Psychologie und Chinesische Philosophie

Psychologie und Chinesische Philosophie

Im Studium der Wirtschaftswissenschaften wurde mir noch versucht, beizubringen: Der Mensch agiert als "homo oeconomicus", sprich maximiert seinen Nutzen und handelt auch an den Finanzmärkten völlig rational.

Das kam mir schon damals "spanisch" vor, schließlich verdiente ich mir mein Studium unter anderem mit Kauf und Verkauf von Aktien und Zertifikaten/Optionsscheinen - wobei ich mir irrationale Übertreibungen zu Nutze machte. Solche "irrationalen Übertreibungen" sollte es aber nach der Theorie überhaupt nicht geben.

Ich schrieb in den Klausuren, was der Professor hören wollte, aber dachte mir meinen Teil. In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich im Hinblick auf die Kapitalmärkte neben den wirtschaftlichen Faktoren auch mit Themen wie Verhaltensökonomie - auf neudeutsch auch behavioral economics genannt - oder Spieltheorie.

Und damit war ich auch drin im Thema Psychologie. Ein Fach, das ich durchaus gerne ebenfalls studiert hätte, sofern die eigene Lebenszeit weniger begrenzt wäre. Mangels Zeit versuche ich mich in solchen Bereichen, möglichst mit guten Überblickswerken mit hohem Nutzwert fortzubilden.

In dem Kontext kenne und schätze ich bereits seit meiner Schulzeit die "Wissen"-Bände des renommierten C.H. Beck Verlags.

Denn diese Bände schaffen es üblicherweise, auf rund 120 Seiten in handlichem Format komprimiert Überblicks-Wissen zum Thema des Buches zu vermitteln. Das Gute dabei: Zielgruppe sind interessierte Laien wie ich, die sich so mittels einiger Stunden Lektüre ein durchaus respektables Überblickswissen zum genannten Thema verschaffen können.

Solche Bände nehme ich auch gerne mit, wenn Wartezeiten absehbar sind, z.B. beim Arztbesuch oder in der Bahn. Sie können sich denken, dass ich das nicht erwähnen würde, wenn ich in den vergangenen Wochen nicht einige der Bände aus der Beckschen "Wissen"-Reihe gelesen hätte - und mal wieder begeistert bin. Hier meine Anmerkungen zu drei gelesenen Bänden der Reihe:

Rolf Reber: Psychologie

Wie üblich ist der Autor ein anerkannter Fachmann zum jeweiligen Gebiet (hier: Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Oslo). Der Untertitel des Buches bringt es auf den Punkt, um was es hier geht: Grundlagen, Methoden, Therapien. Das erste Kapitel "Lernen aus Erfahrung: Behaviorismus" hat mich direkt ins Buch hineingezogen, schließlich geht es auch an den Börsen um klar beobachtbare Verhaltensweisen wie Risikofreudigkeit oder Risikoaversion, selektive Wahrnehmung etc. pp. Hier wird - natürlich - der bekannte Pawlowsche Hund als Beispiel für klassische Konditionierung genannt.

Es werden auch medizinische Aspekte wie Gene oder Gehirn behandelt, doch das nur am Rande. Es geht schließlich um die Psyche, nicht die Physis. Ob kognitive Entwicklung, Heuristiken und Urteilsverzerrung oder "individuelle Unterschiede in der Praxis": Ich finde das Buch erfreulich gut lesbar und einen guten Überblick vermittelnd. Erfreulicherweise führt der Autor konkrete Fallbeispiele an ("ein junger Mann raucht an einer U-Bahn Station..."), was für mich zu Lesevergnügen führte. Insgesamt kommt das Buch dem nahe, was in den USA wohl "Psychology 101" = Einführungskurs Psychologie an der Universität bezeichnet würde.

Ich habe einige auch für das Thema Börse wichtige Aspekte gelernt. Das Buch "Psychologie" ist eine Neuerscheinung von diesem Monat (März 2021).

Rolf Reber: Psychologie - Grundlagen, Methoden, Therapien

Eine kostenlose Leseprobe finden Sie bei Interesse unter diesem Link

Hans van Ess: Chinesische Philosophie

Ebenfalls eine Neuerscheinung dieses Monats ist das Wissensbuch "Chinesische Philosophie" des Professors für Sinologie Hans van Ess. Da der Autor zudem Präsident der von mir geschätzten Max Weber Stiftung ist, habe ich auch dieses Buch mit Interesse gelesen. Das ist ein Vorteil dieser Beckschen Reihe - innerhalb einiger Stunden lässt sich ein Band lesen.

