Paleo

Paleo

Kommenden Monat ist es soweit: Dann wird neben der Auszeichnung "Spiel des Jahres" auch die für mich interessantere Auszeichnung "Kennerspiel des Jahres" vergeben.

Denn seit Jahren versuche ich, ca. einmal im Monat mit Investoren-Kollegen und geistigen Getränken einen Strategiespiel-Abend zu absolvieren. Und wer tagsüber viel vor dem Monitor sitzt, der ist abends froh, dann "anlog" spielen zu können - mit einem schönen Brettspiel mit ansprechendem Artwork.

Sie können sich wieder denken, dass ich das nicht erwähnen würde, wenn ich nicht eine entsprechende Empfehlung hätte. Habe ich:

Denn ich habe mir die für das "Kennerspiel des Jahres" nominierten Spiele näher angeschaut und das nominierte "Paleo" von Peter Rustemeyer haben wir am Freitagabend lange gespielt. Hier mein Eindruck:

Was für ein schönes kooperatives, kartengetriebenes Strategiespiel mit stimmigen Illustrationen!

Beispielrunde Paleo

Paleo - das Setting:

Jede/r übernimmt eine Gruppe von Menschen in der Steinzeit. Gemeinsam bilden diese Gruppen einen Stamm - sprich, es wird kooperativ gespielt.

Das Ziel ist eindeutig: 5 Siegpunkte zu erhalten (stimmig umgesetzt in Form von Siegpunktplättchen, die eine Höhlenmalerei ergeben). Falls 5 Totenköpfe anfallen, dann haben die Spieler/innen gemeinsam verloren.

Es gibt somit keine feste Rundenzahl - es geht solange weiter, bis eine der beiden Möglichkeiten eingetreten ist.

Jede/r beginnt mit zwei zufällig gezogenen Menschen. Diese haben unterschiedliche Eigenschaften...Jäger, Späher, mehr Lebenspunkte, weniger Lebenspunkte, besondere Werkzeuge, die sie mitbringen, etc. pp.

Das Spiel ist kartengetrieben, weshalb es hier entsprechend zahlreiche Karten gibt, insgesamt 222 Stück.

Das ist zu Beginn eine gewisse Einstiegshürde...was sind denn jetzt nochmal Geheimnis-Karten, was Träume-Karten und was Basis-Karten? Hier empfiehlt sich, die Anleitung in der ersten halben Stunde in Reichweite liegen zu lassen. Danach waren wir definitiv vertraut mit dem Spiel.

Wie es zum Thema Steinzeit passt, gilt es hier zunächst einmal, überhaupt zu überleben. In jeder "Nachtphase" müssen die Menschen des eigenen Stamms ernährt werden, was 1 Nahrung pro Person bedeutet. Wer die nicht hat - erhält einen Totenkopf.

Die Karten bieten normalerweise jeweils 2 bis 3 Auswahlmöglichkeiten, die keineswegs trivial sind.

Soll z.B. ein Mammut-Baby gejagt werden - was gewisses Fleisch bringen würde, aber das Risiko, von einer Mammutgruppe angegriffen zu werden? Soll eine pflanzliche Nahrungsquelle ganz ausgebeutet werden, oder nur ein Teil - dafür nachhaltiger, da in späteren Runden die Karte wieder im Spiel ist? Und was ist mit einem einsamen Wolf...versuchen, ihn zu zähmen (was wertvolle Zeit und Fleisch kostet...), oder ihn bekämpfen und Schaden nehmen?

Um sich Spielspaß zu erhalten, rate ich dringend dazu, sich die Karten vorher nicht anzuschauen.

Denn es ist Teil des Spiels, zu erkunden, wie überhaupt die 5 Siegpunktplättchen erhalten werden können.

Was mir nicht gefallen hat: Die Anleitung. Ich fand diese etwas unübersichtlich...so gibt es z.B. einen zweiseitigen Überblick über eine Beispielrunde, bevor essenzielle Regeln überhaupt erklärt sind. Die Regeln erschienen uns nach Lektüre der Anleitung schwieriger, als sie eigentlich sind.

Denn wenn die Piktogramme und der Spielaufbau erst einmal verstanden sind, ist es ein durchaus zackiges und schnell spielbares kooperatives Spiel.

Apropos kooperativ: Das hat den großen Vorteil, dass die Spieler/innen in jeder Runde parallel eine aus drei ihrer Karten auswählen können. So ist die "downtime" = Wartezeit relativ gering. Und es führt zu interessanten Diskussionen - Erwartungswert optimieren, risikofreudig spielen, oder auch mal gezielt einen "Totenkopf" in Kauf nehmen, um einen anderen Vorteil zu erlangen? Meta-psychologische interessante Aspekte ergeben sich auch (wer versucht, die Gruppe in der Diskussion zu dominieren,...).

Mein Fazit: Daumen hoch für Paleo

Für mich ist Paleo definitiv der Favorit für das diesjährige Kennerspiel des Jahres.

Angenehmen Spieleabend!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Paleo

Paleo – FinanzFeedGeschrieben am  8:55 pm - Jun 19, 2021

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