Malawi Hilfsprojekt

Malawi Hilfsprojekt

Von Pater Gerhard habe ich einen Brief enthalten, der auch den einen oder die andere von Ihnen interessieren könnte. Ich habe das Einverständnis von Pater Gerhard geholt, seinen Brief zu veröffentlichen – und das tue ich hiermit.

Da ich selber beim „Chadongo“-Projekt in Malawi war (finde ich nach wie vor eine 1a Sache), habe ich die Neuigkeiten von dort in der zweiten Hälfte des Briefes mit besonderem Interesse gelesen.

Ihr

Michael Vaupel

AFRIKA EINE CHANCE GEBEN

von Pater Gerhard Knühl

Die Nachrichten, die in diesen Tagen aus dem südlichen Afrika kommen, klingen nicht gut. Dieses Mal geht es nicht um die nationale Katastrophe eines einzelnen Landes, dieses Mal ist das ganze südliche Afrika betroffen. Man muss von einer globalen Katastrophe sprechen, einem Schaden, der von "El Nino" ausgelöst wurde. Der notwendige Regen blieb aus, mit der Folge, dass eine große Trockenheit die Ernten der Bauern zerstörte.

Malawi

Deutschland ist in diesen Monaten durch die große Politik, die Parteien und die Medien sehr stark auf Syrien und den Irak hin fokussiert, da bleibt nicht viel Anteilnahme für die hungernden Afrikaner übrig. Natürlich ist es fürchterlich, wenn die Menschen in Syrien und dem Irak unter dem Bombenhagel ausländischer Mächte sterben müssen. Doch ist es auch ein Skandal und eine Blamage für die westliche Welt, wenn Menschen im südlichen Afrika an Hunger sterben müssen.

Für alles ist in der westlichen Welt Geld da, für große Autos, die Mode, den Sport und teure Weltreisen. Wenn es jedoch um die endgültige Lösung des Hungers in der Welt geht, da zieren sich viele Staaten. Das Flüchtlingsproblem und der Hunger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. die Weltgemeinschaft muss beide Probleme lösen und darf nicht vergessen, dass es noch viel Platz auf dieser schönen, von Gott geschaffenen Welt gibt.

Malawi Chadongo

Vor 13 Jahren haben Herr Jacobe Chihana und ich im Norden von Malawi das Chadongo-Hungerprojekt gegründet und versucht die armen Bauern zu überzeugen, von der Monokultur des Tabaks auf die Multikultur von Gemüse und Früchten umzustellen. Durch den Tabak, den man nicht essen kann und der zudem noch großen gesundheitlichen Schaden anrichtet, sind die Bauern bitterarm geblieben und haben nur die Tabak-Konzerne in England und den USA reich gemacht. Es hat sehr viel Kraft gekostet, die Bauern zu überzeugen, auf den Gemüseanbau zu setzen und dem Hunger einen Riegel vorzuschieben.

Aus dem kleinen Bäumchen "Chadongo-Hungerprojekt" ist inzwischen ein großer Baum geworden, der Tausende von malawischen Bauern regelmäßig mit gesundem Essen versorgt und durch Überproduktion können die großen Familien Geld hinzuverdienen.

Durch die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt hat sich die Bevölkerung von Malawi in den letzten 30 Jahren von 7 Millionen auf ca.15 Millionen verdoppelt. Eine Durchschnittsfamilie muss 4-5 Kinder und meist auch die Großeltern mitversorgen.

Malawi Ernährung Projekt

Übrigens was bedeutet "Chadongo"? Das ist der Nickname den die Watumbuka mir gegeben haben. Er bedeutet: "He is of soil"

"Er ist aus Erde!"

Es geht bei Chadongo nicht nur um gesunde Ernährung. Wir wollen den allgemeinen Lebensstandard der Watumbuka heben.

Aus diesem Grund gibt es bei uns "Goldene Regeln", die von allen Mitgliedsgruppen eingehalten werden müssen. Es geht um die allgemeine Hygiene, die Verbesserung der Kochverhältnisse, die Ausstattung der Hütten mit Möbeln. Es geht letzten Endes um die "Würde des Menschen", die allen Menschen dieser Erde zukommen muss. Das traditionelle Leben der Watumbuka spielte sich auf dem Boden ab, man aß auf dem Boden, kochte mit 3 Backsteinen und man schlief auf dem Boden. Chadongo hat ihr tägliches Leben verändert und verbessert. Aus der Totalarmut muss ein verträgliches Leben werden.

Da wir auch europäisches Gemüse und Früchte (Äpfel, Kirschen) eingeführt haben, mussten wir für all Gruppen Kochkurse einrichten, um den Watumbuka eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu ermöglichen.

