Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Als ich vor einiger Zeit Oswald Spengler las (gefiel mir eher nicht), notierte ich mir, was er zum Thema "Buddhismus" schrieb (ich glaube, in den 1920ern):

Das ist keine puritanische Bewegung wie etwa der Islam und der Jansenismus, keine Reformation wie die dionysische Strömung gegenüber dem Apollonismus, keine neue Religion, überhaupt keine Religion wie die der Veden und des Apostels Paulus, sondern eine letzte rein praktische Weltstimmung müder Großstadtmenschen, die eine abgeschlossene Kultur im Rücken und keine innere Zukunft mehr vor sich haben. - Oswald Spengler

Das klang bissig und durchdacht zugleich, weshalb ich es mir notierte. Eben dachte  ich wieder daran, als ich eine Neuerscheinung las:

Ryushun Kusangagi: Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Denn dieser Autor ist ein buddhistischer Mönch - und in Japan ein Bestseller-Autor. Sozusagen das fernöstliche Gegenstück zum von mir sehr geschätzten Anselm Grün.

Sein Ansatz ist, soweit ich das korrekt verstehe, in etwa dieser:

Der Buddhismus bietet praktische Ansätze zur Verbesserung des eigenen Lebens - und dazu ist es überhaupt nicht notwendig, diesen als Religion zu sehen. Konkret geht es eher darum, wie Ansätze Buddhas uns im Alltag helfen können, z.B. innere Unruhe oder Stress abzubauen.

Wer sich ein wenig mit dem Thema Buddhismus auskennt (ich selbst aufgrund rudimentärer Erfahrungen in Thailand und Japan), mag bei der Lektüre der ersten Kapitel des Buches mit einem leicht abschätzigen "eh scho wissen" abwinken.

Gewiss, Leiden geht auf Verlangen zurück, Stichwort die vier edlen Wahrheiten. Stelle deine Wünsche und Erwartungen ab, und du wirst auch keine Enttäuschungen haben, in etwa so...

....doch zum Glück las ich weiter. Denn der Autor greift - natürlich - auf diese Aussagen zurück. Er adaptiert diese uralten Weisheiten allerdings in die Gegenwart. Und das sehr anschaulich mit persönlichen Anekdoten. Beispielsweise kam eine Frau in den 70ern zu ihm und kündigte an, sie werde sich kommende Nacht erhängen, wenn er ihr nicht helfen könne. Wie das weiterging, möchte ich natürlich nicht "spoilern".

In dem Buch finden sich auf Schritt und Tritt praktische Tipps. So half es mir z.B., Gemütszustände zu "benennen". Und ich versuche daran zu denken, weniger zu verurteilen. Das gilt auch in Bezug auf mir völlig Unbekannte, z.B. Politiker.

Bei der Aussage an eine Person sollte zuvor geprüft werden, ob

  • a) die Aussage wahr ist und ob sie
  • b) der Person einen Nutzen bringt.

Falls beides zustimmt, dann durchaus sprechen - auch wenn das der anderen Person unangenehm ist.

Doch wenn die Aussage entweder nicht wahr ist oder zwar wahr, aber dem Gegenüber keinen Nutzen bringt - dann vielleicht lieber die Klappe halten...

Das Buch gibt Denkanstöße, mehr geht natürlich auch nicht in Form eines überschaubaren Büchleins. Ein gewisser ostasiatischer blumiger Stil ist inklusive. Wenn Sie das nicht mögen, besser bei Interesse vorher einen Blick ins Buch werfen:

Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link.

Insgesamt ein eindeutiges Daumen hoch meinerseits für:

Ryushun Kusangagi: Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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