A.H.T. Syngas: +1.614% in knapp 5 Jahren

A.H.T. Syngas: +1.614% in knapp 5 Jahren

Hier hat sich Geduld ausgezahlt: Im August 2019 stellte ich hier im Blog das Unternehmen A.H.T. Syngas Technology N.V. vor. Das Geschäftsfeld war mir da positiv aufgefallen - und als sich die Gelegenheit bot, vor Ort zu recherchieren, tat ich dies gerne.

Zusammen mit einigen weiteren Lesern hatten wir damals die Möglichkeit, das Firmengelände zu besichtigen und dem Vorstand auch kritische Fragen zu stellen. Das nutzten wir.

Damals - das schrieb ich im August 2019 dazu - notierte die Aktie zwischen ca. 1,30 und 1,50 Euro. Ich weise darauf hin, dass ich kaufte, weil mich Unternehmen und Management und Bewertung der Aktie überzeugt hatten.

Gewiss, ein kleiner Nebenwert, der damals folgende durchaus überschaubare Geschäftszahlen vorwies:

  • Die Umsätze stiegen 2018 auf 812.399 Euro nach 304.838 Euro im Geschäftsjahr 2017.
  • Das Nachsteuerergebnis schaffte es 2018 in die schwarzen Zahlen: 2017 lag es bei -147.480 Euro, 2018 dann bei 64.939 Euro.
  • Per 31.12.2018 hatte AHT Syngas Aktiva von rund 1,78 Mio. Euro vorzuweisen.
  • Auf der Passivseite der Bilanz zeigt sich ein Eigenkapital von 670.177 Euro, was gegenüber dem Stand 31.12.2017 (437.902 Euro) einen deutlichen Anstieg zeigt.
  • Zudem fiel mir auf, dass der Auftragsbestand per 31.12.2018 mit 0,8 Mio. Euro angeben wurde.

Und nun der Sprung in die Gegenwart.

Heute hat das Unternehmen Zahlen für das Geschäftsjahr 2023 veröffentlicht. Der Aktienkurs steht inzwischen bei rund 24 Euro. Damit hat sich der Aktienkurs seit damals mehr als verzehnfacht (+1.614% beim Kursanstieg von damals 1,40 Euro auf aktuell 24,00 Euro). Die Aktie hat es damit zu dem geschafft, was im Börsenjargon "Tenbagger" genannt wird, sprich ein "Verzehnfacher".

Fundamental gerechtfertigt?

Dazu der Blick auf die neuen Geschäftszahlen.

Anmerkung vorab: A.H.T. teilt mit, dass es sich bei den Zahlen um die Geschäftszahlen gemäß HGB der deutschen Betriebsstätte handelt. Der rechtliche Firmensitz ist in den Niederlanden, und der testierten Konzernabschluss gemäß niederländischen Rechnungsstandard DUTCH GAAP soll kommenden Monat veröffentlicht werden. Die HGB Zahlen geben einen guten Einblick in die wirtschaftliche Situation.

  • Der Umsatz stieg 2023 um ca. 838% (!) von knapp 1,3 Mio. Euro auf ca. 12,1 Mio. Euro
  • Das Ergebnis im Geschäftsjahr 2023 lag bei ca. 0,86 Mio. Euro nach -0,39 Mio. Euro 2022. Eine Verbesserung um knapp 1,3 Mio. Euro.
  • Die Bilanzsumme (operatives Geshäft = Betriebsstätte im nordrhein-westfälischem Overath) lag laut HGB Ende 2023 bei 6,65 Mio. Euro nach knapp 4 Mio. Euro Ende 2022.

Damit hat sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2023 gegenüber den oben genannten Zahlen für 2018 nahezu um den Faktor 15 vervielfacht.

Da relativiert sich auch der gewaltige Kursanstieg, den wir im selben Zeitraum gesehen haben.

