HV Valora Effekten Handel (VEH)
Was haben die Aktiengesellschaften Schlossgartenbau AG, Nationalbank Essen, Naturstrom AG, Industriehof AG oder WKV gemeinsam?
Antwort: Sie sind alle unnotiert, d.h. an keiner Wertpapierbörse notiert.
Für mich war das bisher ein Ausschlusskritierium. Was will ich mit Aktien, die ich überhaupt nicht handeln kann? (Und wie soll ich die dann überhaupt kaufen?)
Inzwischen habe ich ein wenig umgedacht. Denn ich war neulich bei der Hauptversammlung eines nicht börsennotierten Immobilienunternehmens, das mir sehr gut gefallen hat. Das Management machte einen ausgezeichneten Eindruck, die Bilanzkennzahlen sehen gut aus (z.B. solide Eigenkapitalquote) und es gibt eine schöne Dividendenrendite.

Am Veranstaltungsort für die kleine, aber feine HV. Hatte Charme.
Ein Randaspekt: Die Hauptversammlung war sehr angenehm. Da die Aktie nicht börsennotiert ist, waren nur ca. 5 Aktionäre vor Ort. Da war ein ganz anderer persönlicher Umgang auch mit den Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat möglich als z.B. bei einer Massen-HV wie die der Deutschen Post oder Bayer, wo ich dieses Jahr war. Und während es bei Letzteren "Essens-Bons" für ein trockene Brötchen mit Industrie-Siedewurst gab, hatten die ca. 5 Aktionäre bei der nicht-börsennotierten AG ein ganzes Kuchenbuffet für sich alleine. Doch Sie haben natürlich völlig Recht, ich schweife ab.
Denn eigentlich möchte ich heute von einer ganz anderen Hauptversammlung berichten. Ich war heute bei der HV der Valora Effekten Handel (VEH). Und die ermöglichen den Handel mit ebensolchen "unnotierten Aktien".
Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung (HV) der Valora Effekten Handel AG fand am 20. Mai 2026 „mit Präsenz“ statt. Veranstaltungsort war das Radisson Hotel in Ettlingen.
Hier mein Bericht für Sie:
Beginn war gegen 10:00 Uhr. Die Eröffnung der Veranstaltung erfolgte durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Herrn Ralf Bake.
Nach den weiteren, üblichen Formalia übernahm der Alleinvorstand Klaus Helffenstein das Wort.
Dieser gab zunächst einen Überblick über das Geschäftsjahr 2025. „Seit Jahren ein Problem“ seien die Rechtskosten zur Abwehr der Angriffe der Reich-Gruppe. Zwar konnten in der Vergangenheit positive Gerichtsurteile erreicht werden, viele seien aber noch nicht rechtskräftig. Deshalb wurde noch nicht viel erstattet. Wir hatten über 100.000 Euro Rechtskosten deshalb im vorigen Geschäftsjahr. Die Reich-Gruppe hatte bei der vorigen Hauptversammlung über 200 Fragen gestellt.
Zum 30.9.2025 lagen wir im Umsatz dank Sonderaufträgen bei 4,5 Mio. Euro. Wir planten mit Gesamtjahresumsatz von 4,5 bis 6,5 Mio. Euro. Wir lagen zum Stichtag 30.9.25 über unserer Ergebnisplanung. Im gesamten Geschäftsjahr 2025 hat sich die Zurückhaltung unserer Kunden im Basisgeschäft fortgesetzt. Dank Paket-Umsätzen lagen wir aber im Rahmen der dann angepassten Planung (5,5 bis 6,5 Mio. Euro).
An den Fonds für allgemeine Bankrisiken wurden 104.000 Euro abgeführt. Unter dem Strich blieb ein Ergebnis von ca. 59.000 Euro.
Liquiditätsrisiken waren dank Eigenkapital-Ausstattung nicht erkennbar.
Zum 31.12.25 lag der Bestand an börsennotierten Wertpapieren bei rund 0,9 Mio. Euro. Zwei Positionen mit Volumen von über 100.000 Euro per Stichtag:
MPC AG und United Internet AG
Die Finanzierung erfolgte vollständig aus Eigenkapital.
Die Liquidität ist geparkt, und steht jederzeit zur Verfügung. Liquiditätsrisiken sind nicht erkennbar. Die Liquidität soll die VEH von Bankenfinanzierung unabhängig machen.
