Steinhoff: Der nackte Mann?

Aktie

Steinhoff: Der nackte Mann?

Ich hoffe, Sie sind nicht bei der Steinhoff-Aktie mit dabei. Denn da droht wirklich ein Totalverlust.

Der Steinhoff-Konzern hat diverse Beteiligungen weltweit, einige habe ich mir vor Ort in Afrika angeschaut. Das Problem bei Steinhoff:

Es ist mir unmöglich, die Aktie vernünftig zu analysieren - denn die Basis für eine seriöse Analyse fehlt. So hatte das Unternehmen vor einem Jahr (Dezember 2017) Unregelmäßigkeiten in der Bilanz eingeräumt. Und da ging es wohl nicht darum, dass ein paar Briefmarken falsch gebucht wurden - denn bis heute (!!) gibt es keine geprüften Zahlen für das Geschäftsjahr 2017, das bereits am 30.9.2017 endete. Und danach hat Steinhoff diverse Beteiligungen verkauft, um die Schulden bedienen zu können.

Mit anderen Worten: Wie soll sich seriös bewerten lassen, wenn keine Zahlen vorliegen? Auch der Wirtschaftsprüfung befinde sich in forensischen Untersuchungen, bisher noch ohne Ergebnis, wie es dazu sinngemäß von Steinhoff heißt.

Nun kann Unsicherheit - wie hier - an den Börsen manchmal auch eine Chance sein. Nämlich genau dann, wenn die Marktteilnehmer(innen) derzeit stark risikoavers sind - und dann solche Aktien verkaufen.

Wer weiß, vielleicht wird es sich lohnen, zu Notierungen von derzeit rund 10 Cents Steinhoff-Aktien einzusammeln?

Wer weiß. Ich werde jedenfalls nicht kaufen. Aufgrund dieser Punkte, die ich eben gefunden habe:

Bekanntlich hat Steinhoff ein Schulden-Problem. Auf der Internetseite des Unternehmens habe ich eine "Lenders Presentation" gefunden, derzufolge die Höhe der externen Schulden der Steinhoff Gruppe bei insgesamt rund 9,8 Mrd. Euro liegt:

Steinhoff Debt

Quelle: "Lenders Presentation", Seite 10, online abrufbar unter diesem Link

Der Grafik lässt sich auch entnehmen, dass der Löwenanteil der Schulden bei der Steinhoff Europe AG (SEAG) liegt, auf der 5,0 Mrd. Euro externe Schulden lasten. Außerdem ist die Steinhoff Finance Holding GmbH (SFH) mit 2,7 Mrd. Euro belastet. Der Stand der Gläubiger-Präsentation ist vom September.

Steinhoff: Der nackte Mann?

Einem nackten Mann kann man nicht in die Taschen greifen - doch Steinhoff steht keineswegs "nackt" da, der Konzern hat noch diverse Assets. Doch auch da gibt es große Fragezeichen. Beispiel die US-Tochter Mattress Firm. Diese Steinhoff-Tochter hatte sich in den USA unter Gläubigerschutz begeben, den das Unternehmen inzwischen wieder verlassen hat. Zig Filialen wurden geschlossen bzw. sollen geschlossen werden - und es ist mir nicht klar, was mit der Schuldenlast passiert ist. Es spricht einiges dafür, dass Steinhoff Anteile an dieser Tochter an Gläubiger gegeben hat, bezahlt haben diese dann sozusagen mit ihren Forderungen. Was aber bleibt dann letztlich für Steinhoff?

Hier gilt es zu beachten: Wenn Assets verkauft werden, um Gläubiger zu befriedigen, dann haben Aktionäre (= Eigenkapital) das Nachsehen. Das würde auch bei einer Liquidation des gesamten Konzerns gelten. Fremdkapital hat Vorrang vor Eigenkapital, wenn es um die Verwertung von Assets geht.

Will heißen: Erst wenn die Gläubiger ihr Geld bekommen haben, gibt es den Rest für die Aktionäre. Wenn nicht, dann heißt es eben Totalverlust für die Aktionäre.

