„Rule Breaker Investing“

„Rule Breaker Investing“

Nach wie vor lese ich eine Menge (laut meiner dafür angelegten Excel-Tabelle seit Beginn des Jahrtausends 1174 Bücher, manche indes zwei- oder sogar drei Mal). Bei reinen Investment-Ratgebern passe ich üblicherweise inzwischen.

Getreu der alten österreichisch-ungarischen Feldwebel-Weisheit: "Eh scho wissen".

Bei dieser Neuerscheinung (Investment-Ratgeber) machte ich indes eine Ausnahme. Zum Glück. Denn sonst wären mir gut lesbare Weisheiten und Lesegenuss entgangen.

Es geht um die Neuerscheinung "Rule Breaker Investing" von David Gardner. Diesen US-Amerikaner kennen Sie vielleicht: Er ist einer der Mit-Gründer der US-Börsenseite "The Motley Fool".

Das Thema "Fool" ist für ihn und seine Texte zentral. Deshalb finde ich es in diesem Fall durchaus passend, dass der Titel des Buches im Original (= Englisch) angegeben ist, obwohl das Buch selbst auf Deutsch ist.

Gardner unterscheidet: Ein "Fool" (mit großem "F") ist eine Art Hofnarr. Jemand, der ungeniert die Wahrheit sagt - und das wird akzeptiert aufgrund seiner Rolle. Er wird aber dafür auch nicht ernst genommen.

Ein "fool" (mit kleinem "f") hingegen ist ein gewöhnlicher Dummkopf...die Masse an "Fools/fools" gehört laut Gardner zur zweiten Kategorie.

Was ich an dem Buch sehr schätze, ist der äußerst erfrischende Stil.

So blickt Gardner zum einen auf eine inzwischen jahrzehntelange Geschichte von "The Motley Fool" zurück. Er plaudert aus dem Nähkästchen, berichtet von Medien-Auftritten etc. pp.

Das Buch ist strukturiert aufgebaut:

  1. Zunächst bringt der Autor "Die sechs Gewohnheiten des Rule-Breaker-Investors"
  2. Dann folgen die "sechs Markmale der Rule-Breaker-Aktie"
  3. Und schließlich die "sechs Grundsätze für Rule-Breaker-Portfolios"

Ich fand, dass in jedem großen Themenblock die genannten Grundsätze/Punkte zum Nachdenken anregen. Das heißt nicht, dass mich alle Punkte überzeugt haben. Aber sie haben mich zum Überdenken der eigenen Ansicht angeregt.

Und wenn ein Buch das schafft, hat es für mich seinen Zweck schon erreicht.

Ein Beispiel:

Gardner vertritt im ersten Teil die Ansicht, dass man keineswegs "verbilligen" solle. Damit ist gemeint, eine Position zu erhöhen, wenn der Kurs fällt.

Er vertritt stattdessen die These, nur Gewinner-Aktien aufzustocken. So werde der durchschnittliche Einstandskurs keineswegs verbilligt, sondern erhöht. Aber so eröffne sich die Chance, bei den Gewinner-Aktien im Depot besonders stark dabei zu sein.

Und kennen Sie den Rat, dass man sich nicht in eine Aktie verlieben soll?

Gardner vertritt genau den gegenteiligen Rat. Er liebt die von ihm gehaltenen Aktien laut seiner Aussage. Auch, weil er überzeugt ist,

"dass sie Gutes in der Welt bewirken: sinnorientiert, langfristig geführt, widerstandsfähig - und mit echten Optionen in der Hinterhand".

Mit diesem Gedanken rennt er bei mir offene Türen ein - Stichwort "Ethische Rendite", Investieren mit Herz und Verstand.

Er gibt den Tipp, ein Aktieninvestment mit einem Sportclub zu vergleichen, für den der jeweilige Investor Fan ist. Würden Sie auch ein T-Shirt der Aktiengesellschaft tragen, in die Sie investieren? Nein? Dann da nicht investieren! So Gardner.

Erfrischend anders, kompetent, natürlich nicht in allen Punkten passend zu meiner persönlichen Vorgehensweise. Ich bin jedenfalls froh, diese interessante Neuerscheinung gelesen zu haben.

Insofern ein Daumen hoch meinerseits für:

David Gardner: Rule Breaker Investing

Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link.

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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