Russland als Militärmacht
Von Zeit zu Zeit lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss (frei nach Wilhelm Busch). Insofern bemühe ich mich, kein reiner Fachidiot zu sein, sondern über den Tellerrand der Finanzmärkte hinaus zu sehen.
Und so kam es, dass ich diese aktuelle Neuerscheinung las: Russland als Militärmacht.
Dies kam so: Der Autor Alexander Querengässer ist mir aufgefallen, weil er trotz seiner relativ jungen Jahre (unter 40) bereits um die 30 Bücher veröffentlicht hat.
Da geht es hauptsächlich um militärhistorische Themen, was mich ebenfalls interessiert.
Einschub: Eine Auflistung der von mir publizierten Bücher - auch zum Bereich Geschichte - finden Sie hier
Das neueste Werk von Alexander Querengässer (Veröffentlichung Oktober 2026) lautet: Russland als Militärmacht
Da ich die russische Geschichte höchst interessant finde, machte ich mich an die Lektüre. Es beginnt erfreulicherweise im 11. Jahrhundert mit der Rurikidendynastie und damit weit weg von tagesaktuellen Dingen.
Natürlich kann der Autor bei einem Buch von ca. 270 Seiten nicht umfassend die gesamte russische Geschichte behandeln. Sein Fokus liegt auf der Militärgeschichte - und natürlich ist auch das nur ein Überblick.
Diesen Überblick gibt Querengässer aber souverän und gut lesbar.
Einschränkend möchte ich hinzufügen, dass sich der Autor keine Forschung mithilfe von Primärquellen betrieben hat. Seine Erkenntnisse stammen aus Sekundärquellen = bereits veröffentlichten Büchern.
Somit sind hier keine "breaking news" im Sinne von brandaktuellen neuen Erkenntnissen zu erwarten.
Aber darum geht es auch gar nicht. Es ist völlig legitim, aus Sekundärliteratur zu dem Thema einen gut lesbaren Überblick zu erschaffen.
Und genau das hat der Autor mit seinem neuesten Buch definitiv geschafft.
Der Schreibstil ist nüchtern-sachlich, eher schnörkellos, auch wenn gelegentlich die persönliche Einschätzung des Autors zu bestimmten Sachverhalten durchblitzt.
Da mag man zustimmen oder nicht - jedenfalls drängt der Autor seine Ansichten nicht auf.
In erster Linie geht es um das, was Helmut Markwort "Fakten, Fakten, Fakten" nannte - mit dem Zusatz "Und an die Leser denken!"
Das zeigt der Blick ins Inhaltsverzeichnis:

Die Kapitel sind chronologisch geordnet.
Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass gewisse Kontinuitäten oder auch geographische Besonderheiten erkennbar werden, die die russische Ausgangssituation zum Beispiel von der einer Inselnation wie Großbritannien unterscheiden.
Als Historiker hüte ich mich generell vor monokausalen Erklärungen und deterministischen Aussagen.
Wie oft hätte eine Kleinigkeit den Lauf der gesamten Geschichte ändern können...
Insofern sehe ich Aussage wie die, dass das Militär der "Schlüssel zum Verständnis Russlands" etwas skeptisch.
Und was ist "Verständnis Russlands"? Es ist keine monolithische Einheit, sondern besteht durchaus aus sehr unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
Insgesamt habe ich durch die Lektüre des Buchs viel über die Militärgeschichte Russlands gelernt.
Wenn Sie dieses Thema grundsätzlich interessiert, dann kann ich Ihnen....
...die Lektüre dieser Neuerscheinung unbedingt empfehlen:
Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link.
Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.