Weltraumkapitalismus!

Weltraumkapitalismus!

Für mich persönlich konnte ich nach der Lektüre dieser Neuerscheinung sagen: Das ist bisher das inspirierendste in diesem Jahr erschienene Buch! Doch der Reihe nach.

Vorab muss ich bekennen, dass ich voreingenommen bin. Denn beim Thema "Weltraumkapitalismus" schlägt mein Herz höher.

Als Kind schaute ich begeistert "Star Trek", damals noch mit Captain Kirk und Spock ("faszinierend") etc., später als Jugendlicher dann die "Next Generation" mit dem grandiosen Captain Jean-Luc Picard, Wharf, Data...

Die Kernbotschaft war für mich schon damals ein impliziter Fortschrittsglaube.

Nach dem Motto: Die Menschheit wird sich weiter entwickeln, und bei Star Trek war es die "Oberste Direktive", die das auf den Punkt brachte.

Thema Kapitalismus...bzw. Volkswirtschaft allgemein...das interessiert mich ebenfalls seit meiner Kindheit. Auch und besonders, weil auch viel Psychologie enthalten ist...wie funktioniert das...wie wandelt sich Eigennutz so, dass er letztlich oft genug zum Vorteil aller ist? Wo funktioniert es indes weniger, Stichwort externe Effekte...

Die Verbindung beider Themen in der Neuerscheinung "Weltraumkapitalismus" ließ mich deshalb mit einer positiv voreingenommenen Grundeinstellung an die Lektüre des Buchs herangehen.
Und nun, nach der Lektüre, kann ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Denn der Autor Dr. Rainer Zitelmann versteht es vorbildlich, das Thema "Weltraumkapitalismus" strukturiert und sehr informativ anzugehen. Und vor allem: Gut lesbar! So liegen bei mir Defizite im technischen Bereich. Doch auch ohne großes technisches Wissen konnte ich eine Menge lernen z.B. zu möglichen Abbaumethoden von Rohstoffen auf Asteroiden.

Der Autor Dr. Zitelmann plaudert da auch ein wenig aus dem Nähkästchen - beispielsweise im Hinblick auf die Reaktionen, die ein Vortrag von ihm zum Thema "Asteroid Mining" beim Bundesverband der Deutschen Industrie auslöste (Kapitel 6).

Doch vorher gibt der Autor erfreulicherweise einen historischen Überblick über die Geschichte der Raumfahrt im Hinblick auf ihre politische und wirtschaftliche Einordnung.

Da fand ich es höchst spannend, dass Dr. Zitelmann bis ins 19. Jahrhundert zurückging und dem Sponsoring von Sternwarten durch reiche Privatpersonen.

Und dann im 20. Jahrhundert die großen NASA-Missionen...die aber nach der Landung auf dem Mond eher "versandeten". Ein Grund dafür: Die Anreizstruktur. Der Autor erläutert sehr überzeugend, wieso die "cost plus" Struktur zu hohen Kosten und relativ geringem Fortschritt führte.

Bei "cost plus" können die Auftragnehmer der NASA alle ihre Kosten in Rechnung stellen, plus einem "berechtigten" Aufschlag von z.B. 8%.

Die für Ökonomen wenig überraschende Folge: Die Unternehmen haben ein Interesse daran, möglichst hohe Kosten zu produzieren.

Hier zeigt sich, was Elon Musk in der Branche leistete.

Denn Musk brach konsequent mit "cost plus", sondern bot die Dienste von SpaceX und seinen Transportern ins All zum Fixpreis an. Dadurch hatte sein Unternehmen den Anreiz, möglichst effizient und kostengünstig diese Dienstleistung anzubieten. So kam es auf einmal zu deutlichem Fortschritt, und die Kosten für jede ins Weltraum beförderte Einheit sanken drastisch.

Dadurch ist laut Dr. Zitelmann überhaupt die Voraussetzung dafür geschaffen, dass an nächste Schritte wie Asteroid Mining gedacht werden kann....oder den Aufbau einer Mondbasis...

...oder den Flug zum Mars.

Da wurde mir fast schwindlig, als im Buch skizziert wurde, was beim Aufbau einer Kolonie auf dem Mars zu berücksichtigen sei.

  • Bei einigen Punkten schauderte ich indes etwas...Beispiel "human enhancement" für Reisen zum Mars:
  • Da könnte per Gentheraphie z.B. erhöhtem Krebsrisiko durch galaktische Strahlung entgegenhalten werden.

