Rezension: Guten Morgen Namibia

Rezension: Guten Morgen Namibia

Passende Assoziation oder nicht: Diese Neuerscheinung  "Guten Morgen Namibia" hat mich umgehend an Karen Blixens "Jenseits von Afrika" (Originaltitel: Den afrikanske farm) erinnert. Welche(r) Afrika-Liebhaber(in) kennt ihn nicht, diesen Bestseller, in dem die Autorin ihre Lebensgeschichte schildert. Vor dem Ersten Weltkrieg wanderte sie nach Kenia aus, wo sie einen unfähigen Ehemann hatte, eine Plantage selbständig managte und sich in einen Großwildjäger verliebte.

In meinen persönlichen Notizen (gerade nachgeschaut) gab ich dem Buch damals die rein subjektive Note 1-2. Dieselbe Note möchte ich auch der Neuerscheinung Guten Morgen Namibia der namibischen Autorin Erika von Wietersheim geben. Denn deren Lebensgeschichte finde ich ebenso spannend. Zudem versteht die Autorin es, eine gute Geschichte zu erzählen und auch feinen Humor einzubringen. Außerdem ist sie zwar Namibierin, aber deutschsprachig, insofern hat sie in ihrer Muttersprache geschrieben und so können die Leser/innen ohne Umweg über eine Übersetzung an ihren Gedanken teilhaben.

Eine Karte aus dem Buch, auf der auch die damalige Farm der Autorin ("Farm Gras") eingezeichnet ist. Quelle: Verlagsangaben

Die Rahmenhandlung ist interessant: Die Autorin Erika von Wietersheim beschreibt ihr Leben in der Zeit von 1976 bis 1990. Gerade die Tatsache, dass sie eine deutschsprachige Namibierin ist, die in Südafrika studiert hat und danach mit ihrem Mann auf die 52.000 Hektar große Farm der Schwiegereltern zieht, ermöglicht einen leichten Einstieg ins Buch und ein einfaches gedankliches Hineinversetzen in die Schilderungen der Autorin.

So ist diese zwar in Afrika geboren und aufgewachsen, doch das Farmleben war ihr zuvor fremd. Entsprechend unbedarft geht sie an ihr neues Leben heran - und wird zunächst einmal von den Schwiegereltern "zusammengestaucht", die alles besser wissen und der von der Universität Kommenden nicht viel zutrauen. Zum Glück soll es so etwas heutzutage ja nicht mehr geben.

Die Autorin Erika von Wietersheim schafft es in meinen Augen meisterhaft, die Erlebnisse ihres eigenen Lebens in diesen Jahren gewissermaßen automatisch in einen größeren Zusammenhang zu setzen. Denn Namibia war damals von Südafrika besetzt und es bestanden Apartheidsgesetze. Entscheidungen wie die, eine Farmschule für die Nama-Arbeiter einzurichten, hatten so auch direkt einen politischen Anklang.

Erfreulicherweise aus Sicht der Leser ist die Autorin politisch interessiert und insofern traf sie damals auch mit zentralen Persönlichkeiten der Unabhängigkeitsbewegung zusammen. Oft per Zufall, wie im Fall des Herero Chiefs Clemens Kapuuo, den sie in Windhoek in einem Supermarkt versehentlich mit einem Einkaufswagen anrempelte und so ins Gespräch kam.

Erst seit Monatsbeginn auf dem Markt ist diese lesenswerte Neuerscheinung

Gerade diese Mischung aus Alltags-Banalitäten gekoppelt mit Politik und gut erzählten Geschichten - im Hinblick auf Farmarbeiter, Au-Pair-Mädchen, die eigenen Kinder, Jagdgäste aus Deuschland - sowie Landschaftsschilderungen machen den Reiz dieser Neuerscheinung aus. Was mir gelegentlich im südlichen Afrika auf die Nerven geht - das ewige Reden über das Wetter -, wird nachvollziehbar, wenn die Autorin schildert, wie ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage nach mehreren Jahren fast ohne Regen (!) auf der Kippe stand.

Wer am südlichen Afrika interessiert ist und eine gut lesbare autobiographische Erzählung einer deutschsprachigen Namibierin lesen möchte, dem kann ich diese Neuerscheinung nur wärmstens empfehlen. Und auch unabhängig von Politik und Zeitgeschichte ist die Lebensgeschichte von Erika von Wietersheim lesenswert - und steht der von Karen Blixen meiner Ansicht nach keineswegs nach:

Erika von Wietersheim: Guten Morgen Namibia

P.S.: Sehr sympathisch ist mir auch der relativ neue Verlag "Palmato"der Verlegerin Felizitas Peters. Die Eigendarstellung des Verlags lautet, ich zitiere:

Palmato Publishing publiziert Bücher, die den Leser mitnehmen in Neue Welten. Schwerpunkte sind dabei zurzeit Themen aus Afrika, insbesondere Namibia und Ghana. Aber auch neue innere Welten oder unentdeckte Aspekte unseres Alltags gehören dazu. Palmato ist ein junger Verlag. Wir behalten uns vor, neue Ideen und neue Richtungen zu prüfen und in unser Programm aufzunehmen.

"Guten Morgen Namibia" jedenfalls macht Lust auf mehr Leselektüre dieser Art.

Viele Grüße,

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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