Review: The Art of Military Innovation
Von Zeit zu Zeit lege ich Reichsapfel und Zepter beiseite und denke an diese Aussage von Wilhelm Busch:
Also lautet ein Beschluß, Daß der Mensch was lernen muss. - Wilhelm Busch
Ich bemühe mich, kein reiner Fachidiot zu sein/werden. Insofern nehme ich mir von Zeit zu Zeit vor, finanz-ferne anspruchsvolle Literatur zu lesen.
Besonders gerne schaue ich da bei einer der besten Universitäten der Welt vorbei: Der Harvard University
Denn diese US-amerikanische Bildungs-Instition hat mit "Harvard University Press (HUP)" einen eigenen Universitätsverlag mit Tradition: Gegründet 1913, mit Sitz in Cambridge/Massachussetts und einer Niederlassung in London.
Dort veröffentlichen hochkarätige Wissenschaftler Bücher zu allen möglichen Themen.
Da mich jenseits der Finanzwelt zum Beispiel die Militärgeschichte interessiert, las ich neulich folgende HUP-Neuerscheinung:
Edward N. Luttwak, Eitan Shamir: The Art of Military Innovation
Hier der Blick ins Inhaltsverzeichnis:

Quelle: Harvard University Press
Es geht hier um zeitgeschichtliche Militärgeschichte. Die Autoren behandeln in insgesamt 16 Kapiteln Punkte, die seit dem Zweiten Weltkrieg auffällig im Hinblick auf militärische Innovationen waren.
Dabei geht es auch - aber keineswegs nur - um technologische Innovationen.
So wird z.B. in Kapitel 3 ("A Youthful Officer Corps") untersucht, wie ein Abweichen von der üblichen Rang-Verteilung innerhalb etablierter Armeen Vor- und Nachteile mit sich bringt.
In diesem Kapitel wird - wie meist in diesem Buch - die IDF (= israelische Armee) als Forschungsobjekt betrachtet.
Die IDF weist in der Tat bemerkenswerte Unterschied zu anderen, etablierten Armeen auf.
- Beispiel jugendliches Offizierskorps: Anders als in anderen Armeen finden sich da kommendierende Generäle in ihren 30ern.
- Und bereits Wehrpflichtige erhalten durchaus wichtige Aufgaben zugeteilt.
- Auch der bemerkenswert hohe Anteil von weiblichen Soldatinnen fällt auf und bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Die beiden Autoren untersuchen das ausführlich, auf Basis vorliegender Statistiken, aber auch z.B. durch Interviews von ehemals leitenden Offizieren der IDF.
Äußerst spannend zu lesen fand ich die Ausführungen über die "Reserve-Armee der Innovatoren" und die Entwicklung im Luftkrieg. Konkret ging es da um die sich hochschraubende Rüstungsspirale
- insbesondere im Bereich Allzweck-Flugzeuge versus Raketen-Luftabwehr (SAMs in wechselnden Ausführungen).
Für an Militärgeschichte Interessierte ist dieses Buch ein anspruchsvoller, intellektueller Leckerbissen, den ich unbedingt empfehlen kann.
Gewiss, ich musste zahlreiche Vokabeln nachschlagen - aber das gehört ja auch dazu und erweiterte meinen englischsprachigen Wortschatz.
Und es wurden so einige Synapsen verknüpft durch die Beschäftigung mit Militärgeschichte. Erfreulich, dass besonders einer der Autoren (Edward Luttwak) ab und zu auch aus dem Nähkästchen plauderte und persönliche Erfahrungen mit der IDF wiedergab.
Das Buch ist zudem mit Quellenangaben gut ausgestattet, so wie ich es bei einer Harvard-Publikation auch erwarte.
Insgesamt klare Leseempfehlung meinerseits
...für Militärgeschichtlich Interessierte, für die englische Texte kein Aschreckungsgrund sind:
Edward N. Luttwak, Eitan Shamir: The Art of Military Innovation
(kein Werbelink)
Eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei finden Sie bei Interesse unter diesem Link.
Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.