Rezension: Das Mantra gegen die Angst

Rezension: Das Mantra gegen die Angst

Wann haben Sie das letzte Mal bei der Lektüre eines Buches hörbar gelacht? (Pause für Ihre Antwort) Bei mir war es vor einigen Stunden, bei der Lektüre von Helge Timmerbergs neuestem Buch "Das Mantra gegen die Angst". Hier meine Anmerkungen dazu:

Zunächst einmal: Ich mag Reise-Journalismus, und die Bücher von Peter Scholl-Latour habe ich verschlungen. Und ich mag insbesondere den sogenannten Gonzo-Journalismus. Der macht im Grunde das, was ich mit meinem Blog tue: Keineswegs neutral-objektiv berichten (sofern das überhaupt möglich ist), sondern höchst subjektiv.

In dem Kontext kann ich auch die Beatniks-Generation erwähnen, der Klassiker ist da wohl "On the Road" von Jack Kerouac. Gefiel mir aber nicht - vielleicht auch, weil mir da gewissermaßen das Augenzwinkern fehlte, mit dem der Autor auch sich selbst einmal auf die Schippe nimmt.

Genau dieses Augenzwinkern liefert der Autor Helge Timmerberg in seinen Büchern. Für mich ist er der beste lebende deutschsprachige Gonzo-Journalist.

Das zeigt sich auch in dem Buch, das ich gerade gelesen habe. Die Rahmenhandlung ist schnell erklärt: Der Autor pilgerte ca. 15 Jahre vor der Handlung des besagten Buches in den Himalaya und bekam dort von einem Yogi ein "Mantra gegen die Angst" anvertraut. Das funktionierte offensichtlich - beim Einsatz gegen Angst vor Hunden oder Türstehern,...

Nun reist der Autor zurück in den Himalaya, um den Yogi wieder zu finden. "Darf er darüber schreiben es mit anderen teilen, oder verliert es dann seine Wirkung?" Das ist die Rahmenhandlung.

Timmerbergs Stärke ist es, dass seine Beschreibung des Weges dorthin bereits das Ziel im Sinne von Lesevergnügen ist. Da ich an dieser Stelle nicht "spoilern" möchte, beschränke ich mich auf einige Zitate aus dem Buch, die ich mir notiert habe:

Ich wurde 50 und stand mit beiden Beinen fest auf den Scherben meines Lebens.

Peter Scholl-Latour sagte einmal, man solle im Alter nur in Länder reisen, in denen man Kontakt mit jemandem hat, der alle Kontakte hat. Er hatte ja so was von recht.

Mein Gefühl sagte, Scarlett kommt langsam in das Alter, in dem es ihr schwerfällt, Frauen, die jünger sind als sie, zu mögen.

Der Buchmarkt ist ein romantisches Schiff mit zerfetzten Segeln und Planken, umgeben von den Superjachten der modernen Medien.

Solange ich denken kann, strebe ich nach einem selbstbestimmten Leben, und es ist mir noch nie bekommen.

Da ich selber in meinem bisherigen Leben einige Reisen in Länder abseits der ausgetretenen Touristenwege unternommen habe, kann ich mir z.B. bei der Schilderung eines Verkehrsstaus in Kathmandu genau vorstellen, wie die Situation war. Aber auch wenn ich eine Situation nicht kenne: Helge Timmerberg schafft es meiner Ansicht nach sehr gut, Stimmungen und Ortsbeschreibungen rüberzubringen. Das ganze in einer locker-flockigen Art, die sich selbst auch manchmal auf die Schippe nimmt, dass ich ihn einfach gern haben muss.

Die Lektüre seines Buches Das Mantra gegen die Angst hat mich lächeln lassen, zum Nachdenken angeregt, einiges im Internet recherchieren lassen....und wenn ein Buch diese drei Dinge schafft, ist es aus meiner Sicht empfehlenswert.

Viele Grüße,

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

 

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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