Rezension: Meine Kriegserlebnisse…

Rezension: Meine Kriegserlebnisse…

Ein seit 1907 bestehendes Historiker-Rätsel ist nun gelöst.
Ein deutscher Historiker fand heraus, wer wahrscheinlich die beiden anonymen Offiziere waren, auf welche das Werk „Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika“ zurückgeht.

Unter lokalhistorisch Interessierten hat das Buch „Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika“ eine gewisse Bekanntheit erlangt.
Das Buch ist zuerst 1907 erschienen, laut Verlagsangaben in vier Auflagen mit beachtlichen 140.000 Exemplaren.
Später folgte dann eine Neuauflage in Bernd Kroemers „Glanz und Gloria“-Verlag. Um was es geht:
Das Buch basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen eines anonymen Offiziers der Schutztruppe. Herausgeber ist ein ebenfalls anonymer Offizier („Anonymus“), der wiederum die Tagebuchaufzeichungen fleißig kommentiert.
Gerade die Tatsache, dass sowohl der Tagebuchschreiber als auch der kommentierende Herausgeber unbekannt waren, umgab das Buch mit der Aura eines Geheimnisses.
Ist es letztlich fiktiv, ist ein hochrangiger Militär der wahre Hausgeber, oder ein Politiker, der Konsequenzen scheute?

Akribische Recherche von Ulrich Kloos

Es sieht so aus, als ob dieses Rätsel nun gelöst ist. Denn nach der Neuauflage machte sich der Historiker Ulrich Kloos (M.A.) an die Recherche. And dieser Stelle sei seiner akribischen
Vorgehensweise gedankt.
Er durchforstete das Tagebuch beispielsweise nach Hinweisen wie diesem:
An einem Tag fand ein Feldgottesdienst mit Pfarrer XY statt. Daraufhin schaute er, ob es Tagebuchaufzeichnungen dieses Pfarrers gab.
Die gab es – und da hielt er fest, bei welcher Kompagnie er an diesem Tag war. Damit ließ sich die Suche eingrenzen. An einem Tag vermerkte der Tagebuchschreiber „Mein Geburtstag“ – so waren zumindest Tag und Monat des Geburtsdatums bekannt.
Durch Hinweise wie diese gelangte Herr Kloos schließlich zum Schluss, dass der Verfasser des Tagebuchs der Oberleutnant der Schutztruppe Walter von Damm war.
Als wahrscheinlichen Herausgeber recherchierte er den Bielefelder Landrat und Veteranen Franz von Ditfurth.

Wer „Anonymus“ wirklich war

Der Verleger Bernd Kroemer nahm diese Erkenntnisse zum Anlass für eine komplette Neuauflage von „Meine Kriegserlebnisse in Deutsch-Südwestafrika“.
Darin kommt auch der genannte Ulrich Kloos zu Wort und erläuterte seine Recherchen. Kernstück des Buches sind die lesenswerten Tagebuchaufzeichnungen des Oberleutnants Walter von Damm. Inhaltlich hat sich da natürlich nichts zu den vorigen Ausgaben geändert.
Das gilt auch für die Kommentare des Herausgebers, der des Öfteren an die beiden älteren Herren in der „Muppet Show“ erinnert:
Diese kommentieren von ihren gemütlichen Balkonplätzen aus und wissen natürlich alles besser. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch.
Für die Neuauflage haben Bernd Kromer und sein Sohn Holger Kroemer passende Bilder zur Illustration ausgewählt.
Das Inhaltsverzeichnis hätte nutzerorientierter aufgebaut sein können:
Zu Beginn gibt es manchmal für jede Seite eine Überschrift – später dann entfallen auf das Kapital „Lüderitzbucht“ direkt ca. 75 Seiten.

Mein persönliches Fazit:

Wer bereits eine ältere Ausgabe von „Meine Kriegserlebnisse...“besitzt, benötigt die Neuauflage nicht. Die Tagebuchaufzeichnungen inklusive Kommentar sind schließlich unverändert.
Wer das Buch noch nicht besitzt und an der Geschichte Namibias bzw. damals Deutsch-Südwestáfrikas interessiert ist, für den kann dies ein historischer Leckerbissen sein.

Angenehme Lektüre!Ihr

Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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