Risiken: Rückgang der allgemeinen Aktienmärkte birgt Risiken. Chancen: Die Gesellschaft verfügt in ihrem Geschäftsfeld über gute Geschäftschancen. Diese beziehen sich auf langjährige Kunden und Chancen bestehen in der Gewinnung neuer Kunden. Insgesamt sieht der Vorstand die Risiken als überschaubar an.
Prognose 2026: Ungeprüftes Ergebnis zum Ende des 1. Quartals, da gab es ca. 15.000 Euro Rechtskosten wegen Reich-Gruppe. 4-5 Mio. Euro Umsätze und Ergebnis von ca. 70.000 Euro sind geplant für das Geschäftsjahr 2026. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich das allgemeine Umfeld für nicht-börsennotierte Aktien auf niedrigem Niveau entwickeln wird. Es können sich wesentliche Chancen aus Paket-Geschäfte ergeben. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Mitarbeiter wird jemand gesucht, der VEH evtl. übernimmt, Liquidation sieht der Vorstand als nicht sinnvoll.
Die Generaldebatte
Es folgte das, was ich bei einer HV normalerweise am interessantesten finde: Die Generaldebatte! Die Aktionärinnen/Aktionäre stellen Fragen - Vorstand und/oder Aufsichtsrat antworten. Gelebte Aktionärs-Demokratie. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit weiche ich hier teilweise vom chronologischen Verlauf ab.
Herr Scherf von der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) begann. Er räumte ein, dass die Gesellschaft für ihn „neu“ ist. Themen: Qualität und Nachhaltigkeit der Ergebnisse, Angemessenheit der Vergütung, Nachfolgeplanung. Zum letzteren Punkt: Wer ist denn da überhaupt potenziell im Markt vorhanden als Käufer des gesamten Unternehmens?
Welche konkreten Wachstumsfelder sehen Sie? Wie soll die Abhängigkeit von einzelnen Transaktionen reduziert werden? Wir sehen deutlichen Diskussionsbedarf. Rechtsstreitigkeiten und Kostenbelastungen, seit Jahren gibt es Rechtsstreitigkeiten mit Reich-Gruppe. Wie hoch sind die kumulierten Rechts- und Beratungskosten insgesamt seit Beginn der Auseinandersetzungen mit der Reich-Gruppe?
Welche personellen Ressourcen bei der VEH werden dadurch gebunden? Welche Kosten prognostizieren Sie für den Bereich 2026? In welchem Umfang wurden bislang Ersatzansprüche geltend gemacht? Es gibt im Wege der Treuepflicht Möglichkeiten.
Wir sehen den Sonderprüfungsantrag kritisch. Solche Anträge müssen Mehrwert für Aktionäre haben, ist das hier der Fall? Vielleicht wird der Nachredner das erläutern können.
Manchmal kann es günstiger sein, einer Sonderprüfung zuzustimmen direkt, als das bis zum BGH gehen zu lassen. Wir müssen Kostendisziplin und operative Weiterentwicklung beachten! Mit welchen besonderen Aktienrisiken hat sich der Aufsichtsrat konkret beschäftigt? Welche Kontrollmechanismen bestehen in Bezug auf Rechtskosten, wird das im Aufsichtsrat besprochen? Was ist mit Nachfolgerisiko?
Wir sehen den Vergütungsbericht kritisch. Vorstand verdient über 200.000 Euro pro Jahr, das gesamte Unternehmen hat Jahresüberschuss von 59.000 im vorigen Geschäftsjahr. Wie rechtfertigt der Aufsichtsrat hohe variable Vergütung bei bescheidenem Ergebnis? Welche konkreten Pläne bestehen im Hinblick auf Kapitalmaßnahmen? Welche konkreten Investitionsmöglichkeiten rechtfertigen eine mögliche Kapitalerhöhung?
Sehr positiv möchte der Redner hervorheben, dass die Hauptversammlung mit Präsenz stattfindet.
Dann sprach Herr Hagen Schmitt für eigene Aktien. Er appelliert an die Aktionäre, auf Beschimpfungen zu verzichten. Es geht nicht darum, berechtigte Fragen abzuwürgen, aber die Rechtskosten belasten die Gesellschaft. Am Ende des Tages sollen Fragen doch berechtigte Kritik sein und nicht die Gesellschaft an den Abgrund drängen.
