#derbankbart
Ich habe gerade das neue Buch von Jürgen Schmitt ("der Bankbart" in sozialen Medien) gelesen. Meine Rezension möchte ich mit einem Zitat des Autors beginnen. Später mehr zur Einordnung.
Vor längerer Zeit war ich bei einem Unternehmen. Wir liefen über den Campus und es fiel auf: da war niemand Ü40. Ich habe nachgefragt und erhielt verblüfft die Antwort: ´Das stimmt. Unser Unternehmen sieht sich als junge und dynamische Marke. Da passt das nicht. Irgendwann wirst du hier ersetzt. So ist das Spiel. Du musst dich darauf einlassen wollen.´ Mich hat das lange beschäftigt. Ich kaufe privat keine Sachen dieser Marke mehr. Mit Ü50 wäre ich auch nicht die Zielgruppe. Und wer denkt, dass Dynamik mit 40 aufhört, sollte es mal ausprobieren und ältere Leute an Bord holen. Oder behalten.
Dieses Zitat stammt aus einem längeren Beitrag Jürgen Schmitts bei Linkedin. Er thematisierte dies unter dem Titel "zu alt zu teuer" - und hatte mit diesem Beitrag meine Sympathie gewonnen. Denn auch ich verachte es, wenn ein Unternehmen gekünstelt auf "jung, dynamisch" setzt und ältere Mitarbeiter loswerden möchte.
Dies zusammen mit einem oberflächlichen Details (Jürgen Schmitt trägt einen imposanten Vollbart, finde ich gut) führte dazu, dass ich das neu erschienene Buch "#derbankbart" umgehend gelesen habe. Gewiss, ich bin positiv befangen und räume das freimütig ein.
In dem Buch schildert der Autor...
- seinen persönlichen Werdegang,
- er berichtet von seinem opus magnus (Finanzwissen vermitteln, Beginn mit einer größeren Kampagne zum 150. Geburtstag der Deutschen Bank)
- und gibt allgemeine Tipps für die (a-)sozialen Medien.
Das sind drei durchaus unterschiedliche Themen. Einer gewissen Logik folgend hat der Autor deshalb einen ungewöhnlichen Aufbau für sein Buch gewählt.
Der Aufbau ist wie folgt:
In kurzen, meist knackigen Kapiteln werden die drei genannten Punkte abwechselnd behandelt. Das bringt natürlich gewisse Sprünge im Lesefluss mit sich. Eben hat Jürgen Schmitt noch Tipps zum Aufbau des eigenen Linkedin Profils gegeben, dann springt er im nächsten Kapitel zu seiner Ausbildungszeit bei der Deutschen Bank...
Das ist zu Beginn ungewohnt, aber nach relativ kurzer Zeit fand ich gerade diesen Aufbau interessant. Ähnlich wie bei einer Serie (Beispiel "Game of Thrones"), in welcher die Entwicklung unterschiedlicher Charaktere in jeweils eigenen Sequenzen dargestellt wird.
Schnell wird klar: Die Passion des Autors ist es, Finanzwissen über soziale Medien zu verbreiten. Heutzutage heißt das wohl "Finance Creator", wobei ich den Begriff irreführend finde. Da gefällt mir der Spitznahme von Jürgen Schmitt = der Bankbart schon besser.
Inzwischen hat er Hunderte Posts verfasst, darunter auch Videos. Ein Beispiel ist sein Besuch bei einer Internet Security Abteilung der Deutschen Bank (siehe dieser Link - schön, sein leicht hessischer Akzent, gell?).
Allerdings: Für alte Finanz-Hasen wie mich selbst gibt es insgesamt sachlich gesehen wenig Neues in dem Buch.
"Eh scho wissen",
diese alte österreichisch-ungarische Feldwebel-Weisheit kam mir hier gelegentlich in den Sinn.
Zudem hatte ich manchmal den Eindruck, dass interessante Themen nur angerissen werden.
Gewiss, das ist der Kurzlebigkeit der Aufmerksamkeitsspanne in den heutigen sozialen Medien geschuldet. Aber hier geht es ja um ein Buch.
Der Schreibstil ist anschaulich, lebhaft, Emotionen weckend. Aber letztlich sollten Sie wissen, dass Sie hier bei der Lektüre weniger "Finanz Know How" erwartet, als vielmehr eine interessante Lebensgeschichte eines sehr sympathischen (wie ich finde) Autors.
Ob Sie das interessiert oder nicht, können alleine Sie beurteilen. Als Rat kann ich geben, vielleicht einen Blick in die PDF-Leseprobe zu werfen (siehe unten).
Insofern ein "je nachdem" Fazit meinerseits für:
Jürgen Schmitt: Der Bankbart
Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link
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Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.