Rezension: Die seltsamsten Sprachen der Welt

Rezension: Die seltsamsten Sprachen der Welt

Neulich erst gehört, in Namibia: Khoikhoi - eine "Klicksprache". Schon mehrfach habe ich versucht, einige der "Klicks" zu lernen, doch der Erfolg war bestenfalls kurzfristig (nach spätestens wenigen Stunden wieder alles vergessen)...

Wer auf meiner Liste der Menschen, für deren Lebensleistung ich größten Respekt habe, weit oben steht: Harald Haarmann. Der Sprachwissenschaftler hat einige Bücher veröffentlicht (in mehrere Sprachen übersetzt) und wurde mit Fachpreisen überschüttet. Ich habe in meinen Notizen nachgeschaut und so erfahren, dass ich 2016 sein Buch "Auf den Spuren der Indoeuropäer" gelesen habe. Als Indoeuropäer, der damals etwas Farsi lernen wollte, interessierte mich das.

Und nun gibt es ein neues Buch von Harald Haarmann: Die seltsamsten Sprachen der Welt

Wenig überraschend für mich kommt darin direkt zu Beginn auch die "Klicksprache" Khoikhoi vor. Doch in diesem Buch geht Haarmann nicht in die Tiefe, sondern hat stattdessen auf rund 200 Seiten gleich 49 "exotische" Sprachen in jeweils einem eigenen kurzen Kapitel behandelt.

Das finde ich als Nicht-Sprachwissenschaftler äußerst erfreulich, denn so sind diese Kapitel auch für Laien wie mich gut lesbar, da sie eher an der Oberfläche bleiben. Sprachwissenschaftler/innen mögen das als negativ sehen, ich finde es prima.

Die Lektüre des Buches zeigte mir auf, wie beschränkt ich das Thema Linguistik bisher gesehen habe. Gewiss, während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften habe ich meine Freizeit u.a. genutzt, um im Sprachwissenschaftlichen Institut der Universität etwas Lettisch zu lernen und an den Lippen eines Professors zu kleben, der über die linugistischen Gegebenheiten des nördlichen Kaukasus informierte. Doch das linguistische Interesse verlor sich später, es gab andere Dinge, Aktien, Frauen, geistige Getränke, russische Literatur...

Seitdem lautete mein Blick im Hinblick auf Fremdsprachen in etwa so: Die Vokabeln unterscheiden sich natürlich - aber grundlegende Dinge wie Wortstellung (Subjekt - Verb - Objekt) sind ja mehr oder weniger gleich. Und es gibt in jeder Sprache eine Form für Gegenwart, eine für Vergangenheit, eine für die Zukunft...

Die Lektüre der Neuerscheinung "Die seltsamsten Sprachen der Welt" belehrte mich eines Besseren.

Beispiel Wortstellung. Die ist im Ainu "Objekt - Verb - Subjekt", wörtlich z.B. "neues Haus wir machen". Und ganz nebenbei erfahren wir im Kapitel über die Sprache der Ainu auch etwas über die Geschichte dieser japanischen Minderheit, die hauptsächlich auf der nördlichen Insel Hokkaido (genau, wie der Kürbis) verbreitet war.

Faszinierend fand ich auch die Mitteilung, dass es im Jukagarischen (im Osten Sibiriens) bei den Erlebnisformen eine Unterscheidung gibt im Hinblick auf die Erlebnisform.

Konkret: "Mein Vater hat einen Polarfuchs getötet" gibt es in zwei Varianten - einmal in der, in welcher der Sprecher es selbst gesehen hat. Und dann in der Variante, in der dem Sprecher darüber berichtet wurde. Beide Varianten unterscheiden sich sprachlich nur minimal.

Im Finnischen wiederum wird die Verneinung konjugiert. Der Autor erläutert: Wer im Finnischen auf die Frage "kommt ihr mit?" mit "Nein" antwortet, der wird komisch angeschaut, da es komisch klingt auf Finnisch, einfach "nein" zu sagen. Stattdessen wird konjugiert, eine passende Antwort wäre also z.B.: "wir nicht".

Oder das Russische - laut Autor führte die Beeinflussung durch finnougrische Sprachen dazu, dass im Mittelalter im Russischen das Wort für "haben" verloren ging. Im Kirchenslawisch ist es aber noch enthalten.

Und dann Dinge wie doppelte Verneinung. Im bajuwarischen Idiom sind sogar mehrfache Verneinungen möglich ("I daad nia koa Suppn ned essn.")

Einige Aspekte sind mir als Nicht-Sprachwissenschaftler zu "nerdig", wie z.B. die "Bedeutungsunterscheidungen ubychischer Wörter durch Konsonantenphoneme". Aber das spricht ja gegen mich und nicht gegen den Autor, der schließlich Sprachwissenschaftler ist.

Insgesamt aber ein klares Daumen hoch meinerseits für: Die seltsamsten Sprachen der Welt  - unter der Voraussetzung freilich, dass Sie ein gewisses Grundinteresse für Sprachen mitbringen.

Eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei finden Sie bei Interesse unter diesem Link.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Rezension: Die seltsamsten Sprachen der Welt

Rezension: Die seltsamsten Sprachen der Welt – FinanzFeedGeschrieben am  1:51 pm - Mrz 27, 2021

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