Dann Frage an den Handelsbestand, der soll per Ende September bei 900.000 Euro ca. liegen, wie hoch sind die Abschreibungen auf diese Positionen?
Dann sprach Aktionär Reich: Ich bin seit ca. 25 Jahren beteiligt. Wir hören seit Jahren von Herrn Helffenstein immer das Gleiche – wir sehen Potenzial durch Neukundengewinnung. Tja, wie viele neue Kunden gab es denn 2025? Der Vorstand führte aus, dass er Liquidation als nicht sinnvoll sieht. Aber: Vor einigen Jahren lag das Eigenkapital noch bei 2,5 Mio. Euro. Jetzt sind wir bei rund 1,5 Mio. Euro. Wir hatten sieben Verlustjahre, ja jetzt mal ein Gewinn von 59.000 Euro. Das ist „Tropfen auf dem heißen Stein“.
Wenn man die Gesellschaft aufgelöst hätte vor Jahren, hätten wir 1,50 Euro pro Aktie bekommen. Die Hoffnungen auf Übernahme der Gesellschaft – ja was soll denn da übernommen werden? Thema Crowdfinancing – total verschlafen. Was macht eigentlich der Vorstand den ganzen Tag? Büro soll 400 Quadratmeter haben, und das bei vier Mitarbeitern, 100 qm pro Mitarbeiter? Wieviel Geschäfte werden eigentlich pro Jahr und pro Tag (heruntergerechnet) abgewickelt?
Anstatt das Ergänzungsverlangen der Beteiligungen im Baltikum AG zu veröffentlichen, wurden wieder teure Maßnahmen ergriffen (teure Berater), um das „abzuschmettern“.
Am OLG wird weiter darüber gestritten, ob das Tagesordnungs-Ergänzungsverlangen berechtigt ist oder nicht. Die Rechtsanwälte wollen streiten, und Rechtsanwalt Lochner erhielt Hunderttausende Euro. Er hatte gehofft, dass der neue Aufsichtsrat da eingreift.
Und von wegen, Valora habe alle Prozesse gewonnen, das sei mitnichten so. Wie hoch sind konkret die Kosten? Valora brüstet sich, man gewinnt am Amtsgericht, man brüstet sich beim Landgericht Karlsruhe gewonnen, man brüstet sich, beim OLG gewonnen. Und dann nimmt BGH das Verfahren an, und BGH legt die Sache dem EUGH vor.
Beim BGH darf Dr. Lochner gar nicht auftreten, da er kein BGH Anwalt. Aber „natürlich“ dürfen Dr. Lochner und Kollegen zum BGH, und Valora zahlt Reisekosten, Stundenlöhne, kostet extra. Was hat das BGH Verfahren die VEH konkret gekostet? Wir werden auch heute wieder keine Antworten bekommen zu diesem Thema. Das wird unter den Tisch gekehrt! Umfangreiche Fragen – auch im letzten Jahr – wurden einfach nicht behandelt. Mit wie vielen Kunden macht die Valora 50% und 80% des Umsatzes? Das wird heute nicht beantwortet, so die Prognose. Das kostet uns alles Zeit, und der „Lochner kassiert kräftig ab!“
Warum beschäftigt der VEH-Vorstand Dr. Lochner vor dem BGH, welchen Vorteil hat das für die Aktionäre der Valora? Wurde der Vorstandsvertrag verlängert, ja oder nein – und wenn ja, wie lange?
Gehalt von Herrn Helffenstein von 150.000 auf 225.000 Euro erhöht, und 59.000 Euro Gewinn ausgewiesen. Seite 20 Geschäftsbericht, die gesamten Löhne betragen 373.000 Euro, für 4 Personen? Das ist ein „Selbstbedienungsladen“! Deshalb soll die Gesellschaft nicht aufgelöst werden. Zukunftsthemen – welches könnte es denn sein?
Crowdfunding könnte es sein, Online-Plattform gibt es nicht, es wird ja noch mit Papier gearbeitet, das wäre ja Arbeit für den Vorstand! So geht es nicht weiter, aber so ändert sich ja nichts. Es gibt „Tagesgeldzinsen“, es gibt 1 oder 2%, aber offensichtlich ist der Vorstand noch nicht mal in der Lage, das Geld zu setzen. Wird die Vergütungsstruktur von Vorstand und Aufsichtsrat für angemessen gehalten und wenn ja, warum?
