Rezension: Namibia-Bücher

Rezension: Namibia-Bücher

Dem südlichen Afrika bin ich über diverse Hilfsprojekte (siehe hier) verbunden - und insbesondere Namibia habe ich sehr lieb gewonnen.

Nachdem ich vorigen November die Neuerscheinung der namibischen Autorin Erika von Wietersheim "Guten Morgen Namibia" gelesen hatte (hier meine Rezension), wurde ich auf den neuen Verlag "Palmato" aufmerksam. Das ist ein kleiner, meiner Ansicht nach äußerst feiner Verlag, der Bücher zum Themenbereich Afrika (insbesondere Namibia und Ghana) publiziert. In der Eigendarstellung der Verlegerin Felizitas Peters klingt das so:

Palmato Publishing publiziert Bücher, die den Leser mitnehmen in Neue Welten. Schwerpunkte sind dabei zurzeit Themen aus Afrika, insbesondere Namibia und Ghana. Aber auch neue innere Welten oder unentdeckte Aspekte unseres Alltags gehören dazu. Palmato ist ein junger Verlag. Wir behalten uns vor, neue Ideen und neue Richtungen zu prüfen und in unser Programm aufzunehmen.

Sie können sich denken, dass ich das nicht erwähnen würde, wenn ich inzwischen nicht ein weiteres Buch aus dem Verlagsangebot gelesen hätte. Habe ich. Sogar zwei - Bücher, und zwar parallel.

Namibia-Karte aus "Guten Morgen Namibia". Quelle: Verlag

Zum einen: "Aus-Zeit" von Erika von Wietersheim

Und dann: "Licht und Schatten in Namibia 2" von Anna Mandus

Die beiden Autorinnen sind äußerst unterschiedlich in Bezug auf ihren Schreibstil und wohl auch auf ihre Persönlichkeiten.

Den Stil von Erika von Wietersheim habe ich nach der Lektüre drei ihrer Bücher inzwischen kennen- und schätzen gelernt. Sie besitzt die Fähigkeit, aufmerksam zu beobachten, durchdacht und unaufgeregt ihre Schlüsse zu ziehen und diese dann äußerst lesbar zu Papier bringen zu können. Ich persönlcih bin schon froh, wenn mir zwei dieser drei Dinge gelingen.

"Mit Mozart und den Buschleuten in der Namib"

Ihren Schreibstil finde ich sehr gut lesbar. Im vorliegenden Büchlein (ca. 135 Seiten in kleinem Format) behandelt sie thematisch ihren einmonatigen Rückzug in eine wüstenähnliche Landschaft im Süden Namibias. Dabei ist der Titel "Aus-Zeit" ein Wortspiel, denn der Rückzugsort befindet sich in der Nähe des namibischen Städtchens Aus. Geschichtsbewusste wissen: Dort wurden während des Ersten Weltkriegs Hunderte deutsche Männer von Südafrikanern und Engländern unter harten Bedingungen interniert.

Wieso zieht sich die Autorin an diesen Ort zurück? Vordergründig, um dort die Geschichte ihrer Eltern aufzuschreiben. Doch es wird auch eine Reise "zu sich selbst", wie es so schön heißt. Denn wenn die Gedanken nicht auf Ereignisse reagieren (müssen), dann können die Gedanken eben ganz eigene Wege gehen.

Genau daran lässt die Autorin uns teilhaben. Ich persönlich finde das interessant, denn Nachdenken über "Gott und die Welt" bei einem Glas Rotwein liegt auch mir. Doch das mag nicht jedem liegen. Insofern halte ich das Büchlein für das am wenigsten leicht zugängliche Buch von Erika von Wietersheim. Mir persönlich hat die Lektüre zugesagt.

Recht anders hingegen "Licht und Schatten in Namibia 2" von Anna Mandus. Wie der Titel bereits nahe legt, ist es das zweite Buch zu der Thematik. Die Autorin ist aus einem anderen Kaliber. Weniger Philosophin, die alleine vor sich hin philosphiert. Stattdessen zugewanderte Namibierin mit interessiertem Blick für Land und Leute - an praktischen Dingen orientiert. Anlässe sind oft genug der Alltag.

Ein Beispiel: Die Autorin eine Freundin besuchen - doch die Hauptstraße ist gesperrt, weil der Präsident zum Flughafen fahren will. Das nimmt sie zum Anlass, um ihren Gedanken zu dem Thema Herrschaft niederzuschreiben. Im Grunde handelt es sich um keinen zusammenhängenden Text, sondern um einzelne Reportagen zu Themen wie "Migration in Namibia", "Feste feiern" oder "Drehort Namibia". Kurzweilig zu lesen, eher im Stil einer Glosse oder Kolumne als im elaborierten Stil einer Erika von Wietersheim.

Damit sage ich nicht, dass ich das eine lesenswerter als das andere Buch finde - sie sind eben "anders". Auf ihre Weise hat mir die Lektüre beider Bücher gefallen.

Die Verlegerin bietet an, auf Wunsch kostenlose Leseproben als PDF-Datei zu schicken. Wenn Sie daran interessiert sind, um nicht die Katze im Sack zu kaufen, klicken Sie auf der Seite des Verlags (www.palmato-publishing.com) oben rechts auf das Kontaktfeld und schicken eine entsprechende Nachricht.

Viele Grüße & schönen Feierabend!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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