Meine aktuelle Einschätzung:

Das starke Wachstum 2023 sollte keine Eintagsfliege gewesen sein. Denn A.H.T. berichtet von einem im Vorjahr abgeschlossenen Rahmenvertrag mit einem großen japanischen Kunden. Der möchte demnach innerhalb von drei Jahren 20 Biomassekraftwerke abnehmen, Auftragsvolumen 160 Mio. Euro (Rahmenvertrag ist geschlossen). Die Aussage des Unternehmens:

"Gefüllte Auftragsbücher bis 2026"

ist damit sachlich gut begründet.

Erfreulicherweise nennt A.H.T. auch eine konkrete Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Demnach soll der Umsatz weiter wachsen, ein Plus von mindestens 65% beim Umsatz wird prognostiziert (auf mindestens 20,0 Mio. Euro, nach 12,1 Mio. Euro 2023).

Das Ergebnis soll um ca. 40% klettern, auf mindestens 1,2 Mio. Euro nach ca. 0,86 Mio. Euro 2023.

Da A.H.T. mit seiner Technologie Lösungen bietet, die auf Jahre hinaus gefragt sein sollten. Ich weise darauf hin, dass ich selbst investiert bin. Zum Geschäftsfeld des Unternehmens:

A.H.T. Syngas hat eine Technologie entwickelt bzw. weiterentwickelt, mit der es möglich ist, aus Abfallstoffen Synthesegas (und damit teilweise Wasserstoff) zu produzieren. Das könnte gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Und nein, es geht da nicht um Biogas = Vergärung von Biomasse, wie man es z.B. von Bauern kennt, die Mais vergären.

Stattdessen wird hier der Input (wie z.B. sogar Klärschlamm!) thermisch zersetzt. Ich zitiere aus der entsprechenden Technologiebeschreibung des Unternehmens, Zitat:

"Bei der Gaserzeugung wird der Feststoff thermisch zerlegt („gecrackt“). Nach dieser thermischen Zersetzung von z. B. Holz bleibt dann, neben der Asche, hauptsächlich Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) übrig. Kohlenmonoxid und Wasserstoff sind brennbar und werden zusammen als Synthesegas bezeichnet."

Mit diesem Synthesegas kann dann z.B. ein Gasmotor mit Generator in einem Kraftwerk betrieben werden, Stromerzeugung aus biogenen Reststoffen. Finde ich genial!

Mit dieser Technologie kann Wasserstoff produziert werden

Und was mich natürlich auch hat aufhorchen lassen: Mit dieser Technologie wird auch Wasserstoff (= H2) produziert. Dieser abzuspaltende Wasserstoff kann dann z.B. für eine Wasserstofftankstelle genutzt werden.

Und beim Stichwort Wasserstoff könnten auch andere Investoren hellhörig werden (die dieses Unternehmen bisher noch gar nicht auf dem Schirm haben, so mein Eindruck).

Und die Technologie funktioniert, es sind bereits mehrere Anlagen errichtet worden. Und es werden schwarze Zahlen geschrieben.

Interessanterweise sind gerade Entwicklungsländer interessant, da dort z.B. Müllkippen ausufern. Wenn da bestimmter Müll als Input für die Produktion von Strom, Wärme/Kälte und Wasserstoff verwendet werden könnte, könnte das eine super Lösung sein. Für die jeweiligen Einwohner, für die Umwelt - und vielleicht auch für die Investoren. Solche Investments sind genau das, was ich suche.

Die Technologie, auf die A.H.T. Syngas setzt, ist das sogenannte Doppelfeuer-Verfahren. Mit freundlicher Genehmigung des Unternehmens hier die Wiedergabe des Verfahrens in Kurzversion:

Quelle: Unternehmensangaben

Hierbei haben sich für mich einige Fragen ergeben. Was ist der Vorteil gegenüber Biogas?

Laut A.H.T. Syngas ist hier der Wirkungsgrad höher. Es können auch biogene Reststoffe verwertet werden, mit denen keine Biogas-Anlage wirtschaftlich betrieben werden kann. Beim Doppelfeuer-Verfahren wird ein Teil des Inputs verbrannt, um Wärme zu erzeugen. Der Rest wird dann mit dieser Wärme in zwei Gaserzeugerzonen Synthesegas umgewandelt. Dieses wiederum kann z.B. dazu genutzt werden, in einem Kraftwerk Elektrizität zu produzieren.

