Reise durch Ruinen

Reise durch Ruinen

Als Kind war ich fasziniert von George Orwells "Farm der Tiere" - doch sein bekanntestes Werk ist wahrscheinlich der dystopische Roman "1984".

Auch der Lebensweg von George Orwell war recht facettenreich und interessant (aus Außensicht) bzw. dramatisch (möglicherweise aus seiner Sicht), hier der Link zum entsprechenden Wikipedia-Eintrag.

Doch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen.

Stattdessen geht es hier um eine aktuelle Neuerscheinung eines Büchleins, das Reportagen von George Orwell bündelt. Denn genau, George Orwell war auch Journalist (ein Tausendsassa!) und berichtete zum Beispiel für "The Oberserver" aus Deutschland und Österreich.

Und zwar in einer höchst interessanten Zeit: Zwischen März und November 1945.

Die Zeit, in der Deutschland am Boden lag.

Leider - finde ich - besteht das Buch nur aus gut 100 Seiten Text, denn die sind äußerst schnell gelesen. Dafür sorgen auch die kurzen Kapitel, die nichts anderes sind als jeweils ein Artikel in einer Zeitung. Entsprechend kurz und knackig sind diese Kapitel gehalten.

Und es zeigt sich, was für ein talentierter Journalist George Orwell war - mit einem Blick für feine Details, umfassendes Interesse und der Gabe, das dann auch gut zu Papier zu bringen.

Er könnte es sich einfach machen und als Engländer herablassend aus dem besiegten Deutschland berichten. Genau das tut er nicht.

 

Er geht mit offenen Augen durchs Land, was gerade in der Endphase des Krieges in gerade von britischen oder französischen oder US-amerikanischen Truppen besetzten Gebieten auch nicht ganz ungefährlich ist.

Gerade in der unmittelbaren Übergangszeit schlug oft auch die Stunde von Plünderern, wie er anschaulich berichtet. Man kann sich die von ihm beschriebenen harmlos aussehenden deutschen Rentner mit "Polizei"-Armbinde bildlich vorstellen.

  • Französische Soldaten, die sich mit dem Spruch "Wie 1940!" über zerstörtes deutsches Militärgerät freuen...
  • ...englische Offiziere, die ihm berichten, wie sie in der Gefangenschaft auf Rot-Kreuz-Pakete gewartet haben...
  • ...was den Unterschied ausmachte zu den russischen Gefangenen, über deren Los er auch berichtet.
  • Der Blick von Orwell erfasst auch Probleme im Bereich der "Displaced Persons". Das waren Personen, die an einem Ort waren, wo sie eigentlich nicht hingehörten.
  • Was tun, wenn aber z.B. ein Russe lieber in Deutschland bleiben wollte, als nach Sowjetrussland zurückzukehren?
  • Dasselbe galt auch für so manchen französischen Kollaborateur.

Die Artikel sind für zeitgeschichtlich Interessierte (ich bin das definitiv) unbedingt lesenswert. Ich hatte das Gefühl, die Texte sind brandaktuell, so wie George Orwell schreibt.

Solch einen Journalisten würde ich mir auch für die Beschreibung von aktuellen Krisenregionen wünschen.

Unbedingte Leseempfehlung meinerseits für diese neue, höchst interessante Neuerscheinung:

George Orwell: Reise durch Ruinen

Angenehme Lektüre!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Reise durch Ruinen

Reise durch Ruinen – FinanzFeedGeschrieben am  8:55 am - Sep 16, 2021

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