Anmerkungen zur BASF-Hauptversammlung

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Anmerkungen zur BASF-Hauptversammlung

Bei BASF gab es bei der Hauptversammlung (HV) vorigen Freitag diverse Gegenanträge, die ich sehr interessant fand! Da inzwischen die exakten Abstimmungsergebnisse vorliegen, der Blick darauf:

Zu TOP 2 (Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns) und TOP 4 (Entlastung der Mitglieder des Vorstands) hatte es diverse Gegenanträge gegeben, die u.a. dem BASF Management vorwarfen, gegenüber dem Bergbauunternehmen Lonmin seiner Verantwortung nicht nachzukommen. In dem Zusammenhang war mir aufgefallen, dass der Dachverband Kritische Aktionäre e.V. aus dem Buch „Zum Beispiel BASF“ zitiert hatte:

„Unser Buch stellt die einfache Frage: Wie ist es möglich, dass die Menschen, die eines der wertvollsten Metalle der Welt für #BASF abbauen, in Slums leben?“

Ja, wie ist es möglich? Der Dachverband Kritische Aktionäre nannte Details, wie die Arbeiter in „Marikana“ leben. Die Mehrheit der Arbeiter lebt demnach – Zitat: „in Slums ohne fließendes Wasser, Kanalisation und Strom. Diese miserable Situation ist durch die Untersuchungskommission sowie durch zahlreiche Studien wissenschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Institutionen untersucht und belegt.“

Da waren wir schon mal weiter: Ich verweise auf die Frühe Neuzeit, als z.B. in Augsburg der Unternehmer Jakob Fugger für „fromme arme Tagelöhner und Handwerker“ (fromen Armen taglönern und handtwerckern) Anfang des 16. Jahrhunderts eine Sozialsiedlung errichten ließ. Diese besteht übrigens noch heute – unterhalten durch das Stiftungsvermögen Jakob Fuggers.

Daran könnte sich BASF einmal ein Beispiel nehmen.

Und auch in den genannten Gegenvorschlägen fand ich konstruktive Vorschläge, die Mitgefühl der Antragstellenden zeigten. So wurde u.a. vorgeschlagen, dass die Dividende auf gut 5 Cents ihrer Dividende von 3,10 Euro verzichten und mit dem Geld ein entsprechender Marikana-Hilfsfonds eingerichtet wird.

Doch was hilft das schon, wenn die Eigentümer von BASF solche Gegenanträge nicht unterstützen – und die Kleinaktionäre ihre Stimmrechte der Depotbank übertragen, die dann auch dagegen ist.

So kam es, dass es bei TOP 2 und TOP 4 zwar 605.974 bzw. ca. 1,8 Mio. NEIN-Stimmen für die Vorschläge von Vorstands/Aufsichtsrat gab (eine Aktie = eine Stimme) – doch bei einem DAX-Konzern wie BASF ist das alles andere als beeindruckend. Denn das waren gerade einmal 0,13% bzw. 0,38% der Stimmen. Damit sind die Gegenanträge mit großer Mehrheit abgeschmettert worden.

Dennoch: Auch wenn das hier nichts gebracht hat – es ist von anderen Unternehmen bekannt, dass kritische Eigentümer/innen = Aktionäre durchaus einen Wandel der Unternehmenskultur bewirken können.

Eine Managerin eines anderen Konzerns vertraute mir neulich im privaten Gespräch an, dass sie sich mehr kritische Aktionäre wünschen würde – da dies dann für sie ein willkommener Anlass wäre, durchzuführende Verbesserungen in Bezug auf ressourcenschonende Produktion und Umweltschutz gegenüber dem Vorstand zu begründen.

Meine Empfehlung: Wenn Sie Aktien im Depot haben, schauen Sie vor den Hauptversammlungen einmal nach, was für Gegenvorschläge es gibt. Ich persönlich stimme keinesfalls einfach "blind" im Sinne des Vorstands ab, sondern unterstütze ggf. aus meiner Sicht sinnvolle Alternativ-Vorschläge. Wenn Sie Aktien von einem Unternehmen haben, sind Sie schließlich Miteigentümer(in).

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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