, Salbenkompressen, Post-OP Verbände, Tupfer und Tamponaden – für all diese Produkte ist die Paul Hartmann AG Spezialist. Es wird laufend weite geforscht und optimiert – und Ergebnisse werden dann z.B. auf dem „Deutschen Wundkongress“ präsentiert. Von der Paul Hartmann AG gab es dort einmal einen Vortrag zum Thema „venöse Unterschenkelgeschwüre“ und modernes Wundmanagement, womit sich das Unternehmen beschäftigt hat. Wer da betroffen ist, kann sich freuen, dass die Paul Hartmann AG entsprechend forscht und passende Lösungen entwickelt. Finde ich gut.

Ein Werbeplakat des Unternehmens aus dem Jahr 1968 (Quelle: Paul Hartmann AG)
Ein Blick auf die Firmengeschichte: Die Paul Hartmann AG mit Firmensitz Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg) ist laut Wikipedia die „älteste deutsche Verbandstofffabrik“ – also ein Unternehmen mit Tradition. Drei Mal dürfen Sie raten, wie der Firmengründer mit Nachnamen hieß.
Dieser hieß Ludwig von Hartmann und gründete das Unternehmen im Jahr 1818 und damit kurz nach der Napoleon-Zeit. Mithin feiert das Unternehmen in diesem Jahr sein 202jähriges Bestehen. Von meiner Seite aus herzlichen Glückwunsch! Die Produkte des Unternehmens dürften zahlreichen Menschen behilflich gewesen sein.
Zur wirtschaftlichen Seite:
Den Unternehmensangaben zufolge ist das Grundkapital in exakt 3.572.424 Aktien eingeteilt. Auf diese Weise habe ich auch die Marktkapitalisierung von ca. 761 Mio. Euro errechnet.
Hintergrund-Information
Marktkapitalisierung = Zahl der Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs. Die Marktkapitalisierung gibt sinngemäß an, wie teuer das Unternehmen wäre, wenn ich alle Aktien zum aktuellen Kurs kaufen könnte.
Im vorigen Jahr lagen die Umsätze demnach bei ca. 2,35 Mrd. Euro und damit deutlich über der Marktkapitalisierung von ca. 0,761 Mrd. Euro. Damit errechnet sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von rund 0,3, was ich recht günstig finde.
Die Zahlen für Q1-Q3 2025 zeigen Umsätze von 1,826 Mrd. Euro.
Das Konzernergebnis zeigt eine nicht so stetige Entwicklung: Da gab es in den vergangenen Jahren auch mal signifikante Gewinn-Rückgänge. Wohlgemerkt – Rückgänge des Gewinns, das Unternehmen arbeitete weiterhin sehr profitabel.
Als Grund für den Rückgang nannte die Paul Hartmann AG „anhaltend hohen Preisdruck auf den Absatzmärkten“, „hohe regulatorische Kosten“ sowie eine für das Unternehmen ungünstige Wechselkursentwicklung. Hier der Überblick über das Konzernergebnis der vorigen Jahre:

Quelle: Geschäftsbericht 2024 Paul Hartmann AG
- Gut gefällt mir das was das Unternehmen selbst als seinen Anspruch bezeichnet, ich zitiere: „Der Anspruch der HARTMANN GRUPPE ist es, das Gesundheitswesen stetig zu verbessern und die Lebensqualität möglichst vieler Menschen zu steigern. Daher treibt das Unternehmen seine Innovationen auch in Zukunft aktiv voran und führt seine nachhaltige Ausrichtung konsequent fort.“ Und anders als im Fall anderer Unternehmen, wo das nichtssagendes Blabla von der IR-Abteilung ist, sehe ich das hier als in der Tat zutreffend.
- Gut gefällt mir auch, dass die Paul Hartmann AG von der demographischen Entwicklung – tendenziell größerer Anteil an älteren Menschen in den Industrieländern mit Bedarf an Produkten des Unternehmens – profitiert.
- Was ich neutral finde: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Denn das lag in den vergangenen Jahren durchaus mal bei 20 oder noch mehr. Für das eher niedrig-margige Geschäftsfeld nicht gerade günstig.
- Was mir nicht gefällt: Der Chart – denn war das jetzt eine Bodenbildung mit anschließendem Anstieg oder nicht? Ich sage mit großer Sicherheit, dass ich mir da unsicher bin.
Zu den anderen beiden genannten Titeln möchte ich hier nur einige Eckdaten aus meinen Notizen mitteilen...
...schauen Sie sich mal den Chart von Technogym an, aktuell auf 12-Monats-Sicht über 58% zugelegt! Da staunte ich nicht schlecht, nachdem ich - nach Übung mit Technogym-Gerät - erstmal den Aktienkurs nachschaute.
Technogym IT0005162406
https://corporate.technogym.com/en/investor-relations/
Wohl dem/der, die 2016 beim Börsengang zu 3,25 Euro je Stück mit dabei waren. Der Einsatz hat sich knapp versechsfacht seitdem.
Börsengang 2016 zu 3,25 Euro/Aktie, Streubesitz 60,2%. Zum Vergleich: Peloton Interactive, Inc. (Anbieter von interaktiven Fitnessplattformen) mit ca. 9 Mrd. USD Marktkapitalisierung.
Per 31.12.24: 379,0 Mio. Euro EK (dazu 8 Mio. Euro Minderheiten), bei 199,162 Mio. Aktien = 1,90 Euro/Aktie EK, EK-Quote 42,8%. GJ 24: Ergebnis 0,44 Euro/Aktie (GJ 23: 0,37 Euro/Aktie), ROE 2021e 24,1%
Intuitive Surgical US46120E6023
Hersteller von „Da Vinci“ für minimalinvasive Operationen. Per 31.3.25: 17,106 Mrd. USD EK (keine Minderheiten), bei 362,0 Mio. Aktien = 47,25 USD/Aktie EK, EK-Quote 85,7%. GJ 24: Ergebnis 6,42 USD/Aktie (GJ 23: 5,03 USD/Aktie), ROE 2024 15,6%
Sie sehen, beide Unternehmen arbeiten mit dem Kapital der Aktionäre (diesen zuzurechnendes Eigenkapital) sehr gut.
Das zeigt die Kennzahl ROE = Return on Equity. Das ist die Rendite, die auf das Eigenkapital im genannten Jahr erzielt wurde.
15,6% und 24,1% sehen prima aus.
Und hier noch das Zitat zum Tag:
Mir meines eigenen baldigen Todes bewusst zu werden, ist das wichtigste Werkzeug, das ich jemals entdeckt habe, um mir bei den großen Entscheidungen im Leben zu helfen. Weil fast alles – alle äußerlichen Erwartungen, aller Stolz, alle Furcht vor peinlichen Situationen oder Misserfolgen – alle diese Dinge entfallen im Angesicht des Todes und lassen nur das wirklich wichtige übrig. Das Bewusstsein für den eigenen Tod ist meines Wissens der beste Ausweg aus der Falle, zu denken, dass man etwas zu verlieren hätte. Ihr seid bereits nackt. Es gibt keinen Grund, nicht eurem Herzen zu folgen.
Steve Jobs
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
P.S. Eben habe ich mit einem Mit-Patienten beim Abendbrot in der Reha-Klinik gesprochen, der mir von seinen vergangenen Selbstmord-Absichten erzählte. Ich gab ihm einen Tipp, der hoffentlich hilfreich ist, für mich jedenfalls war er das: Der Schlüssel, um den Schmerz zu umgehen, ist, sich von seinem Körper zu trennen und ihn von außen zu beobachten.
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