Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst?

Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst?

Ein Leser schrieb mir: „Zu Ihrer Meinung zu - Europas relativer Rückgang: Nur die Ruhe - und dem Vergleich mit Japan. Japan ist gemessen an EU und USA ein kleines Land. Die Staatsverschuldung ist sehr hoch, wird aber vom eigenen Volk finanziert. Die USA haben ihren Wohlstand der vergangenen 40 Jahre mit Dollar drucken finanziert. Nicht mit harter Arbeit. Inzwischen denke ich, haben die Regierenden und Reichen erkannt, dass diese Ära zu Ende geht. Ob langsam oder schnell, müssen wir abwarten. Eines sollte uns allen aber klar sein, Europa und USA gehen diesen Weg gemeinsam. Und wir Deutschen werden die großen Verlierer in Europa sein.“

Dazu fällt mir zunächst ein Zitat ein, welches österreichisch-ungarischen Offizieren bzw. alternativ Paul Watzlawick zugeschrieben wird. „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“

Wieso musste ich gerade daran denken? Vielleicht deshalb, weil ich mich keineswegs den bald-ist-der-Untergang-Propheten anschließen möchte. Genausowenig wie den „diesmal-ist-alles-anders-alles-bullish“-Anlegern. Wenn Sie sich einmal die Wirtschaftsgeschichte anschauen mit ihren zig Staatspleiten, Hyper-Inflationen und Währungszusammenbrüchen, dann relativiert sich die derzeitige Lage doch arg.

So schlimm ist es gar nicht. Gerade als deutscher Leser muss ich das feststellen: in den letzten 100 Jahren gab es zwei verlorene Weltkriege, zwei zusammengebrochene Währungen, zwei große Inflationen, eine davon geradezu legendär. Wegen der derzeitigen Lage jammere ich also bestimmt nicht.

Natürlich – der Dollar ist eine reine Papierwährung, die US-Notenbank fährt eine Politik des leichten Geldes und wir in Europa hängen letztlich mit drin. Aber es gibt auch einige Punkte, welche mir im direkten Vergleich USA – Deutschland aufgefallen sind und die doch immerhin etwas beruhigend sind.

So hätten die USA ihre neuen Schulden gar nicht finanzieren können, wenn die Fed nicht neue Anleihen mit selbst gedrucktem Geld (!) gekauft hätte.

In Deutschland hingegen ist es eher wie in Japan: Neue Staatsanleihen werden bzw. könnten bei den eigenen Bürgern platziert werden. Es sind keine Käufe von „Ausländern“ notwendig. Deutsche Staatsanleihen sind gefragt, und die Bundesregierung zeigt sogar eine gewisse Überheblichkeit, weil sie auf Kleinanleger gar nicht mehr angewiesen ist. So wurde z.B. die Möglichkeit kostenloser Depots für Kleinanleger bei der Bundeswertpapierverwaltung abgeschafft.

 Szenario: Statt "großer Knall" eher "Anstieg der Inflation"

Im Fall der USA sehe ich eher keinen „großen Knall“ der Art offizielle Staatspleite. Viel wahrscheinlicher halte ich ein Szenario der mehr oder weniger gezielt geschürten Inflation. Die verringert auf bequeme Weise die Last von Schulden.  Und führt übrigens auch bei der Einkommensteuer zur bekannten „kalten Progression“.

Das Thema „Inflation“ ist meiner Ansicht nach noch keineswegs ad acta gelegt!

Das wiederum bedeutet, dass wir als Anleger auch Gegenmaßnahmen treffen können. Nicht nur das Geld in „Forderungen“ anlegen. Und eine Forderung ist z.B. auch ein Sparbrief einer Bank – wenn die Pleite geht, können Sie Ihre Forderung abschreiben.

Lieber auch einige „reale Werte“, welche einen Wert „an sich“ haben:

  • Edelmetalle
  • Strategische Metalle
  • Immobilien
  • Value Aktien.
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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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