Auf diese Weise sind z.B. netzunabhängige Insellösungen möglich. Denn wenn passende biogene Reststoffe vorhanden sind, kann so Synthesegas vor Ort produziert werden. Das geht mit einer Vielzahl möglicher Input-Stoffe. Es ist sogar der Einsatz von flüssigen Stoffen möglich. Hier wurden mir Klärschlämme oder Gülle genannt oder auch Lebensmittelreste.

Diese werden in einem vorgeschalteten Prozess karbonisiert, und der dadurch entstandene Feststoff kann dann im Doppelfeuer-Verfahren eingesetzt werden.

Ja, genau: Aus Klärschlamm oder Gülle kann so Synthesegas entstehen! Dieses wiederum könnte in einem Kraftwerk eingesetzt werden oder es wird Wasserstoff abgespaltet. Eine Wasserstoff-Tankstelle, die ihren Nachschub aus mit aus Gülle erzeugtem Synthesegas erhält – das wäre doch was!

Diese Darstellung des eigenen Angebots von A.H.T. Syngas finde ich so aussichtsreich wie sympathisch.

Es gibt zig Einsatzmöglichkeiten. Angefangen von den Landwirten in Norddeutschland, die so ihre Massen an Gülle noch sinnvoll verwenden könnten (und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen) bis hin zu Südostasien, wo es zunehmend Probleme mit ausufernden Müllkippen gibt.

Vorteilhaft bei A.H.T. Syngas finde ich, dass sich das Unternehmen auf mittlere grundlastfähige dezentrale Kraftwerke konzentriert. Da geht es um Leistungen von 250 KW bis hin zu 15 MW. Es können auch fossile Energieträger als Input genutzt werden – die Phantasie kommt aber aus meiner Sicht gerade durch den Einsatz von sonst nicht verwertbaren biogenen Reststoffen oder auch nachwachsenden Rohstoffen.

Die Zielgruppe für solche Anlagen sind meiner Ansicht nach unabhängige Stromerzeuger, Kommunen, netzunabhängige Insellösungen, auch Krankenhäuser oder große landwirtschaftliche Betriebe oder auch Industriebetriebe mit z.B. Klärschlämmen.

Damit lautet der Unternehmenszweck der A.H.T. Syngas laut eigenen Angaben, ich zitiere: „Dezentrale Energieanlagen zu planen, zu errichten, zu betreuen und dies weltweit“.

Es bleibt nicht bei der Theorie, denn diverse Anlagen sind bereits errichtet. Hier ein Beispiel, eine 800 KW Anlage in Japan, die als Input Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald nutzt:

Quelle: Unternehmensangaben

Ein weiteres Beispiel: Ein Kompakt-Synthesegaskraftwerk in Südostasien. Das wurde unter Aufsicht von AHT Syngas Ingenieuren errichtet. Der Brennstoff ist laut Unternehmensangaben „deponierter Abfall aus der am Standort gelegenen Mülldeponie“.

Richtig klasse finde ich auch eine von A.H.T. Syngas in der Schweiz erreichtete Anlage, welche auf die Karbonisierung/Vergasung von Klärschlamm und Gülle setzt. Prima!

Quelle: Unternehmensangaben

Gut gefällt mir auch, dass das Unternehmen keinerlei Bankschulden hat. Es gibt ein Darlehen von Gesellschafterseite. Es gefällt mir sehr gut, dass der Vorstandsvorsitzende Gero Ferges selbst stark investiert ist (er hält rund ein Drittel der Aktien).

Aus meiner Sicht bietet sich hier ein sehr interessantes Investment. Wie üblich gilt: Entscheiden müssen Sie schon selbst, das ist keine Anlageberatung oder Anlageempfehlung. Ich glaube an den mündigen Leser.

Da es sich um eine relativ kleine Aktiengesellschaft handelt, sind die Handelsumsätze in der Aktie recht überschaubar. Transaktionen sollten deshalb mit Limits versehen werden.

Name: A.H.T. Syngas Aktie

WKN: A12AGY

ISIN: NL0010872388

Mit freundlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

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