Die wirtschaftliche Seite spielt eine wichtige Rolle. Wie wird es mit den Eigentumsrechten sein? Ein durchaus für den Fortschritt relevanter Punkt!

Denn wer wird sich engagieren, wenn er/sie davon nicht selbst profitieren kann?
Und was ist mit möglichen militärischen Auseinandersetzungen im All? Zwar seit dem Weltraumvertrag vo 1967 verboten - doch werden sich zukünftig im All aktive Staaten auch daran halten?

Diese Neuerscheinung ist ein Potpourri an Aspekten, die mit dem Thema Weltraum und Wirtschaft zusammenhängen.

Der Autor hat es geschafft, dass ich zu zig genannten Unternehmen Wikipedia-Artikel nachlas.

Und es bedauerte, dass ich beim deutschen Weltraumkonzern OHB herausgekauft wurde im Rahmen eines Übernahmeangebots (Gründerfamilie Fuchs und Investor KKR).

Gewiss, das brachte einen schönen finanziellen Gewinn. Aber emotional hätte es mich gefreut, weiter investiert zu sein, wenn z.B. 2028 eine RAMSES Sonde starten soll. Diese Sonde (RAMSES = Rapid Apophis Mission for Space Safety) soll den Asteroiden Apophis bei seinem Vorbeiflug an Mutter Erde erreichen. Und die Europäische Weltraumorganisation hat den entsprechenden Auftrag an eine Tochter von OHB vergeben.

Außerdem soll OHB voraussichtlich mit einigen anderen Unternehmen ein Satellitennetz für die Bundeswehr aufbauen. Geld genug ist da, man munkelt dass das 8 bis 10 Mrd. Euro kosten soll. Sondervermögen - Unfug, Sonderschulden! - sei "Dank".

Doch das nur am Rande.

Für das Buch von mir eine glasklare Leseempfehlung!

Den Autor merke ich mir definitiv für diese Thematik:

Rainer Zitelmann: Weltraumkapitalismus

Die Verlinkung führt direkt zum Herausgeber, dem Langen Müller Verlag (kein Werbelink).

*** Die meisten Dinge haben Vor- und Nachteile. Konkret: Da ich mich gerade in medizinischer Rehabilitation befinde, blieb mir am Wochenende Zeit, auch eine zweite Neuerscheinung zu lesen:

Frank Schäffler: Generation Debts

Der Untertitel lautet treffend: "Die Generation, die alles bezahlen muss"

Dieses Buch empfehle ich Ihnen dann dringend, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre aktuelle Stimmungslage sei zu gut. Im Sinne eines gewissen Ausgleichs (taoistisches "Ying-Yang") können Sie mit der Lektüre dieses Buchs Ihre aktuelle Stimmungslage schlagartig senken. Zumindest dann, wenn Sie in Deutschland oder Österreich Steuerzahler sind.

Den Autoren Frank Schäffler schätze ich grundsätzlich, weil er sich 2009 vehement dagegen einsetzte, dass überschuldete EU-Staaten von anderen EU-Staaten "herausgeboxt" wurden. Das war vertraglich nicht notwendig und war letztlich schlecht für die Gemeinschaftswährung Euro, so Schäffler.

In seinem neuen Buch geht es ihm im Wesentlichen um zwei Punkte:

  1. Thema Rente: Wie der sogenannte Generationenvertrag die jungen Menschen zukünftig belastet
  2. Thema Staatsfinanzen: Wie explizite und implizite Schuldenlast ebenfalls künftige Generationen drückt

Diese "Ist-Analyse" ist umfangreich, stimmungs-senkend und gut lesbar.

Aber, großes Aber: Mir fehlt hier die Lösung, das Fazit. Gewiss, das gibt es, seine Lösungsvorschläge - aber die machen gerade einmal ca. 6 Seiten von insgesamt ca. 260 Seiten aus.

Auch teile ich seine Bitcoin-Begeisterung nicht...zumindest sein Fazit nicht, dass man "nur" dann "frei" sei, wenn man "Mit Sats (Einheit von Bitcoin) ein Eis gekauft oder das Abendessen bezahlt" habe. Nach seiner Logik wäre ich dann keineswegs frei.

Immerhin: Ich habe etwas über die mir zuvor unbekannte Venezuela-Krise 1902/1903 gelernt (im Buch auf Seite 127).

Insgesamt keine Leseempfehlung meinerseits für diese Neuerscheinung.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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