Update thyssenkrupp nucera

Update thyssenkrupp nucera

Neulich war ich im Rahmen eines Bildungsurlaubs, den ich leitete, bei thyssenkrupp nucera.

Dort standen neben einer Betriebsbesichtigung auch Gespräche mit dem Leiter Investor Relations sowie dem Werkmanager/Geschäftsführer an.

So etwas liebe ich - sich vor Ort eine eigene Meinung bilden aufgrund des Gesehenen und Gesagten.

Etablierte Unternehmen der Branche wie eben thyssenkrupp nucera punkten in Bezug auf die Möglichkeit, auch Großaufträge abwickeln zu können.

Allerdings lässt bei diesem Unternehmen die Profitabilität zu wünschen übrig. Das ist seit dem Börsengang im Sommer 2023 ein Thema. Das Management vertrat und vertritt sinngemäß die Ansicht, dass aktuell eher die Zeit des „Säens“ als die des „Erntens“ sei.

Doch jahrelanges Säen sollte irgendwann auch einmal zu „Ernten“ = deutlich positivem Nettoergebnis und evtl. Dividendenzahlungen führen. Wann dieses „irgendwann“ ist – derzeit weiterhin offen.

Bei der Betriebsbesichtigung ging es in erster Linie um ein Projekt mit dem etwas kryptischen Namen "Carbon2Chem".

Als ich erst einmal verstanden hatte, um was es geht, war ich begeistert. Auf dem Gelände der Mutter Thyssenkrupp gibt es das Pilotprojekt "Carbon2Chem", bei dem CO2-Quellen - hier konkret z.B. Hüttengas = ein Abgas - und Wasserstoff verwendet werden.

Der Wasserstoff wird aus einem vor Ort befindlichen Elektrolyseur von Nucera hergestellt.

Die Kombination von beiden ergibt Produkte, die stark nachgefragt sind. Beispiel Ammoniak oder Methanol. Das ist sehr interessant im Hinblick auf die Beimischung z.B. in Kerosin für Flugzeuge.

Hier eine schematische Darstellung dazu:

Quelle: https://www.thyssenkrupp-carbon2chem.com/

Ich fand es grandios, dass ein Input Faktor etwas ist, was keiner haben will, wie die Abgase aus der Stahlproduktion.

Wieso skaliert man diese Anlagen nicht, so meine Frage.

Die Antwort fand ich sehr ernüchternd. Wenn ich das richtig verstanden habe, erlaubt die Europäische Union es ab 2031 nicht mehr, dass die Abgase aus der Stahlproduktion als Input genutzt werden - sofern das Ergebnis als "grün" gelten soll.

Denn auch die Inputs sollen dann "grün" sein.

Das macht meiner Ansicht nach gar keinen Sinn, denn die Abgase sind ja da und es ist doch super, wenn die genutzt weden können.

Doch wenn dann laut Europäischer Union das Endprodukt wie Methanol oder Ammoniak nicht mehr "grün" ist, wird die Nachfrage nicht mehr gegeben sein. Zumindest nicht so stark, wie sie es wäre, wenn das Produkt als "grün" gelten würde.

Das Pilotprojekt ist finanziert und wird durchgezogen. Doch die Skalierung und Umsetzung in der Wirtschaft könnte scheitern - beinahe hätte ich jetzt geschrieben, wegen dieser unsinnigen Vorgabe der Europäischen Union.

Ich füge einschränkend hinzu, dass ich mir die Regulatorik nicht angeschaut habe und das hier Geschriebene auf einigen Stunden Besichtigung und Gespräch mit den genannten Personen und Technikern vor Ort beruht.

Wie Sie die genannten Faktoren bewerten mag anders aussehen. Gerne können Sie mir dazu auch schreiben via info@ethische-rendite.de

Und hier noch das Zitat zum Tag:

„Viele kleine Aktionäre, an vielen kleinen Orten, die viele Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."

- Von mir abgewandeltes afrikanisches Sprichwort

Mit freundlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

P.S. Wenn Sie möchten, dass ich mir die thyssenkrupp nucera Aktie generall mal wieder näher anschaue - schreiben Sie mir gerne.

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Michael Vaupel

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