Aufschlüsselung der Rechtskosten nach „Beratungskosten, Rechtskosten, Vorschüsse“, und kumulierte Kosten für Dr. Lochner. Hat er inzwischen „siebenstellig bekommen von der Valora“?
Bitte beantworten Sie auch die Fragen, die ich in TOP 7 gestellt habe. Soll ich die vorlesen? Die liegen doch vor, wieviel Personen sind eigentlich heute tätig im „back offic“? Wir haben hier vielleicht 1:1 Betreuung der Aktionäre. Wer von diesen Mitarbeitern ist denn eigentlich für mich persönlich zuständig? Ich kann es nur noch mit Humor nehmen! 14 Aktionäre, und wahrscheinlich 14 Personen die für Valora tätig sind heute. Es besteht der Verdacht, dass Aktionärsvermögen veruntreut wird, deshalb Antrag auf Sonderprüfung. Welche Kosten sind der Gesellschaft durch das Führen der Prozesse vor dem EUGH und BGH entstanden? Wer hat den Auftrag erteilt, wer trägt die Verantwortung dafür? Haben sich Vorstand und Aufsichtsrat vorher rechtlichen Rat eingeholt? Wenn ja, von wem? Wenn nein, warum nicht?
Rückblick 2025, da lag das Ergebnis per 30.9.25 bei über 200.000 Euro, zum 31.12.25 dann bei 59.000 Euro. Was ist passiert, dass wir in Q4 25 so viel Geld verloren haben? Dann Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken – wenn wir nächstes Jahr ein Ergebnis von 200.000 Euro vor Steuern, was wird dann abgeführt an Fonds für allgemeine Bankrisiken? Ist da eine Variable drin, wie wird das berechnet?
Interessiert mich jedes Jahr: Seit 10 Jahren versuche ich zu klären, wie berechnet man die Vorstandsvergütung von Herrn Helffenstein. Ich habe „leider nur BWL studiert, ich verstehe es nicht“. Der Herr Bake (Aufsichtsrat) wird uns das bestimmt erläutern. Bericht des Aufsichtsrats: Der Aufsichtsrat habe den Vorstand demnach regelmäßig beraten. Wie?
Gab es zustimmungspflichtige Angelegenheiten? Abweichungen des Geschäftsverlaufs von vereinbarten Plänen – gibt es überhaupt einen Plan? Und Ziele natürlich? Gibt es ein Gutachten im Hinblick auf „Aussichten auf Schadensersatz“ im Hinblick auf Reich-Gruppe? Was ist DORA, wird im Geschäftsbericht erwähnt? Wie viele „wichtige Geschäftsvorfälle“ gab es denn im Vorjahr?
Wie haben sich denn die Aufsichtsrats-Mitglieder weitergebildet, gab es Schulungen? Wann konkret wurde der Bericht des Aufsichtsrats verfasst und beschlossen? Frage zur Bilanz – da steht ein Posten „Fonds für allgemeine Bankrisiken“, Sonderposten 103.900 Euro, im Jahr davor 0, bitte um Erläuterung.
Thema Mietvertrag, „Spielwiese“ mit 400 qm, wenn wir die Gesellschaft auflösen, wie schnell kommen wir aus diesem Vertrag heraus? Wenn Auflösung beschlossen wird, welche Kosten würden für Aktionäre entstehen? Wie schnell würde das konkret gehen? Damit wir da auch wissen, wieso es laut Vorstand und Aufsichtsrat „nicht sinnvoll“ wäre, aufzulösen.
Mein Fazit: Gewiss kein Investment!
An dieser Stelle brach ich ab, weil sich abzeichnete, dass die HV bis zum Abend gehen würde und ich mir keinen weiteren Erkenntnisgewinn versprach. In der derzeitigen Situation kommt ein Investment in VEH-Aktien für mich persönlich nicht in Frage und ich kann das auch nicht guten Gewissens empfehlen.
Und hier noch das Zitat zum Tag:
„Viele kleine Aktionäre, an vielen kleinen Orten, die viele Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."
- Von mir abgewandeltes afrikanisches Sprichwort
Mit freundlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt
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