Unterhaltsame Finanzwelt?

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Unterhaltsame Finanzwelt?

Bernie Ecclestone muss 100 Mio. Dollar zahlen, binnen einer Woche. Dafür wird sein Prozess eingestellt, und er ist ein freier Mann. Möglich macht es Paragraph 153a der Strafprozessordnung (gibt es übrigens seit 1974), wonach ein Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage möglich ist, "wenn die Schwere der Schuld nicht entgegensteht".

Ziel soll gewesen sein, die Justiz zu entlasten, gerade im Bereich der Kleinkriminalität. Es sollte nicht wegen jeder "Kleinigkeit" zum Prozess kommen, dann lieber Geldauflage und die Sache ist gegessen.

Ob sich damals der Gesetzgeber gedacht hat, dass dies für Fälle wie den von Bernie Ecclestone relevant sein wird? 100 Milliönchen sind nun keine Kleinigkeit. Eine Kleinigkeit dazu fiel mir auf. Die zeigt meiner Ansicht nach sehr deutlich, dass wir keineswegs alle perfekt rational handelnde Menschen sind ("homo oeconomicus"). Ist mir seit längerem klar (muss nur mich selber anschauen) - aber bei den Wirtschaftswissenschaften ist das immer noch die herrschende Meinung.

Deshalb wird da auch von den "perfekten Märkten" gesprochen, worüber ich nur den Kopf schütteln kann. Bzw. ich freue mich darüber: Denn das bedeutet, dass sich schöne Chancen ergeben, wenn sich viele nach solchen abstrusen Vorgaben richten.

Doch zurück zum Thema. Völlig rationale Menschen. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge wollte die Staatsanwaltschaft 100 Mio. Euro zur Einstellung des Verfahrens. Das war Ecclestone aber demnach zu viel. Die Staatsanwaltschaft beharrte aber auf einem dreistelligen Millionenbetrag. Und was passierte? Eine wunderbare Einigung: Dann nehmen wir doch Dollar statt Euro. Das sind nach aktuellem Kurs ca. 74,92 Mio. Euro - aber in den Meldungen steht "100 Mio". Zwar Dollar, aber wer schaut schon so genau hin.

Da sage nochmal jemand, die Finanzwelt sei nicht unterhaltsam.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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