Erst nach 14 Stunden eine Trinkpause?!

Erst nach 14 Stunden eine Trinkpause?!

Aus aktuellem Anlass habe ich gestern Frau Irene Weiersmüller um ein "Update" im Hinblick auf derzeitige LKW-Transporte von Lebendtieren gebeten. Der Hintergrund: Es tut mir in der Seele weh, wenn ich in dieser Hitze im Stau stehe und dann einen LKW mit lebenden Tieren sehe, die der prallen Hitze ausgesetzt sind - und laut Gesetz nur alle 14 Stunden (!) eine 1stündige Trinkpause benötigen.

Und besonders an der Grenze der EU zur Türkei stehen solche LKWs mit lebenden Tieren dann nochmal stunden- bis tagelang, nur um dann auf der anderen Seite der Grenze noch weniger Tierschutz als in der EU zu erhalten. Kotzt mich an.

Kleiner Lichtblick: Die Organisation "Animals´ Angels" setzt sich dafür ein, dass die Transportbedingungen für Lebendtiere verbessert werden. Dazu sind Hauptamtliche auf den Straßen und folgen den Transporten, um mögliche Verstöße gegen das Gesetz zu dokumentieren und ggf. die Behörden zu unterrichten. Auf diese Weise kann zumindest dafür gesorgt werden, dass z.B. alle 14 Stunden die 1stündige Trinkpause eingehalten wird. Nach 15 Jahren Einsatzerfahrung hat "Animals´Angels" da zumindest Tierleid erheblich verringern können. Meinen höchsten Respekt und regelmäßige Spenden haben sie.

Folgender Text von Irene Weiersmüller

http://www.animals-angels.de

Der Sommer zeigt sich dieses Jahr von einer außerordentlich schönen, aber auch gnadenlosen Seite. Des einen Freud, des anderen Leid – doch wenn dann stöhnende und unter der Hitze leidende Stimmen laut werden, muss ich sofort an die Tiere auf den Transportern denken. Womit kühlen sie sich ab, wenn es ihnen zu heiß wird? Wohin ziehen sie sich zurück, wenn sie die Hitze kaum noch ertragen?

Die Antwort ist folgenschwer. Denn sie haben keinerlei Möglichkeit, sich aus der mobilen Hitzefalle zu befreien. Dicht aneinander gedrängt kumuliert sich die Wärme, da verhilft auch der minime Fahrtwind zu keinerlei Abkühlung. Die wenigen Wassertränken, falls überhaupt vorhanden, sind durch das Gedränge kaum erreichbar und sowieso meist nicht eingeschaltet. Gemäß Gesetz müssen Kühe und Schafe nur alle 14 Stunden eine einstündige Trinkpause erhalten. Also ein ganzer Tag ohne einen Schluck zu trinken – kaum vorstellbar, geschweige denn bei den herrschenden Temperaturen.

Nichts desto trotz werden Tausende von Tieren tagtäglich durch die EU und in außereuropäische Länder transportiert. Um an einem anderen, meist weit entfernten Ort, unter rentableren Bedingungen getötet oder ‚gemästet‘ zu werden. Allein vorletzte Woche wurden über 4000 Rinder aus der EU in die Türkei transportiert – bei Temperaturen von bis zu 38° Grad.

Transporte bedeuten immer Stress für die Tiere und gerade unter solchen Bedingungen sind sie eine unvorstellbare Tortur – und gesetzeswidrig. Doch das interessiert niemanden. Denn an erster Stelle steht auch bei diesem ‚Handel‘ - mit lebendigen Wesen - nur eins: Profit.

Aber davon lassen wir uns nicht abhalten. Wir sind bei den Tieren auf den Straßen, begleiten sie, bitten die Fahrer das Wasser einzuschalten und dokumentieren alles. Und wir legen Beschwerden ein – bei den verantwortlichen Behörden, aber auch auf EU-Ebene. Wir setzen uns dafür ein, dass zumindest bestehende Gesetze eingehalten werden und die Tiere mit anderen, respektvollen Augen beachtet werden.

 

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Erst nach 14 Stunden eine Trinkpause?!

Michael VaupelGeschrieben am  12:55 pm - Aug 4, 2018

Dazu habe ich eine interessante Zuschrift erhalten, die ich ohne Namensnennung hier wiedergeben möchte:

Vielen Dank, lieber Herr Vaupel, Sie haben mich daran erinnert, was ich vergessen hatte. Jetzt bin ich Fördermitglied. Einen winzigen Haken hat die Sache für mich: nach meiner Ansicht ist die vegetarische oder vegane Ernährungsweise kein Ausweg. Für mich zählt, dass ich tierische Produkte nur da kaufe, wo ich die Lebensbedingungen der Tiere beobachten kann. Da bin ich wahrscheinlich privilegiert, denn ich wohne auf dem Land. Einmal habe ich übers Internet von einem Hof in Österreich bestellt, weil sie dort die Schweine angeblich alle im Freien und in der Rotte halten. Bei meinem Besuch dort gab es auch welche, die so gehalten wurden, aber aus den vorhandenen Ställen habe ich dann doch Grunzen und Quieken gehört, hineinschauen konnte man nicht! Wie auch immer, derartige Auswüchse wie der Tiertransport könnten verhindert werden, wenn Menschen regional kauften und vielleicht sogar einmal zu den „Produzenten“ hinführen. Leider bleibt ja auch der Transport zu den Schlachthöfen, weil es örtlichen Schlachtern durch immer höhere behördliche Anforderungen so schwer gemacht wird. Wer einmal gesehen hat, wie ein Tier aussieht, wenn es auf den Wagen geschafft wird, welchem Stress es unterliegt, der möchte DAS Fleisch sicher nicht mehr essen. Aber es ist im Supermarkt ja so fein verpackt und man muss sich keine Gedanken. Als meine Freundin wieder einmal Schweinefleisch im Supermarkt zu unglaublich niedrigen Preisen liegen sah, äußerte sie lautstark: „Du arme Sau, kannst auch kein gutes Leben gehabt haben, wenn dein Fleisch jetzt so billig verkauft wird!“ Ein paar Umstehende legten daraufhin verstohlen die Packungen wieder zurück. Vielleicht höhlt ja auch hier steter Tropfen den Stein.

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