Rezension: Nachhaltige Finanzen

Rezension: Nachhaltige Finanzen

Die von mir sehr geschätzte Organisation "CRIC" mit dem etwas sperrigen Namen "Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage" ist Herausgeberin einer neuen Publikation mit dem Namen "Nachhaltige Finanzen".

Ich habe das Buch umgehend gelesen - hier meine Einschätzung:

Zunächst einmal: Der Untertitel bringt auf den Punkt, um was es hier geht: "Durch aktives Aktionärstum und Engagement Wandel bewirken".

Und damit rennt diese Publikation bei mir gewissermaßen offene Türen ein. Denn ich bin jemand, der es liebt, zu Hauptversammlungen (HVs) zu reisen und dort mit Mit-Aktionären zu fachsimpeln - und wo möglich für das Gute einzutreten. Bewahrung der Schöpfung, gute Corporate Governance, Verhinderung von "Selbstbedienungsmentalität" durch Management und/oder Aufsichtsrat - das sind Themen, bei denen ich selbst auch im Rahmen meiner eng begrenzten Möglichkeiten (eigene Aktien) aktiv werde.

Erfreulich dabei: Selbst wer nur eine einzige Aktie besitzt, hat bei einer Präsenz HV Rederecht. Das nutzten 2019 z.B. Organisationen wie der von mir sehr geschätzte Dachverband der Kritischen Aktionäre, um auf HVs ein Forum zu haben, um Missstände anprangern zu können.

Die neue Publikation ist ein Sammelband mit recht unterschiedlichen Beiträgen zu der Thematik. So ist z.B. - natürlich! - der Dachverband der Kritischen Aktionäre vertreten. Deren Geschäftsführer Markus Dufner ist mir als unermüdlicher Kämpfer für das Gute bekannt und nennt in seinem Beitrag nach einer Vorstellung seiner Organisation erfrelicherweise einige konkrete Fallbeispiele (BASF/Lonmin, Allianz, Siemens, Volkswagen).

Hervorheben möchte ich auch insbesondere den Beitrag "Engagement und active ownership aus rechtlicher Sicht" von Andreas Zubrod. Dieser äußerst lesenswerte Beitrag geht z.B. die Änderungen durch ARUG II durch und nennt die Möglichkeiten, die Aktionäre überhaupt haben.

Dabei ist dieser Beitrag neben hoher Fachkenntnis (ich habe viel gelernt über die rechtlichen Rahmenbedingungen) erfreulich konkret und mit klarer persönlicher Meinungsäußerung.

Ein Beispiel: Vielleicht erinnern Sie sich an die Bayer HV, bei welcher dem Vorstand die Entlastung verweigert wurde - was durchaus für Aufsehen sorgte, aber keine direkten Konsequenzen hatte. Der Autor des Beitrags bezeichnet es als...

"buchstäblich billig, seitens der deutschen Institutionellen Investoren in der Hauptversammlung Reden zu halten, die Entlastung zu verweigern (wie oben ausgeführt: bedeutungslos) und/oder Presseinterviews zu geben."

Wer es ernst gemeint hätte, der hätte nach Ansicht des Autors z.B. nach Paragraph 148 Abs. 1 Satz 1 AktG ein Klagezulassungsverfahren anstrengen können. Auch eine Klage in den USA sei möglich gewesen. Das seien Dinge, welche wirklich etwas bewirken können - den Weg gingen deutsche institutionelle Investoren aber nicht. Für uns kleine Aktionäre ist dieser Weg verwehrt, da üblicherweise 1% des Grundkapitals notwendig sind, um entsprechende Wege gehen zu können.

Solche Texte liebe ich: Fachkompetenz, dennoch klare Schlussfolgerungen ohne Blabla, Nutzwert und Information zugleich. Chapeau.

Der Sammelbank bietet auch andere Aspekte zum Thema aktives Aktionärstum. So bietet der Beitrag von Gesa Vögele einen lesenswerten Überblick zu Geschichte und Marktentwicklung dieses Aspekts. Das fand ich persönlich auch im Hinblick auf den internationalen Aspekt interessant, schließlich bin ich zwangsläufig recht mitteleuropäisch zentriert geprägt.

Sehr gefreut hat mich, dass auch kirchliche Investoren thematisiert werden. So ist das Thema des Beitrags von Seamus P. Finn das "Interfaith Center for Corporate Responsibility", kurz ICCR.

Ich selbst bin gerne in Kontakt und konstruktiven Diskussionen mit kirchlichen Investoren und verweise zum Beispiel auf meinen Beitrag "Nonnen gegen Tesla" hier im Blog. Diese Nonnen haben mehr Engagement gezeigt als ganze Kohorten deutscher institutioneller Investoren, die sich "Nachhaltigkeit" und "Engagement" auf die Fahnen schreiben. Manche Kontinente bewegen sich schneller als die, so mein unmaßgeblicher Eindruck.

Hier gilt es kritisch hinzuschauen, denn Pauschalisierungen sind natürlich auch gefährlich.

Mein Fazit: Lesenswert

Wenn Sie selber Aktionär/in sind und gerne zu Hauptversammlungen gehen, dann kann ich Ihnen die Lektüre dieser Neuerscheinung nur empfehlen. Sie erhalten wertvolles Hintergrundwissen zur rechtlichen Lage und auch ethisch-theologische Denkanstöße. Deshalb ist das Buch meiner Ansicht nach auch für Nicht-Aktionäre interessant, die sich grundsätzlich Gedanken über unser Wirtschaftssystem machen.

Die einzelnen Beiträge sind grundsätzlich auch für Laien gut lesbar, bei manchen Beiträgen wie den rechtlichen Grundlagen sollten Vorkenntnisse im Bereich Aktiengesetz vorhanden sein.

Insgesamt ein klares Daumen hoch meinerseits für diese Fachpublikation: Nachhaltige Finanzen - durch aktivs Aktionärstum und Engagement Wandel bewirken

Eine kostenlose Leseprobe in Form einer PDF finden Sie unter diesem Link, da auf "Vorschau" klicken.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Wochenstart!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

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Michael Vaupel

"Fairness, Respekt vor Mensch und Tier sowie der gewiefte Blick für clevere Investment-Chancen - das lässt sich meiner Ansicht nach sehr wohl vereinen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Ansicht gemeinsam vertreten werden - auch gegen den Mainstream."

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Ein Gedanke zu “Rezension: Nachhaltige Finanzen

Rezension: Nachhaltige Finanzen – FinanzFeedGeschrieben am  1:55 pm - Mrz 29, 2021

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