Rezension Outlive

Outlive

Rezension Outlive

„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

- Albert Einstein (1879 – 1955)

Ich habe vor kurzem ein neues „Endzeit-Spiel für 2-4 Überlebende“ namens Outlive gespielt und musste dabei an besagtes Zitat von Albert Einstein denken. Das Setting: Im Jahr 2079 ist die Staatenwelt nach einem Weltkrieg bis auf ca. 30.000 Personen ausgelöscht. In diesem düsteren Szenario kämpfen 2-4 Gruppen (= Spieler/innen) um das Überleben und um den Sieg in diesem Endzeit-Spiel.

Selten habe ich ein Strategiespiel gespielt, bei dem das Setting atmosphärisch passend rübergebracht wird. Les Poilus mit dem Setting Kameradschaft im Ersten Weltkrieg fällt mir da direkt noch ein.

Der Spielmechanismus ist hier im Grunde das bewährte Worker-Placement. Sprich: Ein Feld, eine bestimmte Aktion ausführen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn an den insgesamt 8 Aktions-Orten (wie Wald, zwei verlassene Städte, ehemaliger Vergnügungspark, aufgegebene Militärbasis…) lassen sich manchmal auch unterschiedliche Aktionen ausführen. Neben dem Suchen nach Ressourcen wie Munition im Militärlager oder Holz im Wald können manchmal auch Alternativen durchgeführt werden: Jagd oder Durchsuchen.

Und passend zum düsteren Szenario kann auf anwesende Spielfiguren der Gegner Druck ausgeübt werden. Wer da nicht mithalten kann (z.B. durch Ausrüstungsgegenstände oder Munition), der muss gewissermaßen in Demutshaltung an den Überlegenen Material und/oder Lebensmittel abgeben.

Der Spielablauf ist wie folgt:

  • In Phase 1 (Dämmerung) werden bestimmte Ressourcen wieder aufgefüllt.
  • Phase 2 (Tag) ist die Kernphase des Spiels. Jeder Spieler bewegt vier Spielfiguren unterschiedlicher Stärke und führt entsprechende Aktionen aus.
  • In Phase 3 (Sonnenuntergang) können dann Ereignisse abgewendet werden. Auch das ist sehr stimmig. So kann es z.B. zu einem Sandsturm, einer Rattenplage, dem „Besuch“ einer feindlichen Gruppe oder einer Tierseuche kommen, alles passend illustriert. Wenn diese Ereignisse nicht abgewendet werde (durch Einsatz von bestimmten Ressourcen), dann haben sie üble Auswirkungen. Und bleiben aktiv – solange, bis sie in einer der späteren Runden abgewendet werden (oder auch nicht).

Überlebende müssen dann ernährt werden, hierbei erweist sich insbesondere Wasser als kritische Ressource. Die Spieler haben Bunker, in denen Überlebende sich sammeln können – doch dazu muss die Strahlung möglichst draußen gehalten werden. Wer Fleisch, Konservendosen und/oder Wasser vorweisen kann, kann auch neue Überlebende rekrutieren. Mit Materialien wiederum kann der Bunker ausgebaut werden. Der Vorteil: Jeder Raum bietet voll besetzt spieltechnische Vorteile. Zudem ist jede(r) Überlebende(r) am Ende einen Siegpunkt wert. Der Nachteil: Zusätzliche Münder wollen jede Runde ernährt werden…

Abgerundet wird das Spiel dadurch, dass jede Fraktion eine/n eigene/n Anführer/in mit spezifischen Eigenschaften hat und diverse Ausrüstungsgegenstände.

Und so sieht das Ganze dann auf dem Spielbrett aus:

Outlive Pegasus SpieleMeine Einschätzung:

Wer auch außerhalb der Finanzwelt seine kleinen grauen Zellen anstrengen möchte und Strategie-Brettpiele mag, für den könnte Outlive sehr passend sein.

Für mich handelt es sich um die bisher beste Neuerscheinung 2018. Dafür sorgt auch das opulente Material (310 Marker, 50 Raumplättchen, 10 Anführerkarten, 40 Ausrüstungsplättchen…) und die stimmigen Illustrationen. Einige Logikfehler (warum soll ich im Bunker die Strahlung fernhalten, wenn draußen ungeschützt Mitglieder des eigenen Teams Ressourcen einsammeln) verzeihe ich da gerne, das ist wohl der funktionierenden Spielmechanik geschuldet. Das Setting ist vom Grundtenor her düster, was sicher nicht jedem gefällt. Doch kam bei uns in der Runde in geradezu physischer Form der Überlebenswille durch. Und letztlich der Wunsch, dass es die Menschheit schafft, ein solches Szenario in der Realität niemals Wirklichkeit werden zu lassen.

Schönen Feierabend!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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