Mit chinesischer Philosophie habe ich mich seit einigen Jahrzehnten am Rande beschäftigt. Interessanterweise auch immer mal wieder im Zusammenhang mit dem Thema Börse. Da ging es weniger um die Tugendlehre des Konfuzius, als vielmehr um Dinge wie Nichtstun nach Laotse. "Hin und her macht Taschen leer" heißt es an der Börse - oder mit Laotse: Nichts tun ist besser, als mit viel Aufwand nichts erreichen.

Auch die Prinzipien von Ying und Yang berücksichtige ich und weiß, dass gerade dann, wenn es besonders gut oder besonders schlecht läuft, dies nicht von Dauer sein wird. Es ist immer auch etwas Yin im Yang, und umgekehrt...das hilft mir manchmal (!), eine gewisse Gelassenheit zu erhalten bzw. zu bewahren.

Diese Heuristiken meinerseits werden in dem Buch strukturiert vorgestellt. Dazu geht der Autor mehr oder weniger chronologisch vor - indem er die chinesischen Philosophen/Philosophien anhand ihrer geschichtlichen Entwicklung erläutert. Das ist für ein tieferes Verständnis hilfreich - auch z.B. im Hinblick auf den Einfluss westlichen Denkens auf chinesische Philosophie in der frühen Neuzeit bis heute.

Die geschichtlichen Aspekte mögen für "Mainstream-"Leser/innen nicht so interessant sein - die Erläuterungen zu Laotse, Buddhismus und Yin und Yang finde ich indes für jede/n Bildungsbürger/in unbedingt wissenswert.

Hans van Ess: Chinesische Philosophie

Benedikt Stuchtey: Geschichte des britischen Empire

Der Dritte im Bunde der heutigen Autoren ist Benedikt Stuchtey, Historiker und ehemaliger stellvertretender Direktor des Deutschen Historischen Instituts in London, wie der Verlag C.H. Beck erläutert. Das britische Empire - was kümmert uns das heute noch? Nun, ich selbst bin bei meinen jüngsten Reisen im südlichen Afrika des Öfteren mit der Geschichte des britischen Empires konfrontiert worden.

  • Sei es, dass ein Restaurant "Cape to Cairo" heißt, sei es im Hinblick auf die - willkürlich aussehende - Grenzziehung der Staaten im südlichen Afrika.
  • Oder sei es im Hinblick auf ganz praktische Dinge - wo wird heute links und wo wird rechts gefahren?
  • Welcher Teil Afrikas ist (neben den indigenen Sprachen) frankophon, welcher anglophon?
  • Was für Handelsbeziehungen wurden in der britischen Kolonialzeit etabliert und welche wirken bis heute fort?

Insofern habe ich auch diesen Bank der Beckschen Reihe mit Interesse gelesen. Grundsätzlich ist das Buch chronologisch aufgebaut. Das bedeutet: Es geht hier im 17. Jahrhundert los, mit Themen wie Neuengland, "Christentum und Handel" oder "Seefahrt und Siedlung". Einen großen Teil nimmt im weiteren Verlauf natürlich die Entwicklung in Nordamerika ein, wozu auch politische Theorien gehören (John Locke beispielsweise). Erfreulicherweise beschränkt sich der Autor dabei nicht auf das Festland Nordamerikas, sondern geht z.B. auch auf die Karibikinsel Barbados ein.

Auch später werden Randgegenden wie die "Cook Islands" behandelt, was mich sehr gefreut hat, da dieses etwas exotische Flair Lesevergnügen bereitet (zumindest mir). Die britischen Kolonien in Afrika kommen auch vor, aber eher am Rande, was ich persönlich bedauert habe. Doch so ist das eben mit kleinen Überblickbänden, sie sollen genau das sein - ein Überblick, und können deshalb nicht zu jedem Aspekt in die Tiefe gehen.

Eine Karte zum britischen Empire in seiner größten Ausdehnung (damals rund ein Viertel der Erdoberfläche!) rundet dieses lesenswerte Büchlein ab. Einzig das "Verzeichnis der Kolonien, Dominions, Protektorate und Mandatsgebiete" finde ich in der gezeigten Form unpassend - denn da werden im Fließtext einfach alle Gebiete aufgezählt mit Jahreszahl des Besitzes. Eine tabellarische Übersicht, regional aufgeteilt, hätte mehr Nutzwert geliefert.

Aber Sie haben gewiss Recht, wenn Sie einwenden, dass dies ja auch wieder mehr Platz gekostet hätte.

Insgesamt auch dies ein lesenswerter Band der Beckschen Reihe, mit guter Lesbarkeit und Nutzwert für historisch und politisch interessierte Leser/innen:

Benedikt Stuchtey: Geschichte des britischen Empire

Eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei finden Sie bei Interesse unter diesem Link

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Psychologie und Chinesische Philosophie

Psychologie und Chinesische Philosophie – FinanzFeedGeschrieben am  4:56 pm - Mrz 31, 2021

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