Rezension: Gier nach Privilegien

Rezension: Gier nach Privilegien

Vor wenigen Tagen ist beim Finanzbuchverlag ein interessantes - wie ich finde - Buch erschienen, das ich umgehend gelesen habe. Der Titel "Gier nach Privilegien" hatte mich neugierig gemacht, und der Untertitel deutete an, wohin die Reise geht: "Warum uns die Politik in eine Sackgasse führt".

Das erinnerte mich umgehend an eine eine Weisheit, die ich von einem meiner direkten Vorfahren gelernt habe:

"Privilegien aller Art sind das Grab der Freiheit und Gerechtigkeit"

..., so Johann Gottfried Seume.

Und so geschah es, dass ich mich umgehend an die Lektüre der Neuerscheinung machte in der Hoffnung, mich in gerechtem Zorn etwas über Privilegien in der Bundesrepublik aufzuregen und das zu genießen (mit einem Getränk zumal, des Abends).

Ich wurde diesbezüglich nicht enttäuscht.

Der Autor bringt in seinem Buch zahlreiche Beispiele für Privilegien, die zu gerechtem Zorn von Steuerzahlern wie mir führen. Was ich gut fand: Er fokussierte sich beim Beispiel "Politik" nicht auf Politiker bestimmter Parteien, sondern teilt parteiübergreifend aus.

Beispiel das Privileg der Übernahme von "Schönheits-Kosten". So soll dem Buch zufolge der Bund seit dem Ausscheiden der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel fast 57.000 Euro "für Kosmetik und Frisur" derselben ausgegeben haben.

Nickolaus Emrich setzt das in Relation: Das entspricht den Steuerzahlungen von durchschnittlich sechs Personen...die also nur dafür arbeiten und Steuern zahlen, dass der ehemaligen Bundeskanzlerin Gelder für "Kosmetik und Frisur" gezahlt werden.

Das betrifft auch amtierende Politiker. So soll dem Buch zufolge im vorletzten Jahr der Bund für die Maskenbildnerin von Annalena Baerbock 136.500 Euro gezahlt haben.

Für professionelle Fotos von Olaf Scholz sollen rund 500.000 Euro hinzukommen.

Und die Bayrische Staatskanzlei soll 180.000 Euro für Fotografien des bayrischen Ministerpräsidenten Söder im Jahr 2022 ausgegeben haben.

Wieso, fragt man sich als Steuerzahler, können nicht zumindest Politiker im Ruhestand selbst aufkommen für Dinge wie ihre Frisur? Hat man so etwas jemals in der "freien Wirtschaft" gehört?

So geht es weiter. Privilegien hier wie z.B. bei Mietern, Privilegien dort. Der Autor kommt zu einer "Hierarchie der Privlegien", die er so sieht:

  • Berufspolitiker
  • Unternehmer
  • Beamte und staatsnah Beschäftigte
  • Transferleistungsempfänger
  • Beschäftigte in der Wirtschaft

Das kann ich als Klein-Unternehmer so definitiv nicht unterschreiben. Ein Beispiel: Wenn ich krank bin, bekomme ich vom ersten Tag an keinerlei Lohnfortzahlung...was mir nach mehreren Krankenhausaufenthalten in den vergangenen 12 Monaten durchaus Sorgen bereitete...

Auch sehe ich die pauschale Schelte an Transferleistungsempfängern - er nennt als Beispiel solche, die mit protzigem Auto vor dem Arbeitsamt vorfahren - als nur teilweise passend.

Ich würde da eher differenzieren. Bei dem genannten "Hartz 4er" mit BMW würde ich durchaus gerne umgehend Sonderprüfungen ansetzen. Doch es gibt ja eben auch wirklich Bedürftige...kenne ich selbst...alleinerziehende Mutter, die nur ungern "zum Amt" geht, lieber durch Minijobs versucht, sich und Nachwuchs über die Runden zu bringen...in solchen Fällen finde ich es durchaus angebracht, dass eine weltweit gesehen durchaus reiche Gesellschaft wie unsere sich unterstützend zeigt.

Für den Autoren ist abre die Politik grundsätzlich das Problem. Weniger Staat = besser.

Das sehe ich in der aktuellen Situation auch so, aber durchaus nicht grundsätzlich. Ich denke eher - vielleicht zu blauäuigig - dass der Staat mit einer besseren Regierung durchaus auch gute Politik für unser Volk machen könnte.

Den Staat auf das Minimum zu reduzieren, würde mir persönlich eher Angst bereiten, ich nenne nur das Stichwort Innere Sicherheit. Da würde ich mir eher "mehr Staat" (= z.B. Polizisten auf Streife zu Fuß) wünschen als noch weniger.

Und dann fehlte mir noch etwas wie eine positive Botschaft des Buches. Nickolas Emrich legt den Finger in die Wunde, bringt zahlreiche Beispiele für fragwürdige Privilegien und man spürt seinen gerechten Zorn und ich denke, ihm liegt das Wohlergehen unserer Gesellschaft wirklich am Herzen. Doch sein Fazit "Politik ist das Problem" finde ich zu kurz gegriffen.

Sie merken indes, die Lektüre des Buches hat dazu geführt, das sich mich mit dem Thema und den Thesen des Autors auseinander gesetzt habe, darüber sinnierte und versuchte, mir über meine eigenen Ansichten klar zu werden.

Und wenn ein Buch das schafft, dann war es schon lesenswert, finde ich!

Mehr Informationen zum Autoren finden Sie bei Interesse unter diesem Link.

Nickolaus Emrich: Gier nach Privilegien

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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