Darwin und das Investieren
Seit einiger Zeit versuche ich, einigen indischen Investoren zu folgen. Um einen Einblick in die Denkweise und den Stil des jeweiligen Investors zu erhalten, ist es für mich hilfreich, ein Buch dieser Person zu lesen.
So las ich im vorigen Jahr...
...mit Erkenntnisgewinn und Lesegenuss The Joys of Compounding des indischen Investors Gautam Baid (hier meine Rezension).
Das gerade genannte Buch erschien in Englisch. Eine aktuelle Neuerscheinung eines anderen indischen Invstors namens Pulak Prasad erschien neulich im Vahlen Verlag auf Deutsch.
Es geht um "Was ich von Darwin über das Investieren gelernt habe" von genanntem Pulak Prasad. Dieser gründete und leitet die Investment-Firma Prasanda Capital, laut eigenen Angaben mit 5 Mrd. US-Dollar verwaltetem Vermögen.
Wer aufgrund dieser Rahmenbedingungen ein Buch mit "Tipps" eines Investment-Profis für persönlichen eher kurzfristigen Anlageerfolg erwartet, liegt falsch.
Denn der Autor überrascht zumindest mich mit einem sehr weiten persönlichen Horizont.
Das zeigt sich bereits am Titel: "Was ich von Darwin über das Investieren gelernt habe".
Pulak Prasad erläutert zunächst, dass ihn die Evolutions-Biologie fasziniert. Da musste ich sofort an Charlie Munger (er ruhe in Frieden) denken, den ehemaligen kongenialen Investoren-Partner von Warren Buffett.
Er soll als Lektüre das Buch eines Entomologen über Ameisen empfohlen haben. Staatenbildende Insekten...
Der Autor dieses Buches versteht es, seine Beobachtungen aus dem Bereich der Evolutions-Biologie sehr anschaulich auf die Investment-Welt zu übertragen.
Ein Beispiel: Beim Investieren beschreibt er in einem meiner Ansicht nach zentralen Kapitel...
Zwei mögliche Fehler eines Investors:
- Fehler Art I: Investieren, obwohl das Investment einen Verlust bringt
- Fehler Art II: Nicht investieren, obwohl das Investment einen Gewinn gebracht hätte
Er bringt mehrere Beispiele aus der Tierwelt, die zeigen, dass Tiere und Pflanzen in erster Linie Fehler der Art I minimieren. Sprich, sie würden "wenig investieren", um das Risiko zu vermeiden.
Ein Beispiel:
- Ein junger Hirsch könnte einen alten Hirsch, der einen "Harem" von Hirschkühen hat, vielleicht durchaus mit einer gewissen Erfolgschance zu einem Duell herausfordern, um den Harem zu gewinnen.
- Er könnte dann aber einen Fehler der Art I begehen: Er würde "investieren" = einen Kampf beginnen, und könnte verlieren. Der Verlust könnte aber durchaus kritisch sein (Verlust der Gesundheit).
- Deshalb "passt" er lieber und begeht einen Fehler der Art II: ER hat nicht investiert/gekämpft, obwohl er (vielleicht) gewonnen hätte.
- Es ist dem Hirsch aber wichtiger, nicht zu verlieren - als mit Risiko zu gewinnen.
Diese Beobachtung übertragt Pulak Prasad auf die Investment-Welt. Und das nicht nur theoretisch, denn er erläutert konkret, wie er dies bei seiner Investment-Firma berücksichtigt.
Damit räumt er freimütig ein, durchaus mehrere Chancen zu verpassen. Doch das sei der Preis dafür, die Fehler der Art I zu minimieren.
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie der Autor für mich durchaus interessant Lehren aus der Tier- und Pflanzenwelt auf die Investment-Welt überträgt.
Erfreulicherweise ergänzt der Autor die Kapitel um interessante persönliche Anekdoten und sogar die eine oder andere witzige Bemerkung.
Insofern war die Lektüre für mich erneut ein intellektueller Lesegenuss, der auch noch Spaß gemacht hat. Was will man als "Ethische Rendite"-Investor (mit Herz und Verstand) mehr? Deshalb:
Insgesamt eine klare Lese-Empfehlung meinerseits für:
Pulak Prasad: Was ich von Darwin über das Investieren gelernt habe
Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link.
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Angenehme Lektüre!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.