759.000 Euro – Plastikmüll zu Energie?

759.000 Euro – Plastikmüll zu Energie?

Diese Information einer Crowdfinancing-Plattform hat mich aufhorchen lassen:

Gestern (= 1. September 2020) wurde dort ein neues Projekt zur Nutzung von Plastikabfällen als alternativer Brennstoff vorgestellt, Finanzierungsbedarf 759.000 Euro.

Um das kurz zu erläutern: Auf dieser Plattform werden Projekte vorgestellt und privaten Investoren wird ermöglicht, sich zu beteiligen. Dabei liegt die maximale Beteiligungshöhe der Investoren über die Plattform bei 25.000 Euro je Person.

  • Und bereits nach 5 Minuten sollen 19.000 Euro eingesammelt worden sein. Nach 10 Minuten waren es schon 70.450 Euro, und 115.600 Euro nach 20 Minuten.
  • Nach einer halben Stunde hatten sich bereits Investoren mit Zusagen in Höhe von 187.100 Euro gefunden.
  • Und nach 5 Stunden waren die 759.000 Euro gezeichnet.

Damit hieß es da schon: Projekt geschlossen!

Ich selbst hatte mich da gerade in den Jahresabschluss 2019 des Unternehmens mit dem Projekt vertieft. Auch das Vermögensanlagen-Informationsblatt wollte ich mir noch anschauen. Kann ich nun vergessen:

Die genauere Recherche kann ich mir sparen, denn die Investitionsmöglichkeit ist bereits beendet. Stattdessen trinke ich nun einen Kaffee und schreibe diesen Beitrag.

Das vorgestellte Projekt fand ich deshalb interessant, weil mich die weltweiten Massen an Plastikmüll (auch in den Meeren) beunruhigen.

Bis voriges Jahr sollen Mischkunststoffe, die schwer recycelbar sind (Lebensmittel-Verpackungen), von Deutschland nach Asien exportiert worden sein. Aus den Augen, aus dem Sinn....und ein Teil davon landete wohl in den Ozeanen.

So kann das dann aussehen...wenn Plastikmüll exportiert wird...aus den Augen, aus dem Sinn...

Das vorgeschlagene Projekt verbindet nun zwei Punkte. Denn es sollen solche nicht recyclingfähigen Plastikabfälle pelletiert werden. Diese Pellets wiederum sollen einen hohen Heizwert haben und können in energieintensiven Industrien eingesetzt werden. Dort wiederum können sie anstelle von fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdgas, Erdöl) eingesetzt werden.

Das Konzept sieht vor, dass der Plastikmüll nicht nach Asien exportiert wird, sondern zu Pellets verarbeitet wird, die dann wiederum in energieintensiven Industriezweigen verwendet werden

So würde es ein Abfallprodukt wie Mischkunststoffe letztlich noch etwas Gutes bewirken. Und wenn das Ganze wirtschaftlich darstellbar ist, dann klingt das nach win-win-win-Situation: Gewinn für die Umwelt, das ausführende Unternehmen und die beteiligten Investoren.

Wie gesagt, ich habe mich nicht intensiv mit den Geschäftszahlen beschäftigt, nachdem ich mitbekommen habe, dass das Projekt so schnell abgeschlossen wurde.

Ich möchte das aber gerne im Blick behalten, auch im Hinblick auf den tatsächlichen Erfolg des Projekts und mögliche spätere Finanzierungsrunden.

Ziel ist eine Müllverwertungsanlage in Papenburg - die nötigen Mittel sind nun da

Bei Interesse finden Sie mehr Informationen zum - abgeschlossenen - Projekt auf der Seite der Crowdfinancing-Plattform unter diesem Link:

https://www.gls-crowd.de/blueriver

Es wurden da 7,50% Zinsen pro Jahr geboten, Laufzeit 4 Jahre, Mindestanlage niedrige 250 Euro. Auf diese Weise wurde gestern der gesamte benötigte Betrag von 759.000 Euro eingesammelt.

Ein paar Takte zur Plattform:

Diese wird vom Unternehmen "GLS Crowd" betrieben. Initiatorin ist die GLS Bank.

(GLS Bank und GLS Crowd sind jedoch unabhängige Unternehmen, wie mir auf Nachfrage mitgeteilt wurde).

Von der GLS Bank habe ich bisher einen sehr guten Eindruck. Ich finde die GLS Bank äußerst transparent z.B. im Hinblick auf die vergebenen Darlehen.

So veröffentlicht die GLS Bank eine Landkarte mit Projekten/Unternehmen, für welche es Kredite gab - das heißt dann passenderweise "Wo wirkt mein Geld?"

Und die Niedrigstzinspolitik der EZB wird insofern weitergegeben, als hier der "Dispo"-Zins bei Girokonten bis zu einem bestimmten Betrag bei 0,0% liegt. Im Gegenzug gibt es einen GLS-Beitrag, den die Kunden pro Jahr zahlen, ich glaube es sind 50 Euro pro Jahr für die Fixkosten. Für mich klingt das und die Orientierung an nachhaltigen Themen fair und insofern fand ich es auch gut, dass GLS hinter der Crowdfinancing-Plattform steht.

Ich selbst habe mit der Plattform noch keine Erfahrungen gemacht. Sofern Sie dazu Erfahrungswerte haben, können Sie mir gerne schreiben unter redaktion@ethische-rendite.de - das würde mich interessieren.

Viele Grüße & schönen Feierabend,

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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