Ich habe mir einmal angeschaut, wer denn überhaupt die Gläubiger von SEAG und SFH sind. Denn auf denen lasten bekanntlich ca. 5 Mrd. Euro und ca. 2,7 Mrd. Euro Schulden.

Dazu gibt es aktuelle Angaben - denn am 14. Dezember gab es ein Gläubigertreffen, bei dem gemäß Teil 1 der englischen Insolvenzordnung ("insolvency act" 1986) ein sogenanntes "COMPANY VOLUNTARY ARRANGEMENT" vorgeschlagen wurde. Also eine freiwillige Vereinbarung, die den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt wurde.

Dazu gibt es einen von einem Insolvenzverwalter erstellten Bericht, der mir vorliegt. Interessanterweise sind da auch die Gläubiger mit ihrer jeweiligen Höhe der Forderungen (vom Vorsitzenden zugelassen) aufgelistet.

Nehmen wir die "SEAG" = Steinhoff Europe AG. Was für Gläubiger sind das?

Ich zitiere aus dem Bericht einige davon, Name des Gläubigers mit Höhe der zugelassenen Forderung:

  • Trinity Investments Designated Activity Company 250,017,313.1
    BP-PE10, LLC 289,371,991.3
    OZ Management LP, acting on behalf of one more affiliated
    investment funds 379,930,605.6
    BP-PE11, LLC 193,100,168.9
    Farallon Capital LLP, acting on behalf of funds, accounts and/or entities managed of advised by it 427,138,372.6
    CQS Directional Opportunities Master Fund Limited 77,358,777.4
    MFN Partners LP 92,982,920.2
    BP-PE14,LLC 213,201,215.6
    Burlington Loan Management DAC 358,591,609.6
    Cortland Investors II S.a.r.l 110,106,555.8
    Monarch Master Funding 2 (Luxembourg) S.a.r.l 211,253,971.1
    BMR Funding LLC 118,783,647.0
    Aldwych Investors II S.a.r.l 74,404,424.1
    Alekhine Capital LLC 75,266,934.9
    Bank of America Merrill Lynch International Limited 103,923,186.2
    Monarch Master Funding Limited 41,845,306.9
    J.P. Morgan Securities plc (‘JPMSP”) acting solely out of its specific business unit: “EMEA Convertible Bond Trading
    Desk” 41,576,530.8
    Silver Point Luxembourg Platform SARL 103,978,831.7
    Citibank Europe plc, UK Branch 93,419,188.7
    BP-PE15, L.L.C. 35,197,774.0
    China Construction Bank Corporation London Branch 55,869,602.6

Sie sehen: Das sind Finanz-Institute, Hedgefonds, darunter mir völlig unbekannte Adressen (BP-PE10, LLC mit Forderungen von über 289 Mio. Euro, BP-PE11 mit Forderungen von über 193 Mio. Euro...)

Fast hätte ich geschrieben, das sieht nach Finanz-Haien aus. Und die Liste ist noch lange nicht vollständig und das sind "nur" die Gläubiger der Steinhoff-Tochter SEAG!

Und hier meine Schlussfolgerung:

Diese Adressen haben Forderungen in besagter Höhe. Wenn Steinhoff Beteiligungen verkauft, dann halten diese erst einmal die Hände auf.

Ich glaube nicht, dass diese freiwillig zurückstecken würden, nur damit die Aktionäre auch ein paar Brotkrümel erhalten.

Mit anderen Worten: Ja, Steinhoff hat noch diverse "Assets". Es sieht so aus, als ob weitere Verkäufe erfolgen werden. Doch schauen Sie sich die Liste der Gläubiger an. Glauben Sie wirklich, dass Kleinaktionäre da noch etwas erhalten werden? Eben.

Das sind nur meine unmaßgeblichen Anmerkungen, mit "Sicherheit" lässt sich hier mangels geprüfter Geschäftszahlen nichts sagen. Doch wer Augen hat, der sehe. Mene tekel u-parsin?

Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

 

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