Rezension: Sapiens – Die Zauberlehrlinge

Rezension: Sapiens – Die Zauberlehrlinge

Phantastisch! Klare Leseempfehlung meinerseits! In dieser Rezension stelle ich das Fazit direkt an den Beginn des Beitrags. Denn diese Neuerscheinung hat mich wirklich begeistert.

Um was es geht - lassen Sie mich bitte etwas ausholen.

Vor einigen Jahren war "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari ein weltweiter Bestseller. Auf Basis dieses Beststellers entstand eine Graphic Novel-Reihe, in der nun der vierte Band erschienen ist.

Graphic Novel? Das ist das, was Kinder der 1990er wie ich selbst noch "Comic" nennen. Mit dem Hinweis, dass sich diese Comic-Neuerscheinung definitiv an Erwachsene richtet.

Die beiden Illustratoren Daniel Casanave und David Vandermeulen schaffen es auch im mittlerweile vierten Band der Reihe, durch ihren Zeichenstil und ihren teilweise schrägen Humor in der Darstellung ein Lächeln auf die Gesichter der Leser/innen zu zaubern.

Bei mir zumindest hat das funktioniert.

Und mehrere Male saß ich bildlich gesprochen mit offenem Mund da bei der Lektüre - als ich einen grandiosen Gedankengang des Autors gut illustriert und sogar mit Humor nachvollziehen konnte.

Das Buch hat eine Rahmengeschichte: In dieser reist der Autor selbst (Yuval Noah Harari) um die Welt , teilweise mit seiner Nichte, und trifft Bekannte wie die Wissenschaftlerin Prof. Sarawati. Dabei spielen auch Details eine Rolle...beispielsweise ist das Comic, welches seine Nichte liest, bereits eine Mikro-Geschichte in der Haupt-Handlung.

In dem Kontext großes Lob an die beiden Zeichner, den Belgier David Vandermeulen und den Franzosen Daniel Casanave. Doch das ist natürlich Geschmackssache. Hier ein Beispiel für einen Auszug aus dem Buch, welcher den Zeichenstil zeigt:

Dieser neu erschienene vierte Band der Reihe behandelt grob gesagt den Zeitraum "von Kolumbus bis KI". Der Autor setzt die menschliche Entwicklung in Relation, und zwar sehr anschaulich.

So beginnt das Buch mit dem Beispiel eines Bauern in Kastilien, der um das Jahr 1026 n. Chr. in einen 500jährigen Schlaf fällt.

  • Als er aufwacht, findet er sich in der Welt weiterhin zurecht. So viel hat sich nicht geändert - zumal für einen Bauern in Kastilien.
  • Gewiss, Kolumbus kehrte von seinen Entdeckungsfahrten zurück (Entdeckung des amerikanischen Kontinents). Aber grundlegende Dinge - von Sozialstruktur bis Arbeitsutensilien eines Bauern - blieben im Wesentlichen so, wie sie es 500 Jahre vorher auch schon waren.
  • Doch was für ein Unterschied, wenn dieser Bauer dann für weitere 500 Jahre einschläft und in der Gegenwart aufwacht.
  • Mitleiderregend regelrecht, wie bildlich dargestellt wird, dass der Bauer sich in der Hölle wähnt.

Dies macht klar, was für ein Entwicklungsschub die vorigen 500 Jahren im Vergleich zur vorigen Menschheitsgeschichte waren.

Und dieser 500 Jahres-Zeitraum lässt sich nochmal aufteilen - denken Sie nur daran, was sich in Ihrem Leben technologisch getan hat...

Eine zentrale Rolle bei der menschlichen Entwicklung der vergangenen 500 Jahre nimmt dabei der Kapitalismus ein.

Und der Autor geht dieses Thema erfreulich un-ideologisch an.

So wird im Graphic Novel Stil anhand von wenigen, sympathischen Figuren beschrieben, wieso der Kapitalismus einen Schub gab bei der Wirtschaftsentwicklung. Hier spielt das Thema "Nullsummen-Mentalität" eine wichtige Rolle. Diese herrschte vor dem Jahr 1500 vor.

Und nach dieser Logik kann jemand nur gewinnen, wenn ein anderer entsprechend verliert. Deshalb war auch großer Reichtum auf gewisse Weise unmoralisch, weil er nach dieser Logik auf Kosten anderer ging.

Die neue Kapitalismus-Mentalität - der Kuchen kann für alle vergrößert werden - stellte diese Logik auf den Kopf.

Erfreulicherweise lässt der Autor im Buch über gemalte Figuren auch z.B. einen Theologen zu Wort kommen, oder den großen Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith.

Auf diese Weise gelingt es, einen - Vorsicht, Phrasenschwein- ganzheitlichen Ansatz zu erreichen bei der Betrachtung der menschlichen Entwicklung im Allgemeinen und des Kapitalismus im Besonderen.

Die Schattenseiten des Kapitalismus - Neutralität im Hinblick auf Böses, solange es gewinnsteigernd ist - werden am Beispiel des Sklavenhandels thematisiert.

Der Titel des vierten Bands beinhaltet nicht ohne Grund das Wort "Zauberlehrlinge".

Dabei sei auf Goethe verwiesen - der Zauberlehrling,...

...der mit den Mächten, die er rief, nicht mehr klarkommt.

Könnte das auf uns selbst auch zutreffen, zum Beispiel und konkret im Bereich Künstliche Intelligenz (KI)?

Wir werden sehen! Und ich hoffe nicht nur deshalb, dass dieser vierte Band nicht das Ende der von mir hoch geschätzten Graphic Novel-Reihe "Sapiens" des Autoren Yuval Noah Harari sein wird.

Bisher brachten mir alle Bände der Reihe intellektuellen Lesegenuss auf höchstem Niveau.

Bei Interesse finden Sie eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei unter diesem Link.

Von mir jedenfalls klares Daumen hoch für:

Yuval Noh Harari: Sapiens - Die Zauberlehrlinge

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

Mehr über mich

You must be logged in to post a comment.