Rezension: Grünes Geld 2020

Rezension: Grünes Geld 2020

Frei nach Wilhelm Busch dachte ich neulich in Bezug auf mich selbst: Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.

Um was es geht: Da einige Leser an einem Seminar/Workshop mit mir zum Thema ethische Geldanlage gezeigt hatten, versuche ich derzeit, meinen Wissensstand dazu zu erweitern.

(Wenn Sie Interesse an einer solchen Veranstaltung haben, können Sie mir gerne via redaktion@ethische-rendite.de schreiben.)

So lese ich gerade das Buch Grünes Geld 2020. Sie können sich denken, dass ich das nicht erwähnen würde, wenn ich dazu nichts zu schreiben hätte. Und genau das habe ich, denn Grünes Geld 2020 kann ich allen an der Thematik Interessierten wärmstens als Überblickswerk empfehlen.

Auf ca. 370 Seiten schaffen es die Autoren Max Deml und Holger Blisse, einen sehr guten Überblick zum Thema "grüne Geldanlage" im deutschsprachigen Europa zu bieten. Den Nutzwert für die Leser(innen) beziffere ich als äußerst hoch. Denn die Autoren behandeln ein breites Spektrum zu dieser Thematik. Nur einige Beispiele der behandelten Themen/Investmentvehikel:

  • Grüne Banken
  • Mikrokredite
  • Geschlossene Fonds
  • Anleihen
  • Aktien
  • Investmentfonds
  • Zertifikate
  • Risikokapital/Direktbeteiligungen
  • Immobilien und Sachwerte
  • Stiftungen, Spenden und Sponsoring

Wie gesagt, das ist nur eine Auswahl. Und die genannten Punkte sind noch unterteilt in diverse Unterpunkte. So finden sich beim Punkt "Risikokapital/Direktbeteiligungen" erfreulicherweise auch Angaben zu "Crowd-Investments und -Plattformen", Genussrechte, Genossenschaften, Darlehen und Nachrangdarlehen, Venture Capital- und Beteiligungsgesellschaften...

Aufgrund des sehr breiten behandelten Spektrums ist dieses Buch weniger dafür geeignet, es von vorne bis hinten zu lesen (was ich natürlich dennoch gerade tue), sondern ich sehe den Nutzen eher in dem eines Nachschlagewerkes zu der Thematik.

Auch und gerade die Tatsache, dass sich durch das Buch schnell einige Kritikpunkte an einzelnen Anlagen finden lassen, gefällt mir gut. Dabei sind die Anmerkungen selbst neutral-sachlich gehalten. Aber wenn dann ein "nachhaltiger" Fonds als größte Aktienposition Nestlé im Depot hat, behagt mir das nicht und da liefert das Buch hohen Nutzwert. Ein anderes Beispiel:

Bei einem anderen Fonds zum Thema "Klimawandel" gibt Grünes Geld 2020 Angaben zur Provisionsaufteilung. Demnach gehen 90-100% des Ausgabeaufschlags von 4% an die vermittelnde Bank, diese erhält auch 25-35% der Verwaltungsvergütung von genannten 1,55% p.a. - für mich wäre das direkt ein KO-Kriterium. Danke, Buch!

Es gibt allerdings eine nicht unwesentliche Einschränkung: Beim Lesen fiel mir an einigen Stellen auf, dass einige Abschnitte veraltet sind (Stichwort Solarworld). Das hat seinen Grund: Die aktuelle Version ist 2016 veröffentlicht worden, aufgrund des Titels hätte ich ein neueres Erscheinungsdatum vermutet.

Abgesehen von dieser Einschränkung gibt es von mir ein klares Daumen hoch für Grünes Geld 2020

P.S.: Den Autoren Max Deml kennen Sie vielleicht als Urgestein (positiv gemeint!) aus dem Bereich grüne Geldanlage. Er gibt z.b. seit inzwischen 27 Jahren das Print-Magazin Öko-Invest heraus. Durch dieses Magazin habe ich z.B. gelernt, dass es bei manchen Aktien schöne Naturaldividenden gibt. Beispiel nicht börsennotierte Zoo Zürich AG: Deren Aktien kosten 150 CHF pro Stück - und es gibt einmal jährlich eine Eintrittskarte im Wert von aktuell 26 CHF.

Prozentual gesehen eine schöne Natural-Dividende (rund 17%!), sofern man sie nutzen kann. Bei Interesse finden Sie unter folgendem Link mehr zu Öko-Invest des von mir sehr geschätzten Max Deml: https://oeko-invest.net/

Sonnige Grüße!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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