Update: RWE, Steinhoff, K+S und Motto des Tages

Aktie

Update: RWE, Steinhoff, K+S und Motto des Tages

Update RWE: Hambacher Wald

Was kann man sich seinen Ruf verhunzen. Aktuelles Beispiel: RWE AG.

Braunkohle ist bekanntlich auch innerhalb der fossilen Energieträger relativ ineffizient. In Bezug auf den Hambacher Wald hatte RWE noch am 11. September in einer Meldung geschrieben, ich zitiere (unter dem Chart):

Chart RWE Aktie (Stämme)

RWE Stammaktie
Am Freitag ging die RWE-Aktie mit einem Tages-Minus von 8,51% (Xetra) ins Wochenende. Quelle: tradingview.com

„RWE hat in dem Gespräch erneut dargelegt, dass die diesjährigen Rodungsmaßnahmen für die Aufrechterhaltung des Tagebaubetriebs und die Kohlegewinnung bereits in den kommenden zwei Jahren notwendig sind.“

Das klang so, als ob die Rodung des Hambacher Waldes zwingend notwendig sei in Bezug auf die genannten Punkte.

Als dann aber vom Oberverwaltungsgericht Münster am 5.10. die „Aufhebung des Sofortvollzugs der im Hauptbetriebsplan des Tagebaus Hambach für 2018-2020 erlaubten Rodung“ beschlossen worden war – Klartext: vorübergehender Rodungsstopp – äußerte sich RWE ebenfalls.

Und zwar hieß es am 5.10. dazu, dass wegen des vorübergehenden Rodungsstopps das Ebitda des RWE-Segments „Braunkohle & Kernenergie“ ab dem kommenden Jahr „jährlich mit einem niedrigen dreistelligen Millionen Euro Betrag belastet“ wird.

Das klingt dann nicht mehr gerade so, als ob es hier um die Versorgungssicherheit und drastische wirtschaftliche Auswirkungen auf RWE geht. Direkt mal nachgeschaut:

Im Geschäftsbericht von RWE für 2017 steht auf Seite 146, dass das Segment „Braunkohle & Kernenergie“ ein bereinigtes Ebitda von 671 Mio. Euro gebracht hat.

Insgesamt hat der RWE Konzern demnach im Geschäftsjahr 2017 ein Ebitda von 5,756 Mrd. Euro erzielt.

Wenn es nun eine Belastung um einen „niedrigen dreistelligen Millionen Euro Betrag“ geben wird (0,1 oder 0,2 Mrd. Euro?), dann sieht das doch überschaubar aus.

Ob da der Image-Schaden für RWE schon größer war? Aber das ist natürlich schwer zu quantifizieren.

Update Steinhoff: Gläubigerschutz für eine Tochter

Bei Steinhoff gibt es Neuigkeiten zu einem Tochterunternehmen. So teilte Steinhoff mit, dass die Tochter „Mattress Firm, Inc.“ (kurz „Mattress Firm“) Gläubigerschutz beantragt habe. Das wird von Steinhoff nett formuliert, sinngemäß hieß es da, Mattress Firm habe Zugang zu neuen Finanzquellen erhalten. Ist klar.

Es geht da um eine in den USA tätige Tochter, die dort im Einzelhandel Matratzen verkauft. Diese Tochter soll nun einige Standorte in den USA, die eine Underperformance bringen, schließen. Die Tochter habe freiwillig Gläubigerschutz in den USA beantragt (sogenanntes Filing „Chapter 11“). Das könnte der Tochter Luft geben, damit sie einerseits einige Standorte schließen und die Finanzen möglichst ordnen kann.

Steinhoff: Werden in wenigen Tagen rund 200 Geschäfte bei „Mattress Firm“ geschlossen?

Denn eins dürfte klar sein: Der Steinhoff Konzern dürfte wenig Interesse daran haben, diese Tochter mit frischem Kapital auszustatten, schließlich mangelt es daran der Mutter bekanntlich selber. Insofern ist die freiwillige Beantragung von Gläubigerschutz für die Tochter Mattress Firm aus Sicht des Mutterkonzerns durchaus nachvollziehbar.

Interessant wird es natürlich sein, ob Mattress Firm dann unter dem Gläubigerschutz auch tatsächlich zu einem profitablen, verkleinerten Geschäft umgewandelt werden kann. Das wäre dann natürlich auch im Interesse der Mutter. Es geht hier um keine kleinen Veränderungen, denn Steinhoff teilte mit, dass man erwartet, dass in den nächsten Tagen bereits rund 200 Geschäfte von Mattress Firm geschlossen werden.

Update K+S: Gewinnwarnung durch die Blume?

Bei K+S Aktiengesellschaft (18,041 € -1,23 %) hatte es im September in Bezug auf das Verbundwerk Werra schlecht ausgesehen. Zwei von drei Standorten produzierten nicht, was einen negativen Ebitda-Effekt von „bis zu 1,5 Mio. Euro je Standort“ bedeutete.

Inzwischen sollen laut K+S wieder alle Standorte des Verbundwerkes Werra produzieren. Da der Stillstand das 3. Quartal betraf, bezifferte K+S den insgesamt dadurch verursachten negativen Effekt auf rund 80 Mio. Euro (Ebitda).

Das kann durchaus als Gewinnwarnung durch die Blume interpretiert werden. Denn das Ebitda ist bekanntlich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

K+S: Ebitda im ersten HJ 2018 bei 341,9 Mio. Euro

Wie hoch das Ebitda dann im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres wirklich ausgefallen ist, werden wir voraussichtlich am 15. November 2018 wissen: Denn das ist der Termin, den K+S für die Veröffentlichung der entsprechenden Geschäftszahlen nennt (wer weiß, vielleicht gibt es ja auch schon vorläufige Zahlen).

Um den angekündigten negativen Ebitda-Effekt von ca. 80 Mio. Euro einzuordnen: Im Zeitraum Januar bis Juni 2018 hatte K+S laut eigenen Angaben ein Ebitda von 341,9 Mio. Euro erzielt. Das war demnach ein Plus von 9,3% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (312,8 Mio. Euro). Ein Ebitda-Betrag von 80 Mio. Euro würde demnach 23,4% des Ebitda des 1. Halbjahres 2018 entsprechen.

Dann noch mein Motto des Tages heute:

1. Korinther 15,34 (erster Satz)

Schönen Sonntagabend!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

Mehr über mich

Nachricht schreiben