Rezension: Magellan

Rezension: Magellan

Schon als Kind las ich gerne Bücher über die "großen Entecker" wie Magellan und Seefahrernationen wie Portugal sind mir bis heute äußerst sympathisch geblieben. Inzwischen - einige Jahrzehnte und ein Geschichtsstudium später - sehe ich manches bei den historischen Entdeckern durchaus kritischer, wie den eurozentrischen und teilweise bornierten Blick.

Menschen wie Ferdinand Magellan finde ich weiterhin faszinierend, trotz oder gerade wegen ihrer Fehler (er war auch nur ein Mensch).

Dies wird auch in der Neuerscheinung Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde deutlich. Die Rahmenhandlung ist bekannt: Der Portugiese Ferdinand Magellan (portugiesisch: Fernão de Magalhães), der in spanischen Diensten das erste Mal überhaupt (soweit bekannt) die Erde einmal komplett umsegelte, Richtung Westen startend. Die Probleme, mit denen diese Expedition zu kämpfen hatte, die Herausforderungen durch Natur, Meuterei, Hunger, Durst,...die Planung, Menschenführung und den Mut von Magellan...

Und dies nicht in Form eines Abenteuerromans, sondern als Darstellung durch den promovierten Historiker Christian Jostmann, den Autor dieses Buches (der passenderweise laut Verlag auch in Madrid Hispanistik studiert hat).

Der Autor hat sich keine leichte Aufgabe gestellt - er geht gewissermaßen einen Spagat ein. Denn einerseits soll der wissenschaftliche Anspruch des Buches gewahrt sein, andererseits soll es sich um eine gut geschriebene und durchaus spannende Erzählung handeln.

Dabei beginnt der Autor ungewöhnlich: Denn er geht nicht chronologisch vor, sondern beginnt die Handlung an einem Kernpunkt der Geschichte, der Entdeckung der Magellan-Straße an der Südspitze Südamerikas. Das finde ich persönlich nicht günstig gewählt, denn schließlich sind die Handelnden da noch nicht näher vertraut und als Leser kann ich noch nicht "mitfiebern". Andererseits weiß der gebildete Leser natürlich ohnehin, wie es ausgeht...

Gut gefällt mir, dass der Autor danach wieder weit ausholt und im Kapitel "Indische Lehrjahre" auf den Werdegang Magellans eingeht, insbesondere seine Reisen nach Indien im Dienste des portugiesischen Königs. Hier zeigt sich meinem Eindruck zufolge die Stärke des Autors Christian Jostmann: Er beweist Fachkenntnis und hat - soweit ich das beurteilen kann - sauber recherchiert und nutzt auch Fachbegriffe aus der maritimen Sprache. Gleichzeitig versteht er es, eine gute Geschichte zu schreiben, die zumindest mich in ihren Bann gezogen hat.

Dabei hat der Autor den Vorteil, immer wieder auf die Aufzeichnungen von Antonio Pigafetta verweisen zu können. Diesen italienischen Reisenden habe ich regelrecht liebgewonnen. Er ist der inofizielle Chronist der ersten Umsegelung der Erde, und schreibt derart aufgeweckt und interessiert und gewissermaßen mit einem zwinkernden Auge, dass es eine Freude ist. Er gehört übrigens zu den wenigen der Teilnehmer der damaligen Weltumrundung, die es wieder lebend nach Europa schafften...

Bei diesem Punkt wäre mir "weniger" lieber gewesen:

Und zwar bei der Aufzählung von Namen. Hier hat der Autor vielleicht den Anspruch als Historiker, sowohl andere Kartographen als auch politisch Einflussreiche Kreise in Spanien und Portugal zu nennen. Das hat zumindest mich bei der Vielzahl von Namen verwirrt. Alternativ wäre eine Übersicht der Handelnden (wie in Dostojewski-Romanen) vielleicht hilfreich gewesen.

Bei einem anderen Punkt hingegen wäre mir "mehr" lieber gewesen:

Einige Abbildungen - z.B. die typische Kleidung damaliger Matrosen, Edelleute, Händler - oder auch die eine oder andere Karte mehr hätte ich hilfreich gefunden, zum Beispiel für das Indien-Kapitel.

Insgesamt aber eine lesenswerte Neuerscheinung für Historisch Interessierte:

Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde

Eine kostenlose Leseprobe des Buchs in Form einer PDF-Datei finden Sie bei Interesse unter diesem Link.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

P.S.: Wer eine reine Erzählung möchte, gut geschrieben, dem kann ich zu dieser Thematik Stefan Zweigs Klassiker "Magellan - der Mann und seine Tat" nahe legen.

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Michael Vaupel

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