Rezension: Das Espresso Prinzip
Neulich fiel mir doch tatsächlich einmal eine Werbe-Botschaft positiv auf. Kommt ab und zu dann doch vor. Da hieß es, ich zitiere am besten:
In einer Welt, die von Fake News und ständigem Wandel geprägt ist, wird die Kunst der präzisen und klaren Kommunikation immer wichtiger. Wer heute als Sprecher überzeugen möchte, muss eine Botschaft vermitteln, die nicht nur gehört, sondern auch verstanden wird und nachhaltig im Gedächtnis bleibt.
Es ging da um die Ankündigung eines neuen Buches, und zwar Robert Steffens Buch „Das Espresso-Prinzip“ (Frankfurter Allgemeine Buch).
Eine kurze Recherche zum Autor fiel aus meiner Sicht positiv auf. Er setzt auf "Purpose", Storytelling". Gewiss, diese Anglizismen nerven mich durchaus. So habe ich eine "Absicht" oder ein "Lebensziel", keinen "Purpose".
Aber seinen Ansatz, nicht nur technisches Wissen zum Aufbau einer Rede zu vermitteln, sondern erst Dinge wie die eigene Absicht etc. zu hinterfragen, gefallen mir.
Das unterscheidet uns Humoide schließlich (hoffentlich positiv?) zum Beispiel von einer KI, die einen Redetext verfassen soll.
Wir sind Menschen mit Ecken und Kanten, und im Idealfall ist eine Rede von uns deshalb überzeugend, weil sie schlicht und einfach authentisch ist.
Authentisch, da sind wir direkt beim Buch, denn eine der "sieben Stufen" im Buch ist die eigene Authentizität.
Als Negativ-Beispiel nennt der Autor den aktuellen Bundeskanzler, der vor der Wahl gegen Schuldenmachen eintrat - nur um dann nach der Wahl so schnell wie möglich den Weg frei zu machen für ein riesiges Schuldenpaket (ja, so aktuell ist das Buch). Authentizität damit "Pustekuchen.

Der Blick in einen Teil des Inhaltsverzeichnisses. Quelle. Verlag
Und so wie ein "Volk ohne Vision verwildert" (natürlich kein Bezug zur aktuellen Situation, Ironie "off"), so zündet eine Rede eher weniger, wenn der Redner keine Vision hat. Obama, Steve Jobs, auch Donald Trump auf seine Art - sie haben eine Vision in ihren Reden, wissen, wo sie hin wollen. Für die Bewertung einer Rede ist das ein positiver Aspekt.
Ob die Zuhörer dann inhaltlich damit übereinstimmen, ist eine andere Frage. Doch die Rede "an sich" (Kant) wird durchaus positiver wahrgenommen, wenn dem Redner Authentizität und eine eigene Vision zugeschrieben werden.
Der Autor beginnt mit sieben solcher Stufen in Bezug auf die Persönlichkeit des Redners bzw. der Rednerin.
Erst danach folgen im zweiten Teil des Buchs dann auch technische Dinge zur besseren Vermittlung der eigenen Botschaften, sprich Aufbau der Rede etcetera pp.
Mein Fazit: Hoher Nutzwert, gute Lesbarkeit, sympathischer Autor
Dieses gut lesbare Buch motiviert im Hinblick auf das Halten einer Rede. Es liefert praxisnahes Handwerkszeug und stellt inspirierende Fragen auch und besonders im Hinblick auf die eigene Persönlichkeit des Redners. Nach einer gewissen Zeit fand ich die Analogie des Rede-Prozesses mit dem Brauen eines Espressos (daher der Name des Buchs) zwar leicht nervig, insgesamt aber kann ich dem Buch hohen Nutzwert und gute Lesbarkeit bescheinigen. Wenn Sie eine Rede halten möchten (müssen?), dann empfehle ich Ihnen dieses Buch.
Robert Steffen: Das Espresso Prinzip
Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.