Rezension: Besser texten mit Kopf und KI
Wir leben in interessanten Zeiten. Das gilt auch und besonders im Hinblick auf die "KI". Ich selbst sehe die neue Entwicklung mit einer gewissen Faszination aus Neugier, Staunen und Bedenken.
Da ich selbst als Autor und Journalist durch die Welt gehe, sehe ich natürlich die Auswirkungen, welche KI in diesem Bereich haben.
Ein einfaches Beispiel: Bei Börsen-Nachrichten fällt mir verstärkt auf, dass die Texte durch KI geschrieben werden. Und als ich mir neulich mit einem Bekannten schrieb, der Texte auf einer Finanzseite einstellt, bestätigte er mir: Ja, wir setzen verstärkt Texte ein, die von KI geschrieben werden!
Als Autor und Journalist führt dies in einem gewissen Grade dazu, dass ich KI als Bedrohung wahrnehme. Wer braucht dann noch Experten, die zu Themen schreiben - wenn mittels "Prompt" ein KI-Chatbot beauftragt werden kann, z.B. "2000 Zeichen zum Thema interessante Aktien aus dem Versorgungs-Sektor" zu schreiben?
In diese gewisse Ratlosigkeit meinerseits hinein kam die Erkenntnis: In Zeiten des Umbruchs sollte ich mich intellektuell mit dieser Entwicklung beschäftigen. Es gibt üblicherweise negative und positive Aspekte. Verstehen ist zunächst einmal angesagt.
Und danach für die persönliche Vorgehensweise Schlussfolgerungen ziehen.
Und hier kam diese Neuerscheinung (März 2026) gerade richtig. Es geht um "Besser texten mit Kopf und KI" der Autoren Dominik Ruisinger und Kai Heddergott.
Diese vertreten - vereinfacht gesagt - die These: In Bezug auf Texten sind Menschen und KI keine Gegensätze, sondern eine sinnvolle Ergänzung!
Der Mensch ist es, der letztlich die Entscheidungen trifft. Aber es ist durchaus hilfreich, zum einen für die Recherche und zum anderen für z.B. Teaser oder eine erste Gliederung einen Auftrag (= Prompt) an die KI zu geben.
Eine wichtige Erkenntnis war für mich auch dies: Inzwischen gilt es, nicht nur für Menschen zu schreiben, sondern auch für die KI.
Nochmal den vorigen Satz lesen bitte. Denn er ist für Autoren und Texter im Internet zentral.
Wenn die eigenen Texte von KI-Chatbots gefunden und von diesen als Quelle genannt werden sollen, dann muss entsprechend so geschrieben werden, dass diese das aufgreifen.
Das ist auf gewisse Weise erschreckend. Aber es ist auch nicht sooo neu - ich erinnere mich, dass es in den 2000ern hieß, möglichst einmal pro Abschnitt bestimmte "Key words" verwenden, diese auch in Zwischen-Überschriften nutzen, damit der Google "Crawler" das besser ausliest und die Seite dann im organischen Google Ranking weiter oben erscheint.
Die Autoren liefern sehr viel Nutzwert. Ich erwähne dazu z.B. die KREATIV Formel. Die hilft, eigene Texte sozusagen per Checkliste durchzugehen.
- K steht dabei für Kontext und Absicht
- R für Rolle (wer schreibt? Kompetenter neutraler Wissenschaftler, oder Blogger mit lässigem Ton?)
- E für Empfänger und Ton (wer ist die Zielgruppe?)
- etc. pp.
Übrigens dachte ich dabei an den journalistischen Ehrenkodex von Franz von Sales, der u.a. dazu riet, auch den Zeitgeist zu berücksichtigen. Die Besonderheit dabei: Franz von Sales lebte vor ca. 400 Jahren. Hier ein Beitrag von mir dazu.
Doch zurück zum Buch. Erfreulicherweise gibt es auch zahlreiche Denkanstöße zu Themen, die ebenfalls mit KI zusammenhängen und ansonsten nicht so stark im Fokus stehen. Ein Beispiel: Was ist eigentlich mit Datenschutz? Wenn ein Unternehmen einen KI Chatbot nutzt,
um eine Präsentation hochzuladen und überarbeiten zu lassen....dann sollte dieses Unternehmen damit rechnen, dass die KI besagte Präsentation weiter nutzt, zum Lernen etc.
Und dann das Thema Energieverbrauch.
Die Autoren teilen mit, dass z.B. eine Bildgenerierung via KI "in etwa dem Laden eines Smartphones" entspricht, was den Energieverbrauch betrifft.
Und "zehn komplexe Prompts an ein großes Modell" sollen Energie benötigen, die der Menge des Aufladens eines Laptops entspricht.
Insofern Denkanstoß: Wenn KI, dann nicht gedankenlos für jeden Kappes Anfragen stellen...sondern durchdacht, auch im Hinblick auf den Energieverbrauch.
Mein Fazit: Falls Sie nicht zur Zielgruppe gehören (= Texte/Bücher schreiben...), ist dieses Buch eher nichts für Sie. Falls Sie allerdings zur Zielgruppe gehören, liefert die Lektüre dieses Buchs äußerst wertvollen Nutzwert zum Thema. Ich selbst habe viele Anregungen erhalten, konkrete Tipps und auch Grundsätzliches zum Nachdenken. Insofern: Für die Zielgruppe unbedingt lesenswert!
Dominik Ruisinger / Kai Heddergott: Besser texten mit Kopf und KI
Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link (dort bei "Blick ins Buch").
Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M. A.