Rezension: Geldanlage in BDCs

Rezension: Geldanlage in BDCs

Diesmal mit einer Sachbuchempfehlung:

Luis Pazos: Geldanlage in Business Development Companies

Der Untertitel des Buches bringt auf den Punkt, um was es hier geht:

"Börsennotiertes Wagniskapital für den US-amerikanischen Mittelstand"

Dazu vorab einige Anmerkungen:

Im deutschsprachigen Raum habe ich durch Besuche diverser Hauptversammlungen börsennotierter und auch nicht börsennotierter Aktiengesellschaften gemerkt, dass mir kleinere Unternehmen oftmals sympathischer sind. (Premium-Abonnenten können auf meine HV-Berichte bei www.hauptversammlung24.de kostenfrei zugreifen, bei Interesse mir einfach eine Email schicken.)

Bei solchen HVs lässt sich manchmal noch z.B. beim gemeinsamen Imbiss nach der Veranstaltung direkt mit dem Finanzvorstand sprechen, anwesende Aktionäre stellen interessante und teilweise auch eloquente Fragen - kein Vergleich zu den Massenveranstaltungen, bei denen es dann auch noch ein fades Siedewürstchen nur per Essensbon gibt und die Vorstandspräsentation aus heruntergerissenen Worthülsen mit schicker Powerpoint-Präsentation besteht - ohne wirklichen Erkenntnisgewinn.

Manchmal fand ich so im deutschen Mittelstand sogenannte "hidden champions" (Marktführer in einer Nische), ich habe davon ja auch bereits einige im "Ethische Rendite Blog" vorgestellt.

Aber wie ist das mit dem Mittelstand in den USA? Wie lässt sich da indirekt in den nicht-börsennotierten US-Mittelstand investieren? Da gibt es die Besonderheit der "Business Development Companies" (BDCs). Die Unternehmen dieser Kategorie genießen Steuervorteile in den USA, dürfen dafür aber auch nur in den Mittelstand des Landes investieren (Fremd- oder Eigenkapital). BDCs sind somit ein rein US-amerikanisches Phänomen.

Ein Teil der Inhaltsangabe

Und, das finde ich besonders interessant: Es gibt vorgeschriebene Grenzen für die Relationen der Schulden, welche diese BDCs eingehen dürfen. Hier ist also dem starken "leverage" eine Grenze gesetzt, solange diese Restriktionen bestehen.

  • Doch wie genau sind die Details, und was sind eigentlich "Baby Bonds", welche von manchen dieser BDCs ausgegeben werden?
  • Und sind da auch "Heuschrecken" unter diesen BDCs, gibt es da Unterschiede, und wie ist das mit der Besteuerung?
  • Wie oft wird da üblicherweise ausgeschüttet, und was ist eigentlich mit dem Währungsrisiko und Risiken im Hinblick auf eine Änderung der Gesetzeslage?

Solche Fragen hatte ich mir bisher zwar am Rande gestellt, aber bisher nicht beantwortet. Das habe ich nun nachgeholt durch die Lektüre von "Geldanlage in Business Development Companies".

Ich würde dieses Buch als DAS deutschsprachige Nachschlagewerk zum Thema bezeichnen. Gewiss, es wimmelt hier von Abkürzungen, aber das liegt in der Natur der Sache (BDC, KAG, SBA, NAV...) - bin ich der Einzige, der dabei an dieses Lied denkt?

Das Buch holt interessierte Anleger(innen) gewissermaßen ab, indem nach der Einleitung zunächst Grundlagen (Fremd- und Eigenkapital, Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung etc. pp.) erläutert werden. Das Herzstück ist dann Teil 2 des Buches, in welchem der Autor in Kapitel 16 "sämtliche börsennotierten BDCs aufführt", die zum Zeitpunkt der Druckledung des Buches (Anfang des Jahres) verfügbar waren. Sehr informativ und angesichts der Tatsache, dass es sich hier eben um eine Nische des Kapitalmarktes handelt, auch in übersichtlicher Form machbar.

Ein Sachbuch mit hohem Nutzwert für diejenigen, welche sich für Business Development Companies interessieren. Meinem Überblick zufolge ist es derzeit DAS deutschsprachige Standardwerk zum Thema BDCs.

Luis Pazos: Geldanlage in Business Development Companies

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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