Eine Schreinerei mit 8 Beschäftigten produziert Möbel für alle Familien. Unsere Schreinerei arbeitet ohne Strom und teure Maschinen. Unsere Schreiner sind auf die Geschicklichkeit ihrer Hände und auf ihre Muskeln angewiesen.

Malawi Pater Gerhard

Um unsere Gruppen, das ganze Jahr hindurch mit Saatgut zu versorgen, haben wir einen Saatladen, dem ein kleines Cafe angeschlossen ist, gegründet. Weil wir viele tropische Früchte (Mango, Papaya, Guava, Orangen, Mandarinen, Zitronen und Zitrusfrüchte) haben, wird vielleicht auch eines Tages ein "Saftladen" dazukommen:. Säfte sind schließlich viel gesünder als die braune Brause aus Amerika.

Um der Entwaldung und der damit verbundenen Trockenheit entgegenzutreten, muss jede Gruppe einen Dorfwald und einen großen Bananenhain anpflanzen. Die Urwälder sind durch Abholzung in Malawi fast ganz verschwunden, nur ca. 2-3% sind übriggeblieben.

Herr Chihana ist es gelungen auf 1500 m Höhe Apfelbäume anzupflanzen, die gut gedeihen und einigen Gruppen viel Geld bringen. Er hatte auch die Idee mit seinen Leuten Fischteiche anzulegen, die eine Ergänzung ihrer Ernährung sicherstellen.

Chadongo ist kein katholischer Club, sondere eine christliche Gemeinschaft, die für alle Menschen guten Willens offen ist. Schließlich tut der Hunger allen Watumbuka weh. So gehören zu unserer Sponsorenfamilie in Deutschland: Katholiken, Evangelische und sogar Atheisten.

Als geistige Basis unserer Arbeit betrachten wir die Aussagen der Bibel und der christlichen Gesellschaftslehre, die von Oswald Nell-Breunig und Pater Gundlach begründet wurde. Die päpstlichen Enzykliken: "Populorum Progressio, Ad Gentes und Quadragesimo Anno" haben uns weitere Anstöße gegeben. Der Kapitalismus muss ein menschliches Gesicht haben, ansonsten ist er als "Raubtierkapitalismus" nur Ausbeuter der Armen und aller die gesellschaftlich am Rand der Gesellschaft gehen. Nachdem der östliche Sozialismus gescheitert ist, ist es doch unsere Aufgabe, dem Kapitalismus eine christliche Note zugeben.

Für die Arbeitenden ist es wichtig einen gerechten Lohn zu erhalten und von den Gewerkschaften unterstützt zu werden. Sie wünschen sich eine Absicherung durch die Krankenkasse und eine Rente, die das Leben lebenswürdig macht.

Chadongo braucht keinen Großhandel, denn wir vertreiben unser Gemüse und Früchte in kleinen Straßenläden (Open-Air-Shops) oder auf Märkten. Da in Afrika mit Schecks viel Schwindel getrieben wird, akzeptieren wir nur Bargeld.

Einige unserer Familien haben es geschafft ihre Kinder ans Gymnasium zu schicken, was in Malawi nicht gerade billig ist, denn es muss Schulgeld und müssen Uniformen bezahlt werden. Da der Besuch von Volksschulen kostenfrei ist, fordern wir von unseren Mitgliedern alle ihre Kinder in die Schule zu schicken, denn Wissen ist Macht und der Weg zu Erfolg, auch in Malawi.

Große Tabak-Konzerne haben herausgefunden, dass in Malawi der beste Tabak der Welt wächst. Durch ihre "Estates" wurden den Farmern und Häuptlingen viel Land weggenommen. Doch jeder Mensch weiß, auch in Malawi, dass man Tabak nicht essen kann. Das Land erzeugt zu wenig Nahrungsmittel für die 15 Millionen Bewohner. Da die Arbeit in den Tabak-Estates schwer und auch schmutzig ist, finden sich zu wenig Arbeiter. Also werden Kinder und Jugendliche aus dem Süden angelockt, um die Schmutzarbeit zu verrichten.

Schon nach wenigen Tagen laufen die Kinder weg und streunen in unseren Gärten herum, um Nahrung zu stehlen. So mussten wir ein kleines Waisendorf gründen und unsere Gartengruppen bitten, den streunenden Kindern eine Hütte zur Verfügung zu stellen und sie mit Saatgut und Gießkannen zu versorgen. Ob sie sich ansiedeln lassen? Da müssen wir abwarten.

Um die jährlichen Hungerwellen zu stoppen, muss die Ökonomie Malawis umgestellt werden. Aus einem Staat mit vielen Monokulturen (Tabak, Mais, Baumwolle, Tee) muss eine Multikultur wachsen, die Lebensmittel für die Bevölkerung produziert.

Nochmals Dank und herzliche Grüße,

Euer Pater Gerhard

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ – Die Bibel: Matthäus 25, 40

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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