Rezension: Aufbruch in eine neue Bienenhaltung

Rezension: Aufbruch in eine neue Bienenhaltung

Wenn Sie - wie ich - Sympathie für Bienen hegen (und diese nicht undifferenziert als "Wespen" sehen und verabscheuen), dann habe ich eine Lektüre-Empfehlung für Sie:


Die Neuerscheinung: Aufbruch in eine neue Bienenhaltung

Der Untertitel sagt, um was es geht: Aktuelle Forschung zu bienengerechter Imkerei.

In dem Buch kommen neben dem sympathischen Autor Manfred Schmitz renommierte Bienenforscher zu Wort (Prof. Dr. Jürgen Tautz, Prof. Dr. Thomas D. Seely, Torben Schiffer).

Nun bin ich selbst kein Experte, halte - leider - auch keine Bienenvölker. Immerhin habe ich mir ein wenig grundlegendes Wissen angeeignet, zum Beispiel durch die Teilnahme an einem mehrwöchigen Seminar "Einführung in die Bienenhaltung".

  • Ich erinnere mich noch, dass mir manche Sachen intuitiv gegen den Strich gingen. Ältere Königinnen "wegdrücken" (= töten), um dann neue zu bestellen? Die Bienen (bzw.  den "Bien" als Gesamtheit eines Volkes) künstlich am Teilen und Schwärmen hindern, weil dann ja ein Teil der "eigenen Bienen" verschwindet (um ein neues Volk zu gründen)?

Die Lektüre des Buches zeigte mir, dass auch andere Personen ähnliche Gedanken haben und gewissermaßen für eine Revolution in der Bienenhaltung eintreten. Weg von den klassischen "Beuten", die zahlreiche Nachteile bieten, von der Schimmelbildung bis hin zu Problemen bei der Isolation, Kältebrücken etc. pp.

Das Inhaltsverzeichnis des Buches. Quelle: Ulmer Verlag

Nun bin ich gewiss nicht in der Lage, die fachlichen Vorschläge in diesem Buch auf ihre Praktikabilität prüfen zu können. Was ich aber sagen kann: Die genannten Autoren nehmen die Leser/innen mit auf eine gedanklich durchaus weit gefasste Reise. Es geht hier weniger um technische Details als vielmehr um das große Bild.

Was wollen wir bei der Bienenhaltung - "Massentierhaltung" oder möglichst artgerechte Haltung? Und wieso werden nicht auch naturnahe Behandlungsmethoden z.B. gegen die Varroa-Milbe eingesetzt, statt auf die Chemie- bzw. Ameisensäure-Keule zu setzen? So wird in dem Buch z.B. auf den Einsatz des Bücherskorpions verwiesen, der besagte Varroa-Milben frisst und deshalb in Symbiose mit den Bienen leben kann.

Einer der Autoren stellt einen Bienenstock vor, der sich Schiffer Tree nennt und offensichtlich diverse Vorteile für die Bienen hat. Allerdings stellt sich mir hier die Frage, wie bei solch einem Schiffer Tree denn überhaupt Honig für den Menschen gewonnen werden kann. Denn so sehr die Autoren bei mir offene Türen einrennen - letztlich sollte dann doch auch ein gewisser Honig-Ertrag für den Menschen übrig bleiben.

Was mir positiv aufgefallen ist: Die Fachautoren pflegen einen erfreulich anschaulichen und gut lesbaren Stil. Das liegt wahrscheinlich zum Teil daran, dass es sich bei drei Texten um verschriftlichte Vorträge handelt. Und dann ist mir das "Artwork" des Buches aufgefallen. Ein hochwertiger Umschlag, und kleine nette Details wie die Darstellung von Waben im Einband und gelungene Fotos.

Als Zielgruppe des Buchs fallen mir neben Imkern interessierte Laien ein, die zumindest ein wenig grundlegendes Wissen zu Bienen mitbringen sollten (auch wenn es eine Einleitung gibt, die Laien "abholt").

Wenn Sie zu der Zielgruppe gehören, dann möchte ich Ihnen die Lektüre des Buchs nahe legen: Aufbruch in eine neue Bienenhaltung

Unter diesem Link finden Sie bei Interesse eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei.

Dazu passend noch das Zitat zum Tag:

„O! Dass der Mensch (…) die innere Natur verstände, und einen Sinn für äußere Harmonie hätte.
Aber er weiß ja kaum, dass wir zusammen gehören, und keins ohne das andere bestehen kann.
Er kann nichts liegen lassen, tyrannisch trennt er uns und greift in lauter Dissonanzen herum.
Wie glücklich könnte er sein, wenn er mit uns freundlich umginge, und auch in unsern großen Bund träte, wie ehemals in der goldenen Zeit, wie er sie mit Recht nennt.
In jener Zeit verstand er uns, wie wir ihn verstanden. Seine Begierde, Gott zu werden, hat ihn von uns getrennt …“

- Quelle: Novalis Werke (Ausgabe C.H. Beck, S. 112f.)

Angenehme Lektüre,

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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