Rezension: Schlachten, die unsere Welt veränderten

Rezension: Schlachten, die unsere Welt veränderten

Auf einer Reise während meines Geschichts-Studiums (lang ist es her...) fand ich in einer Bibliothek ein interessantes Büchlein über kontrafaktische Geschichte.

Ich erinnere mich nicht mehr an den Titel...es war etwas der Art "what if", also sinngemäß "was wäre, wenn". Leider fand ich später nie heraus, um welches Buch es sich handelte.

In dem Buch wurden mehrere historische Wendepunkte untersucht und spekuliert, wie unsere Welt heute aussehen würde, wenn an solchen Zeitpunkten einer der Handelnden anders gehandelt hätte.

  • Was wäre zum Beispiel, wenn Hitler 1938 nicht ungefähr eine Viertelstunde vor der Explosion einer Bombe den Bürgerbräukeller verlassen hätte...
  • was wäre gewesen, wenn der US-Präsident nicht die Genehmigung zum Abwurf von zwei Atombomben auf Japan gegeben hätte...

Die Thematik hatte mich gepackt und regte meine Phantasie an. Ja, wie könnte die Welt heute aussehen - hätte sich etwas geändert? Und könnten vermeintlich "gute" Ereignisse auch durchaus negative Folgewirkungen haben?

An dieses Buch musste ich denken, als ich neulich den opulenten Geschichtsband Schlachen, die unsere Welt veränderten las. Denn da geht es zwar nicht um kontrafaktische Geschichtsschreibung - doch entsprechende Gedanken werden bei der Lektüre des Buchs beflügelt (zumindest bei mir).

Denn in dem Buch/Bildband werden zahlreiche Schlachten thematisiert, die in der Tat einen Unterschied gemacht haben. Beispiel Hastings 1066 - als die Normannen in England einfielen und die Angelsachsen besiegten. Dadurch nahm England eine ganz eigene, bestimmte kulturelle Entwicklung - die wohl anders verlaufen wäre, wenn die Normannen abgeschlagen worden wären. Dann wäre England wahrscheinlich "germanischer" geblieben. Oder auch nicht, wer weiß.

An dem Buch gefällt mir, dass dort aus mehreren Epochen solche Schlachten thematisiert werden. Es geht natürlich in der Antike los. Beispiel Schlacht von Marathon, 490 v. Chr. - Sieg der Griechen (und Begründung des "Marathon-Laufs"). Doch was, wenn die Griechen damals verloren hätten? Und gab es damals überhaupt "die Griechen", oder ist das zu pauschalisierend angesichts der Aufsplitterung in Kleinstaaten wie Sparta oder Athen?

Oder Stichwort Punische Kriege - wie sähe Europa heute aus, wenn sich nicht die Römer, sondern die Karthager in den Punischen Kriegen durchgesetzt hätten?

Die Stärke des Buchs ist es aus meiner Sicht, dass hier ein guter Überblick über 90 kriegerische Auseinandersetzungen gegeben wird, die alle "unsere Welt veränderten". Die Schlachten sind dazu in fünf thematische Kapitel eingeordnet.

Es handelt sich um keine Bleiwüste, sondern es gibt zahlreiche Visualisierungen in Form von Bildern und natürlich Landkarten.

Wie ich es vom Dorling Kindersley Verlag gewohnt bin, gibt es auch gut geschriebene Infokästen und Kurzbiographien und auch gelegentlich die eine oder andere Beschreibung historischer Waffen.

Ein Teil der Inhaltsangabe. Quelle: Verlag

"Schlachen, die unsere Welt veränderten" ist kein Buch, das zwangsläufig von vorne bis hinten gelesen werden muss (auch wenn ich das tue). Leser/innen können direkt zu einer Epoche springen, die sie interessiert. Ein wenig Hintergrundwissen kann nicht schaden, um z.B. Napoleons Niederlage bei Waterloo einordnen zu können, ohne dabei nur an ABBA zu denken. Doch generell ist das Buch erfreulich niedrig schwellig angelegt, sprich historische Laien werden hier gut "abgeholt", wie es heutzutage heißt.

Kritikpunkte? Bei den geschichtlichen Publikationen des Dorling Kindersley Verlags fällt mir gelegentlich auf, dass der Fokus auf die britische Geschichte gelegt wird. Das ist kein wirklicher Kritikpunkt, doch den einen oder die andere Leserin mag das stören. So würde ich persönlich nicht gerade die "Schlacht bei New Orleans" von 1815 als "Schlacht, die unsere Welt veränderte" bezeichnen - doch aus britischer Sicht ist sie das möglicherweise durchaus.

Kompliment meinerseits an die Autoren Philip Parker und R.G. Grant. Die beiden Historiker vereinen Fachwissen mit der Fähigkeit, gut lesbare Texte zu schreiben - was gewiss keine Selbstverständlichkeit ist (wie ich aus meinem Geschichts-Studium weiß).

Mein Fazit:

Für diejenigen unter Ihnen, welche an Geschichte im Allgemeinen und Militärgeschichte im Besonderen interessiert sind, kann ich Schlachten die unsere Welt veränderten nur wärmstens empfehlen.

Angenehme Lektüre!

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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