Die Woermann Linie und Deutsch-Südwestafrika

Die Woermann Linie und Deutsch-Südwestafrika

Im Windhoeker Kuiseb Verlag erschien ein neues Buch von Hans Hilpisch: „Die Woermann-Linie als Lebensader Deutsch-Südwestafrikas“.

Der Autor hat sein Buch inzwischen persönlich sowohl in Windhoek als auch in Swakopmund vorgestellt.

Für historisch Interessierte ist diese Neuerscheinung ein echter Leckerbissen. Der Name des Buches ist Programm. Nachdem der Autor bereits mehrere Sachbücher mit Landesbezug veröffentlicht hat (beispielsweise zu Ludwig von Estorff oder Hauptmann Kurt Streitwolf), beschäftigt er sich in seinem neuen Buch mit der „Lebensader“ des damaligen Deutsch-Südwestafrikas. Genau – es geht dabei um die Woermann-Linie.

Dazu schildert der Autor anschaulich zum einen die Biographie des Reeders Adolph Woermann und gibt einen gut lesbaren Überblick über die Geschichte der Woermann-Linie.

Dabei wird klar, dass es die Woermann-Linie im Sinne einer Gesellschaft mit stetigem Geschäftsverlauf nicht gab. Hier gab es sowohl im Hinblick auf die Struktur des Unternehmens als auch im Hinblick auf die Aktivitäten in Deutsch-Südwestafrika erhebliche Unterschiede zwischen 1884 und 1914.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die Bedeutung staatlicher Subventionen gerade für die Anfangsphase der Kolonie. Schließlich konnte von dort vor Inbetriebnahme der Tsumeb-Mine noch kaum Fracht abgeholt werden. Die Landungsverhältnisse waren zudem insbesondere in Swakopmund äußerst schwierig, wie geschichtsbewusste Swakopmunder wissen.

Der Autor schildert, wie pragmatisch die Vertreter der Woermann-Linie vor Ort mit den Widrigkeiten zurechtkamen. Erwähnenswert ist auch die gelungene Auswahl an Fotographien, Zeichnungen und Karten – teilweise in Farbe -, welche sich im Buch finden.

Für den Geschmack des Rezensenten holt der Autor allerdings thematisch etwas zu weit aus, wenn er ein Kapitel zum Beispiel den ersten Eisenbahnen widmet oder den Anfang der Kolonie Deutsch-Südwestafrika recht ausführlich schildert, ohne direkten Bezug zur Woermann-Linie. Interessanterweise widmet der Autor ein Kapitel auch möglichen Kritikpunkten an der Woermann-Linie.

In diesem Kapitel zeigt sich indes eine Schwäche des Buches, da der Autor in erster Linie mit Sekundärquellen arbeitet. Auf diese Weise entgeht ihm zum Beispiel, dass einer der im Buch zitierten Vorwürfe durchaus der Wahrheit entspricht, wie laut Auskunft der Wissenschaftlichen Gesellschaft Swakopmund eine Primärquelle (ein Dokument von Missionar Vedder) belegt.

Erfreulicherweise zeigte sich der Autor bei der Buchvorstellung in Swakopmund als Wissenschaftler offen für konstruktive Kritik.

Insgesamt mein Fazit: Eine für Geschichtsinteressierte lesenswerte Neuerscheinung, die auch die Lust auf weitere eigene Recherche weckt.

Hans Hilpisch: Die Woermann-Linie als Lebensader Deutsch-Südwestafrikas. ISBN: 978-99945-76-76-0

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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