Rezension: Marktzyklen meistern

Rezension: Marktzyklen meistern

Howard Marks ist Milliardär, Co-Gründer von Oaktree Capital Management - und Autor.

Seine Neuerscheinung Marktzyklen meistern habe ich gerade gelesen. Hier meine Anmerkungen dazu:

Zunächst einmal fällt sofort auf, dass Howard Marks offensichtlich gerne schreibt. Dafür ist er in dre Finanzwelt auch bekannt, in den sogenannten "Oaktree memos" legt er Investmentstrategien verständlich dar. Auch das neue Buch ist gut lesbar geschrieben. Eine Sache fiel mir direkt positiv auf: Howard Marks mag offensichtlich gerne Zitate, denn er verwendet diese relativ oft. Ein Beispiel für ein Zitat, das ich mir umgehend herausgeschrieben habe:

Es kann nur wenige Gebiete menschlicher Unternehmungen geben, auf denen die Geschichte so wenig zählt wie in der Finanzwelt. Insofern frühere Erfahrungen überhaupt Teil des Gedächtnisses sind, werden sie als primitive Zuflucht derjenigen abgetan, die nicht genug Einsicht besitzen, um die unglaublichen Wunder der Gegenwart zu würdigen.

  • John Kenneth Galbraith

Wie Sie sich denken können, rechnet Howard Marks sich und die Leser(innen) seines Buches stattdessen zu denjenigen, die die Geschichte im Blick haben. Damit ist die Verbindung zu den Zyklen an den Finanzmärkten gezogen. Denn Zyklen kann aus eigener Beobachtung in der Regel nur der/die erkennen, wer mehrere Jahre zurückblickt.

  • Howard Marks schildert in seinem Buch mehrere Zyklen. Beispiel Anleihenzyklus, hier von mir sinngemäß verkürzt wiedergegeben:Wenn risikoaverse Anleger vorherrschend sind, verlangen diese hohe Bonität.
  • Das führt dann zu niedrigen Ausfallquoten. Dann werden die Anleger "selbstgefällig und risikotolerant".
  • Die Risikotoleranz steigt, Anleger werden offener für Anleihen mit geringerer Bonität.
  • Wenn es dann konjunkturerelle Probleme gibt, gibt es einige Zahlungsausfälle bei Anleihen mit geringerer Bonität.
  • Die zunehmenden Zahlungsausfällen erhöhen die Risikoaversion.
  • Und wieder von vorn...

Eine Stärke des Buches ist es, diverse wirtschaftliche Zyklen anschaulich und anekdotisch zu erläutern.

Dies ist aber gleichzeitig auch eine Schwäche des Buches. Denn wer - wie ich - zum Beispiel konkrete Hinweise auf Saisonalitäten erwartet hatte (Beispiel Gold, da steigt die physische Nachfrage nach Gold in der "Heiratssaison" in Indien, da dort Gold ein beliebtes Geschenk ist, etc. pp.), der wird enttäuscht.

Und die langen Anmerkungen zur Finanzkrise von 2008 zeigen eher, wie sehr dieses Ereignis den Autoren beschäftigt hat. Er schildert anschaulich, unter welchem Druck sein Fonds damals stand, wie wichtig es war, dass die Anleger Eigenkapital nachgeschossen haben, weil sonst Positionen hätten liquidiert werden müssen. Diverse zittrige Hände hätten aber kein zusätzliches Eigenkapital geben wollen. Da musste dann der Autor mit seinem eigenen Geld einspringen - natürlich war das eins seiner besten Investments, etc. pp., hier ein wenig obligatorisches Eigenlob.

Stellenweise hätte ich mir hier ein paar mehr belastbare Fakten und Statistiken gewünscht als anschaulichen Fließtext. Denn nach manch einem Kapitel hatte ich den Eindruck, das war zwar nett zu lesen, aber was bringt mir das jetzt in der Praxis? Denn dass es z.B. am Immobilienmarkt manchmal ein zu hohes Angebot gibt und die Preise dann sinken, und umgekehrt, das sind nun keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Hingegen las ich mit Erkenntnisgewinn manche Abschnitte zum allgemeineren Thema "Entscheidungen unter Unsicherheit". Der Untertitel des Buches "So geht perfektes Timing für Anleger" ist meines Erachtens nach insofern irreführend.

Insgesamt aufgrund der genannten Faktoren ein durchwachsenes Fazit meinerseits für:

Marktzyklen meistern

Bei Interesse finden Sie eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF-Datei unter diesem Link.

Viele Grüße & schönen Feierabend!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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