Rezension: Rich Dad Poor Dad

Rezension: Rich Dad Poor Dad

Diverse Male wurde ich auf das Buch "Rich Dad Poor Dad" von Robert T. Kiysoki hingewiesen - 1997 das erste Mal erschienen, ist dieser Finanzratgeber nach millionenfachen Verkäufen inzwischen regelrecht ein Klassiker geworden. Der Untertitel lautet "Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen".

Bisher hatte ich außer einem freundlichen Nicken und einer gedanklichen Notiz "mal vielleicht lesen, wenn sonst nichts zu tun ist" das Thema dann schnell abgehakt. Das Buch klang mir zu sehr nach typisch-US-amerikanischem Finanzratgeber der Schiene "du-musst-nur-an-dich-glauben-und-du schaffst-es".

Doch das Erscheinen der inzwischen 11. Auflage beim Finanzbuchverlag in diesem Jahr nahm ich dann doch zum Anlass (obwohl ich "sonst" durchaus einiges zu tun hatte), das Buch zu lesen.

Und ich bin froh, das getan zu haben!

Hier vorab der Blick auf die erste Seite des Inhaltsverzeichnisses:

Der Blick darauf zeigte mir bereits, dass es sich um eine Mischung von Informationen und Unterhaltung handelt, und so etwas mag ich grundsätzlich gerne. Etwas lernen und Spaß dabei haben, warum nicht?

Um es vorab zu sagen: Gelernt im Sinne harter, belastbarer Fakten zu den Finanzmärkten habe ich durch die Lektüre des Buches nichts. Aber, und zwar großes aber:

Die Lektüre des Buches hat mir diverse Denkanstöße in Bezug auf das eigene Verhalten und mehr noch im Hinblick auf eigene Wertvorstellungen und Ansichten gegeben. Und das Lesen hat schlicht und einfach Spaß gemacht.

Dafür sorgt bereits die Rahmenhandlung des Buches. Der Autor Robert Kiyosaki schildert darin seinen eigenen Werdegang - als japanischstämmiger US-Amerikaner, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf Hawai aufwächst. Er erläutert, wie er anhand seiner "zwei Väter" öfter dazu gebracht wurde, eine eigene Wertung im Hinblick auf deren höchst unterschiedliche Lektionen zu treffen.

(Wie sehr dies der Wahrheit entspricht, weiß ich nicht - ich halte mich hier an die Angaben im Buch.)

Der eine Vater ist sein richtiger, leiblicher Vater. Der andere Vater ist sein Mentor - der Vater eines seiner besten Freunde. Hier ein kleines Beispiel aus dem Text:

Mein reicher Vater erzählte uns, dass die Reichen über die Illusion des Geldes Bescheid wüssten und erinnerte uns an die Karotte für den Esel. Es geschieht nur aus Angst und Gier, dass die Geldillusion von Milliarden von Menschen geteilt wird, die an die Realität des Geldes glauben. Eigentlich ist Geld jedoch nur etwas Erdachtes, Virtuelles. Das Kartenhaus bleibt nur aufgrund der Illusion des Vertrauens und der Unwissenheit der Menschen stehen.

Dieser Mentor bringt den anfänglich kleinen Jungs (die Geschichte beginnt, als der Autor ca. 9 Jahre alt ist) mit Hilfe einiger fragwürdiger Methoden Finanzwissen bei. Ein Beispiel: Sie arbeiten monatelang Samstags zu einem Hungerlohn im Ladengeschäft des "Rich Dad". Als der Autor sich beschweren will - höherer Lohn oder kündigen -, lässt der Vater ihn im stickigen Büro längere Zeit warten. Dann erklärt er ihm, dass er nun in einer Situation wie Millionen von Arbeitnehmern sei - er fühle sich ungerecht behandelt, sei der Ansicht, dass ihm ein höherer Lohn zusteht etc. und denke, mehr Gehalt sei die Lösung.

Der reiche und der arme Vater....

Und daraufhin setzt der "Rich Dad" den Lohn des kleinen Jungen von 10 Cents/Stunde auf 0. Mit der Begründung: Reiche arbeiten nicht für Geld. Er solle seinen Grips anstrengen, um die Arbeit zu erledigen und dabei seine Gedanken spielen lassen, wie er Geld verdienen kann.

In dem Fall funktioniert das so, dass der kleine Junge bemerkt, dass im Laden des "Rich Dad" Mitarbeiter(innen) die am Ende eines Zeitraums ausgemisteten, da nicht verkauften Zeitschriften kostenlos haben können - sofern sie garantieren, diese nicht zu verkaufen.

Die Idee des Jungen: Diese aussortierten Comics kostenlos zu nehmen - da Mitarbeiter, wenn auch zu Lohn von "0" - und eine Kinder-Bibliothek einzurichten. Samstags können die Kinder der Nachbarschaft für 10 Cents pro Nachmittag dort diese Comics lesen. Als das gut ankommt, stellt er ein Mädchen ein, das für einen Dollar pro Nachmittag die Aufsicht erledigt. Er geht spielen und nimmt pro Samstag 9 Dollar ein, wovon das Mädchen einen Dollar erhält. Wohlgemerkt: Hier geht es um Grundschüler in den USA der 1950er.

Dies nur als ein Beispiel für eine der Kernbotschaften des Buches. Reiche arbeiten nicht für Geld - diese Einstellung kann auch für arme Schlucker passend sein. Der Autor schildert einen Menschen, der Pleite ist - aber der Ansicht ist, eine Pleite sei nur vorübergehend, er sei "reich" und handle entsprechend. Diese Einstellung führte dann auch wieder zum Erfolg. Das ist hier von mir natürlich stark vereinfacht wiedergegeben, und gewiss fand ich nicht alles überzeugend.

Aber es waren diverse Denkanstöße dabei und ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Finanzratgeber gelesen zu haben, der so locker-luftig geschrieben ist und bei dem die Lektüre einfach Spaß macht.

Rich Dad Poor Dad

Eine kostenlose Leseprobe des Buchs finden Sie direkt beim Verlag unter diesem Link

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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